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Ab Montag Prozess um tödlichen Messerstich

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Der tödliche Streit um einen Drohnenflug unterhalb von Burg Gleiberg wird ab Montag vor Gericht aufgearbeitet

Wettenberg (vb). Der Fall sorgte im September 2020 bundesweit für Schlagzeilen: Ein 55-Jähriger starb nach einem Streit um einen Drohnenflug unterhalb von Burg Gleiberg. Ein damals 69-jähriger Vogelsberger hatte dem Wettenberger mit einem Messer in die Brust gestochen. Die Staatsanwaltschaft Gießen stellte das Verfahren einige Monate später ein, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der Vogelsberger in Notwehr handelte. Ab kommenden Montag muss er sich trotzdem vor Gericht verantworten.

Angehörige des Opfers waren mit einem Antrag beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt erfolgreich. Dieses entschied, es handele sich bei vorläufiger Bewertung nicht um eine Notwehrlage. Im Januar erhob die Staatsanwaltschaft daraufhin Anklage. Dem heute 71-Jährigen, einem pensionierten Kriminalbeamten, wird Totschlag vorgeworfen.

Der Mann hatte am 29. August 2020 unterhalb der Burg eine Drohne steigen lassen. Davon fühlten sich das 55-Jährige Opfer und dessen damals 62-jähriger Begleiter - ebenfalls aus Wettenberg - gestört, da Pferde auf einer nahe gelegenen Koppel aufgescheucht werden könnten. Es folgte eine massive Auseinandersetzung mit wechselseitigen Schlägen und Tritten. Im weiteren Verlauf kam es zu dem Messerstich. Der 55-Jährige verstarb trotz Notoperation wenige Stunden später in der Gießener Uniklinik

»Das ist rechtlich und tatsächlich ein sehr schwer zu beurteilender Fall«, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger im Gespräch mit dem Anzeiger. Dass ein OLG eine Entscheidung einer Staatsanwaltschaft revidiert, sei selten. Aber der Fall sei rechtlich anders gewürdigt worden.

Weitere Ermittlungen hat es laut Hauburger seit Jahresbeginn nicht gegeben, die Sachlage sei unverändert. Von dem Messer fehlt nach wie vor jede Spur.

In dem Verfahren, für das sechs Termine angesetzt sind, soll auch ein Begleiter des Beschuldigten aussagen, der an der Auseinandersetzung nicht beteiligt gewesen sei. Befragt werden außerdem der Begleiter des Opfers, verschiedene Polizeibeamte sowie Sachverständige.

Gegen den damals 62-jährigen Begleiter des Opfers hatte die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung ermittelt, das Verfahren aber gegen Zahlung einer Geldstrafe im dreistelligen Bereich eingestellt, wie Hauburger weiter erklärte.

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