Ab 1. Januar: Wettenberger Gemeinden vereint

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WETTENBERG - (jem). Aus drei wird eins - ohne jedoch auf die Besonderheiten jedes Einzelnen zu verzichten. Am 1. Januar 2021 ist es soweit: Aus den bisher eigenständigen evangelischen Gemeinden Krofdorf-Gleiberg, Launsbach und Wißmar wird die evangelische Kirchengemeinde Wettenberg.

Dass diese Vereinigung vor allem aus finanziellen Gründen vollzogen wird, ist kein Geheimnis. "Wir brauchen einander und haben ein gemeinsames Ziel: Die Gemeinde zukunftsfähig zu halten und zu gestalten", sagt Pfarrerin Alexandra Hans, die bisher für Wißmar zuständig war. Wie vielerorts gibt es auch in Wettenberg immer mehr Kirchenaustritte und damit immer weniger Geld aus der Kirchensteuer. Die Verantwortlichen wollten die noch verhältnismäßig gute Situation nutzen, "sodass wir nicht unter Druck zu einer Vereinigung gezwungen werden, sondern Zeit haben, uns kennenzulernen", betont Hans. Die neue Großgemeinde wird rund 5850 Gemeindemitglieder haben - aus Krofdorf-Gleiberg und Wißmar je etwa 2450 und aus Launsbach etwa 1000.

Bereits seit 2017 bereitet man diesen Schritt vor, der auch mit dem offiziellen Start noch längst nicht abgeschlossen ist, wie Pfarrer Christoph Schaaf betont. "Es muss nicht alles am 1. Januar stehen. Wir müssen uns Zeit nehmen, um die Menschen mitzunehmen, sodass auch sie ihre Vorschläge abgeben können."

Zwei Pfarrstellen

Ihr wichtigstes Ziel: Keinen der drei Orte vergessen. Damit ist vor allem Launsbach gemeint. Klar war schon von Beginn an, dass die Großgemeinde mit weniger als 6000 Mitgliedern nach Vorgaben der rheinischen Kirche nur zwei Pfarrstellen haben wird. Da Launsbachs Pfarrerin Esther Wagner ohnehin 2023 in den Ruhestand gehen wollte, hätte man bis dahin die drei Stellen behalten können. Doch es kam anders. Wagner verabschiedete sich bereits im Dezember von der Gemeinde und geht offiziell Ende Januar in den Ruhestand. Damit verbleiben nur noch Hans und Schaaf. "Ab dem 1. Januar gilt es dann, uns auch in Launsbach einzuarbeiten. Aber durch Vertretungen und viele Berührungspunkte kennen wir uns schon etwas aus", so Hans.

Auch im neuen Presbyterium, das bis zur Wahl 2024 Bevollmächtigtenausschuss (BVA) heißen wird, werde man jetzt weiter zusammenwachsen müssen.

Derzeit besteht der BVA aus 26 Mitgliedern (zehn aus Wißmar, neun aus Krofdorf-Gleiberg und sieben aus Launsbach). Die Größe ist dadurch geschuldet, dass es ein Zusammenschluss aus den drei zuvor bestehenden Presbyterien ist. 2024 soll es in deutlich abgespeckter Form weiter gehen. "Es erschien uns jetzt aber als eleganteste Lösung. Bis dahin müssen wir uns überlegen, wie die Verteilung aussieht, ob etwa aus allen Orten gleichviele Vertreter dabei sind", sagt Hans.

Ein Anliegen der Launsbacher: Den Ort nicht unter den beiden Pfarrern aufzuteilen, sondern ihn als Ganzes zu verstehen. "Eine Teilung nach dem Motto: Ich nehme die Launsbacher bis zu dieser Straße und du die anderen, sollte es nicht geben. Jetzt machen wir es so, dass ich mich vor allem auf die Kinder- und Jugendarbeit konzentriere und Christoph Schaaf Erwachsene und Senioren im Blick nimmt", erklärt Hans. Ob das so funktioniere, werde man sehen müssen. Ebenso wie den Rest. "Wir können es nur versuchen, allen Orten gerecht zu werden. Dazu gehört auch, dass wir in jedem Ort präsent bleiben und Gruppentreffen beibehalten, sobald das wieder möglich ist", so Schaaf.

