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Abschied vom »Lappen«

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Von: Debra Wisker

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Drei Generationen Führerscheine sind auf dieser Aufnahme zu sehen. Symbolfoto: dpa © Red

Der alte Führerschein hat ausgedient, auf den letzten Drücker geht es an den Umtausch

Kreis Gießen . Das neue Jahr geht nicht nur mit guten Vorsätzen einher, auch andere Dinge gilt es zu beachten. Um mich schlau zu machen, lese ich zwischen den Jahren, was sich denn nun alles ändert. Siehe da: Manche Jahrgänge müssen ihre Führerscheine umtauschen. Der »Lappen« hat ausgedient, nun braucht es einen im Scheckkartenformat. Ach ja, die gute alte Fahrerlaubnis in lebhaftem mausgrau - was haben wir nicht alles gemeinsam erlebt.

Und überhaupt - was war das eine Aufregung, als ich meinen Führerschein endlich in der Hand hatte. Der Fahrlehrer fragte damals, was aufregender sei: Der erste Kuss oder die Prüfung bestanden zu haben. Die Antwort steht bis heute aus. Ein bisschen Geheimniskrämerei muss sein. Apropos Geheimnis: Das war der Prüfungstermin auch. Abgesehen von meiner Mutter war niemand eingeweiht. Umso mehr staunte der Papa, als er mich von der »Fahrstunde« abholte. »Rutsch rüber, ich fahre.« »Wie bitte?« Dem Ärmsten stand ein großes Fragezeichen im Gesicht, das sich schnell in ein stolzes Lächeln auflöste, als ich meinen frisch erworbenen »Lappen« zückte. Und tatsächlich durfte ich die Familienkutsche nach Hause fahren - ohne jeglichen Kommentar von der Beifahrerseite. Für diesen Mut bewundere ich meinen Vater heute noch.

Da kommt Wehmut auf. So viele Jahre war das graue Dokument mein ständiger Begleiter, lebte in verschiedenen Etuis, war in diversen Handtaschen heimisch. Geknickt, gefaltet, ein wenig abgegriffen - der Zahn der Zeit hat zweifelsohne an dem Dokument genagt.

Zurück in die Gegenwart

Moment mal: Da fällt mir auf, dass auch ich zu den Jahrgängen gehöre, die sich von dem alten Format trennen müssen. Bis zum 19. Januar soll das erledigt sein. Da wähnte ich mich gerade in Sicherheit, dachte: »Ich habe bestimmt noch Zeit« und jetzt das. Aus dem Schwelgen in der Vergangenheit komme ich flugs zurück in die Gegenwart.

Dann nehmen wir die »Aktion Führerschein« doch mal in Angriff. Wie gut, dass man heutzutage so vieles online erledigen kann. Zum Beispiel auch einen Termin bei der Führerscheinstelle in Gießen vereinbaren. Von der Homepage des Landkreises führt ein Klick zur Terminvereinbarung. Doch kaum habe ich mein Anliegen - Umtausch in einen EU-Führerschein - angewählt, sehe ich rot. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in roten Buchstaben steht da: »Für diese Dienstleistung/Dienstleistungskombination gibt es aktuell leider keine freien Termine. Die Termine sind mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen ausgebucht. Neue Termine werden Montag bis Freitag um 6 Uhr freigegeben.«

Mehrere Versuche zeigen immer das gleiche Ergebnis. Das kann ja nun ganz schön knapp werden bis zum 19. Januar. Und überhaupt: Was soll mir diese Meldung sagen? Dass ich morgens um 6 Uhr parat stehen muss, um einen Termin zu ergattern?

Da frage ich besser bei denen nach, die es wissen müssten. Nadine Jung, Pressereferentin des Landkreises Gießen, erklärt, was diese Meldung bedeutet.

Von Montag bis Freitag um 6 Uhr werden neue Termine freigeschaltet. »Wer dringend einen Termin benötigt, hat daher morgens die besten Chancen. Bei ausreichend Kapazitäten stehen auch später am Tag noch buchbare Termine zur Verfügung.« Das Personal der Fahrerlaubnisbehörde versuche, jederzeit eine rasche Abwicklung von Terminen für den Führerscheinumtausch zu ermöglichen.

