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30 spannende Projekte am Start

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30 spannende Projekte, die den Landkreis auch im Tourismus voranbringen sollen, wurden vorgestellt. Die EU zahlt die Hälfte.

Kreis Gießen. Tue Gutes. Und rede darüber. Unter diesem Motto feierte der Verein »Region Gießener Land« im Bürgerhaus Rodheim den Abschluss seiner Lokalen Entwicklungsstrategie (LES) für die Region in den kommenden vier Jahren. Eine Punktlandung, denn bis spätestens 31. Mai muss der knapp 190 Seiten starke Projektkatalog in Wiesbaden eingegangen sein.

Läuft alles so, wie vom Team um den Vereinsvorsitzenden und früheren Rabenauer Bürgermeister Kurt Hillgärtner geplant, dann fließen aus der Landeshauptstadt und dem sogenannten Leader-Programm zur Aufwertung des ländlichen Raums von 2023 bis 2027 rund 5,2 Millionen Euro an Fördermitteln in die den Verein tragenden 15 Kreiskommunen. Da die nach Abzug der Verwaltungs- und Personalkosten des Vereins verbleibenden rund vier Millionen Euro zwingend durch 50 Prozent Eigenanteil pro Projekt aufgestockt werden müssen, werden so letztlich rund acht Millionen Euro bewegt, um die Attraktivität des Landkreises zu steigern, sagte Regionalmanagerin Anette Kurth im Pressegespräch.

Frisbee und Golf

Ähnlich originell und attraktiv wie die bereits erfolgreich verwirklichten Projekte in den vergangenen Jahren, darunter der Bürgerpark in Lich, die Entwicklung des Künstlerhofs Arnold in Allendorf/Lda. oder die Schäferwagenherberge in Nonnenroth, sind auch die rund 30 Projekte, die vom Verein für förderwürdig befunden wurden.

Diesmal soll durch die Förderung unter anderem der Bau einer Discgolf -Anlage in Langgöns ermöglicht werden. Discgolf ist eine Mischung aus klassischem Golf und Frisbee. Ziel ist es, die Plastikscheibe mit möglichst wenigen Würfen in die Zielkörbe des Parcours zu befördern. Diese Trendsportart erfreut sich wachsender Beliebtheit, ist in unserer Region allerdings noch nicht sehr bekannt. Den nächstgelegenen Discgolf-Parcours findet man erst in Friedberg.

Spannend ist auch das Projekt des Busecker Pfadfinder-Stammes »Wikinger« Sie möchten gerne auf dem Badeplatz in Beuern einen Handwerkerhof errichten, auf dem Kinder und Jugendliche traditionelles Handwerk erlernen können wie Schmieden, Backen oder Imkern. Das Projekt ist schon soweit gediehen, dass mit der entsprechenden Förderung bereits im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden könnte.

Stillgelegte und langsam verfallende Bahnhöfe sind in vielen Kommunen ein Ärgernis. In Langgöns will die Gemeinde deshalb im ersten Stock des Gebäudes einen Co-Working-Space für bis zu 20 Bildschirmarbeitsplätze einrichten.

Eine ebensolche Aufwertung soll der Steinbruch in Oberkleen erfahren, der bislang eher für Unmut durch wilde und unangemeldete Partys gesorgt hat. Das soll künftig eingedämmt und durch eine naturverträgliche touristische Entwicklung und ein gastronomisches Angebot ersetzt werden, damit der Steinbruch für alle Bürger ein attraktives Naherholungsziel werden kann.

Im Licher Stadtteil Langsdorf soll die alte Schlosserei zu einem Mehrgenerationenhau s umgebaut werden, das neben barrierefreien Wohnungen auch ein Begegnungscafé beherbergen soll.

Und in Pohlheim will die Kommune am Obersteinberg einen Wochenendpark mit sogenannten Tiny Houses, also nur wenige Quadratmeter große Holzbauten, für Übernachtungsgäste errichten.

Wer lieber in den Sandalen und auf den Spuren der alten Römer wandelt, die vor rund 2000 Jahren bei Pohlheim das Imperium gegen die wilden Germanen verteidigten, ist in Pohlheim ebenfalls richtig. Die Stadt will das Hypokaustum (Sauna) mit einer Römerwoche attraktiver machen, in der die Teilnehmer stilecht in Lederzelten übernachten und auf der »herrschaftlichen« oder auf der »Sklavenrunde«, die Wacht am Limes halten können.

Daneben gibt es aber auch kreisweite Projekte, wie das Programm » Vom Hof in den Topf «, das die regionale und saisonale Gastronomie stärken und damit auch Wertschöpfung im Kreis halten soll.

Steigerungsfähig ist auch die Attraktivität des Landkreises für Wanderer. Zwar gibt es bei uns 77 Routen mit einem rund 1300 Kilometer langen Streckennetz. Allerdings hapere es oft bei der Beschilderung der Wanderwege , und es fehle an Rundwegen mit einer Länge bis zu 15 Kilometern, wie sie von den meisten Wanderern für eine Tagestour bevorzugt würden. Im Kreis genügten derzeit nur der Lahnwanderweg und der Kelten-Römer-Pfad diesen Qualitätsansprüchen. Deshalb solle in den nächsten vier Jahren mit den Fördergeldern aus dem Leader-Programm, weitere Wege zertifiziert werden, um die touristische Infrastruktur zu verbessern und die Region attraktiver zu machen.

Noch weiter greift das Kooperationsprojekt Gemeinwohlökonomie , dessen Mitglieder die praktische Erprobung von Alternativen zum zerstörerischen und zunehmend an seine Grenzen stoßenden Wirtschaftssystems Kapitalismus ausprobieren möchten.

Wohlstandsverluste

Landrätin Anita Schneider erinnerte in ihrem Grußwort daran, dass alle förderungswürdigen Projekte auch Antworten auf die zunehmend drängenderen Fragen unserer Zeit geben sollen.

Zu den drei »D’s« der Herausforderungen für den ländlichen Raum - Demographischer Wandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung (also der Ausstieg aus fossilen Energieträgern) - geselle sich aufgrund der jüngsten schlimmen Entwicklungen in der Ukraine auch noch ein viertes »D«, die Deglobalisierung.

Der Krieg und die durch ihn ausgelösten Störungen der Lieferketten hätten deutlich gemacht, dass man einen guten Teil der Wertschöpfung wieder zurückholen müsse, betonte Schneider. Ein starkes Europa dürfe nicht von autokratischen Regimen abhängig sein. »Das bedeutet auch, dass wir alle Wohlstandsverluste erleiden werden«, so die Landrätin. Das sei eine Chance, nachzudenken, was wir wirklich brauchen und was nicht.

Über Leader werden Projekte über die Europäische Union gefördert, die die Lebensqualität im ländlichen Raum sichern sollen.

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Die Mitglieder des Vereins »Region Gießener Land« haben sich für die nächsten vier Jahre wieder viel vorgenommen. Foto: Berghöfer © Berghöfer

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