So behalte man zunächst vieles bei: Gottesdienste finden weiterhin in allen Kirchen statt, auch wenn man sich vorstellen könnte, auch einmal in einem Ort samstagabends Gottesdienste zu veranstalten, wie es in Krofdorf-Gleiberg bereits seit einigen Jahren der Fall ist. Die Gemeindebüros bleiben in allen Ortsteilen und sind zu unterschiedlichen Tagen und Zeiten offen. Wichtig: Auch wenn man in Wißmar anruft, kann man sich zum Beispiel für eine Taufe in Launsbach anmelden.

Auch die Sekretärinnen und Mitarbeiter für die Kinder- und Jugendarbeit bleiben. Ebenso wie die Gemeindebüchereien in allen Ortsteilen. Hier könnte man sich für die Zukunft auch ein gemeinsames System vorstellen. Ebenso bleiben die Konfirmanden in ihren Orten, solange die Gruppen groß genug dafür sind. Eine gemeinsame Konfirmanden-Freizeit sei aber schon in der Planung, ebenso wie eine Sommerfreizeit an der Ostsee 2021.

Als erste konkrete Neuerung ist das gemeinsame Siegel zu nennen, das nun auch unter allen offiziellen Schriftstücken gesetzt wird. Das Siegel zeigt drei unverbundene und dennoch einander zugeordnete Linien - diese sollen die drei ehemals eigenständigen Gemeinden, die nun zusammen unter dem Kreuz sind, symbolisieren. In der Andeutung eines Hügels spiegelt sich auch die geografische Lage der drei Gemeindeteile, die rund um den namensgebenden Wettenberg liegen, wider. Das besondere der Siegel: Derjenige mit einem Punkt steht für Hans als die Inhaberin der ersten Pfarrstelle; derjenige mit zwei Punkten über dem Kreuz für Christoph Schaaf als Inhaber der zweiten Pfarrstelle. "Bei erstens und zweitens geht es aber keinesfalls um eine Hierarchie. Wir sind absolut gleichwertig", bekräftigt Hans.

Dennoch hat dies auch einen Hintergrund: Oftmals gehe in Wettenberg der Gedanke um, dass ohnehin alles nach Krofdorf-Gleiberg geht. Mit der ersten Pfarrstelle in Wißmar und auch dem offiziellen Sitz dort in der Pfarrstraße wollte man dem etwas entgegensteuern.

Eine weitere Neuerung: Zukünftig wird es einen Gemeindebrief und eine gemeinsame Homepage geben. Beides ist derzeit jedoch noch in Arbeit. Damit werden auch die Launsbacher besser erreicht, die bis dahin weder das eine noch das andere haben. Der Name des neuen Gemeindebriefs beziehungsweise der Homepage-Adresse ist noch nicht bekannt.

Es ist ein Prozess, bei dem sich noch viel entwickeln muss, sagt Schaaf. Er bittet die Gemeindemitglieder deshalb auch um Geduld und Nachsicht, wenn mal etwas nicht klappt. Eine offene und ehrliche Kommunikation sei nun wichtig. Ein großes Gemeindefest könne man sich deshalb auch gut vorstellen, um sich besser kennenzulernen - sobald Corona dies zulässt. Zunächst ist ein Gottesdienst zur Eröffnung der neuen Kirchengemeinde am 31. Januar auf dem Sportplatz an der Gesamtschule Gleiberger Land geplant - Pandemie-bedingt aber unter Vorbehalt. Eine Anmeldung ist erforderlich.

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