»Die Notwendigkeit des Umtauschs ist bereits seit mehreren Jahren in der Presse thematisiert worden, leider kommt es dennoch kurz vor Ablauf der Umtauschfrist zu einer stark erhöhten Nachfrage«, erklärt Jung. Wo sie recht hat, hat sie recht. Da muss ich mir an die eigene Nase fassen. Wer seinen Termin nicht online buchen möchte, könne das Servicetelefon nutzen und darüber einen Termin vereinbaren, »sofern es freie Termine in der Führerscheinstelle in Gießen oder der Außenstelle in Grünberg gibt«.

Das Stichwort »Grünberg« lässt mich aufhorchen. Denn auch hier gibt es den Tausch-Service. Ein Klick zeigt: Hier geht noch was. Der Termin ist in einfach klar gemacht, die Bestätigung kommt per E-Mail. Erleichterung macht sich breit. Jetzt ist Zeit, sich an das benötigte Passfoto zu machen. Das geht flugs. Schnell ein Selfie machen - keinesfalls lächeln, sondern biometrisch gucken. Der Online-Anbieter schaut kurz drüber, hübscht es ein wenig auf und drei Tage später liegen die neuen Passbilder im Briefkasten. Eine weitere Stufe ist geschafft. Gute Vorbereitung ist eben alles.

Die Bearbeitung inklusive Lieferung des neuen Dokuments dauert circa drei Wochen, heißt es beim Landkreis. Man kann sich den neuen Führerschein direkt von der Bundesdruckerei nach Hause schicken lassen. Das kostet aber zusätzlich 5,10 Euro. Oder man wählt die kostengünstigere Variante, lässt ihn an die heimische Führerscheinstelle senden und holt ihn - nach vorheriger Terminvereinbarung - dort ab.

Drei Wochen - da guckt schon das nächste Schreckgespenst um die Ecke: Was, wenn man die Umtauschfrist nicht einhält? Gilt dann trotzdem noch der alte Führerschein oder macht man sich vielleicht sogar strafbar?

Auch hier gibt Nadine Jung Auskunft: »Der alte Führerschein ist nach Ablauf der Frist nicht mehr gültig. Mit einem abgelaufenen Führerschein zu fahren, ist allerdings keine Straftat. Die Fahrerlaubnis behält grundsätzlich ihre Gültigkeit, lediglich das Dokument ist abgelaufen. Dennoch müssen Fahrzeugführer bei Kontrolle mit einem Ordnungsgeld in Höhe von zehn Euro rechnen.«

Zur Tat schreiten

Da der Landkreis lediglich die ausführende Behörde ist, hat er auch keinen Einfluss darauf, ob für »Spätzünder« die Umtauschfrist verlängert wird. »Die Fristen wurden vom Gesetzgeber festgelegt und können daher auch nur von diesem verlängert werden«, erläutert Jung.

Dermaßen mit Informationen, Termin und Fotos ausgerüstet, packe ich jetzt mein Bündel und schreite zur Tat: Heute wird der »Lappen«-Tausch beantragt.

Graue, rosa oder DDR-Führerscheine: Wer vor 1953 geboren wurde, hat bis 19. Januar 2033 Zeit. Für die Jahrgänge 1959 bis 1964 gilt die Frist bis 19. Januar 2023. 1965 bis 1970: 19. Januar 2024; 1971 oder später: 19. Januar 2025. Bei Führerscheinen im Scheckkarten-Format gilt das Ausstellungsjahr: 1999 bis 2001: 19. Januar 2026; 2002 bis 2004: 19. Januar 2027; 2005 bis 2007: 19. Januar 2028; 2008: 19. Januar 2029; 2009: 19. Januar 2030; 2010: 19. Januar 2031; 2011: 19. Januar 2032; 2012 bis 18. Januar 2013: 19. Januar 2033. (red)

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