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Abenteuer auf sechs Rädern

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Von: Frank-Oliver Docter

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In Rumänien werden die Reisenden am Straßenrand von einer Braunbären-Familie »begrüßt«. Foto: privat © privat

Drei Biker aus dem Landkreis Gießen waren über 8000 Kilometer durch elf Länder in Ost- und Südeuropa unterwegs. Die dabei gemachten Videos haben sie zu einem Film zusammengeschnitten.

Heuchelheim/Biebertal . Auf dem Motorrad durch die Gegend zu brausen, alles hinter sich zu lassen und unbekannte Regionen zu erkunden, vermittelt auch heute noch ein Gefühl von Freiheit. Peter Bayer, Harald Beimel und Bruno Failing haben dieses Gefühl viereinhalb Wochen lang genossen. Auf ihren schweren Maschinen waren die drei Biker im Alter von 57 bis 72 Jahren von Ende August bis Anfang Oktober vergangenen Jahres auf einer Rundtour über mehr als 8000 Kilometer durch elf europäische Länder unterwegs.

Von Deutschland aus ging es über Österreich, Ungarn und Serbien durch Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Nordmazedonien und den Kosovo nach Italien und zurück. Dabei sind viele Video- und Drohnen-Aufnahmen entstanden, die sie zum 105-minütigen Film »Unsere große Tour« zusammengeschnitten haben. Dieser wird am Freitag, 27. Januar, um 20 Uhr in der Gaststätte »Zur Post« im Biebertaler Ortsteil Fellingshausen gezeigt.

Geboren wurde die Idee zu dem Abenteuer auf zwei Rädern - genauer gesagt, sind es eigentlich sechs -, als Failing »in einem Reisemagazin blätterte«, wie er erzählt, als sich der Anzeiger-Reporter mit den Dreien in Heuchelheim trifft. Doch warum auf bekannten touristischen Pfaden wandeln, wenn es doch in Europa noch so viel Unbekanntes zu entdecken gibt? Die Streckenplanung war trotz Navi allerdings gar nicht so leicht. »In Albanien sind keine Straßenkarten zu kriegen«, nennt Beimel als Beispiel. Zudem mussten für die insgesamt 33 Übernachtungen zwischen den 200 bis 400 Kilometer langen Tagesetappen auch noch Unterkünfte gefunden werden. Letzteres war dann einfacher als befürchtet. Wo sich online kein Hotel finden ließ, »fragten wir Leute nach einer Pension«, berichtet Bayer. Diese hätten dann im Gegensatz zu dem Vier-Sterne-Hotel, in dem man einmal in Bulgarien unterkam, »eher null statt einen Stern gehabt«. Doch waren mit 20 Euro für Übernachtung und landestypische Speisen echte »Schnäppchen« dabei.

Eigentlicher Startpunkt der Rundreise, die jeden schließlich etwa 3500 Euro kosten sollte, war im österreichischen Bad Goisern am Hallstättersee. Dorthin waren die Maschinen, die jeweils an die 260 Kilogramm wiegen und bis zu 165 PS haben, mit zwei Autos und Anhängern gebracht worden. Aber ausgerechnet, als es endlich losgehen sollte, trat der einzige technische Defekt bei der Tour auf: Beimels Motorrad wollte nicht anspringen, was einen kleinen Umweg zu einem ortsansässigen Fachhändler notwendig machte.

Dann aber war es soweit und auf ging es durch Österreich und Ungarn zum »Eisernen Tor«, einem malerischen Durchbruchstal der Donau in den Karpaten an der Grenze von Serbien und Rumänien. Es folgte die gerade für Biker besonders schöne Fahrt über die kurvenreiche Transalpina-Straße durch die transsilvanischen Alpen. Das in der Region Siebenbürgen liegende »Dracula«-Schloss ließ man jedoch aus, »weil es uns dort zu viele Touristen sind«, sagt Beimel.

Nach einer Zwischenstation in der rumänischen Hauptstadt Bukarest kam es in der Walachei, einer Landschaft im Süden des Landes, zur wohl aufregendsten Begegnung auf der Tour. Nach einer Kurve stand plötzlich eine ganze Braunbären-Familie inklusive Nachwuchs auf und neben der Straße. Da man Bären in freier Wildbahn bekanntlich nicht zu nahe kommen sollte, »machten wir mit gehörigem Abstand einige Fotos von ihnen«, erzählt Bayer. Nächstes Ziel war der Schipkapass im bulgarischen Balkangebirge. Dass früher eine Gaststätte in Gießen den Namen dieses Gebirgspasses getragen hat, dürfte wohl kein Zufall sein.

»Sehr hilfsbereit«

Die meisten Straßen auf der 8000-Kilometer-Strecke waren gut ausgebaut, gerade auf dem Land waren aber auch schon mal schlechtere darunter. Und statt Autos kamen den Bikern Pferdewagen mit Anhängern entgegen. Die Verständigung mit den Einheimischen sollte dank beiderseitigen Englischkenntnissen oder Online-Übersetzern kein großes Problem darstellen. Zumal nicht wenige auch Deutsch sprachen. Immer wieder sei man »sehr hilfsbereiten Menschen« begegnet, die des Öfteren auch von sich aus auf die fremden Besucher zugekommen seien, berichtet Failing. »Allen Vorurteilen zum Trotz«, so Beimel, hätten die Drei auch in abgelegeneren Gegenden »niemals Angst verspürt«, ihnen könnte womöglich etwas zustoßen.

Weitere Stationen auf der Tour waren danach die bulgarische Hauptstadt Sofia und das zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Kloster Rila mit seinen herrlichen Wand- und Deckenmalereien. Nach einem Tank-Zwischenstopp im Kosovo führte der Weg über Nordmazedonien nach Griechenland, entlang der auf hohen Felsen thronenden Meteora-Klöster und mit einem Besuch der Hafenstadt Thessaloniki, nach Albanien.

Hier begeisterten die Biker vor allem das malerische Vjosa-Tal mit einem der letzten wilden Flüsse Europas und der Nationalpark Valbonatal. Von der Hafenstadt Durres setzte man dann per Fähre nach Bari über, um quer über den Stiefel Italiens zur Amalfiküste zum Städtchen Positano zu fahren. Nach Norden ging es schließlich über Stationen in Orvieto und Sorano Richtung Heimat.

Die nächste Motorrad-Tour ist bereits geplant. Ab Mai sind die Drei mit ihren Maschinen im nordafrikanischen Marokko unterwegs. Dabei führt sie die Strecke auch durchs Atlasgebirge. Die Motorräder werden per Schiff von Genua aus nach Marokko gebracht, der Rückweg erfolgt dann über Gibraltar auf zwei Rädern.

Der Film »Unsere große Tour« wird am Freitag, 27. Januar, um 20 Uhr im Saal der Gaststätte »Zur Post« in Biebertal-Fellingshausen (Die Grohbach 14) gezeigt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Etwa zur Filmmitte gibt es eine Pause. Der Eintritt ist frei.

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Auf ihrer Europa-Tour machen Harald Beimel (v.l.), Peter Bayer und Bruno Failing Zwischenstation in Orvieto (Italien). Foto: privat © privat

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