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Akut lebensbedrohliche Situation

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Ein Iraker ist wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau angeklagt. Das Opfer musste notoperiert werden.

Kreis Gießen (fley). Ein Iraker muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Gießen verantworten. Er soll während einer Autofahrt auf seine Ehefrau eingestochen und dann die drei Kinder ins Ausland entführt haben. Aufschluss über die Tat gaben die Zeugenaussagen am zweiten Prozesstag.

»Ich dachte, da braucht jemand Hilfe. Jemand ist aus dem fahrenden Auto auf der anderen Straßenseite gefallen und ich dachte mir: ›Da stimmt etwas nicht‹.« So schilderte eine 28-jährige Zeugin das, was sie am Abend des 9. Juli 2021 auf dem Weg von Treis Richtung Staufenberg erlebt hatte. Die Zeugin sah die Verletzungen am Bauch, die die junge Frau erlitten hatte, gab ihr Wasser und wählte den Notruf. »Mir war aufgefallen, dass die Beifahrertür des entgegenkommenden Autos schon offen war. Es sah aus, als wäre die Frau rausgeschubst worden«, schilderte die Zeugin. Auf Nachfrage sagte das Opfer in gebrochenem Deutsch, dass ihr Mann sie »gemessert« habe. »Ich habe nach ihrem Namen gefragt und habe ihr meinen genannt. Sie sagte nur, dass sie Kinder habe und dass ihr Mann wegfahren wolle«, so die 28-Jährige.

Keine Spuren am Tatort

»Das Opfer sagte uns, dass ihr Ehemann ihr die Verletzungen zugefügt habe. Sie hatte sich um ihre Kinder gesorgt und sich darüber Gedanken gemacht, dass ihr Mann sich mit den Kindern ins Ausland absetzt«, berichtete die zuständige Polizeibeamtin. Es konnten am Tatort keine Spuren sichergestellt werden, jedoch wurden das Auto der Familie sowie der Ehemann zur Fahndung ausgeschrieben. Auf Nachfrage teilte sie mit, dass es am Tatort weder Brems-, noch Beschleunigungsspuren gegeben habe.

Die Aussage eines 41-jährigen Autohändlers aus Lollar warf ebenfalls Fragen auf. Er stand am Tattag mit dem Angeklagten telefonisch in Kontakt. »Er wollte ein Fahrzeug abholen, das seine Frau die ganze Zeit gefahren hatte. Ich weiß nicht, warum der Wagen bei uns in der Werkstatt war. Ich war im Urlaub«, erklärte er. Die Abholung an jenem Abend sei nicht vereinbart gewesen und der 41-Jährige machte dem Angeklagten klar, dass er bereits im Feierabend sei.

Ein weiterer Zeuge ließ über einen Dolmetscher ausrichten, dass der Angeklagte ihn am Tatabend kontaktiert hätte. Er habe das Auto des Zeugen, einen Siebensitzer, benötigt, da er Besuch erwarte und ein großes Auto brauche. »Er hat dann an mein Fenster geklopft und ich habe mit ihm geredet. Er wollte unbedingt das Auto und hatte auch seine Kinder bei sich«, sagte der 34-Jährige. Ob die Ehefrau des Angeklagten im Wagen gesessen habe, könne er nicht sicher sagen.

Vier Stich- und Schnittverletzungen

Den Schlusspunkt des Verhandlungstages setzte die Sachverständige des Uniklinikums, die den Umfang der Verletzungen schilderte. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Regine Enders-Kunze betonte die 36-jährige Ärztin, dass diese ohne eine ärztliche Versorgung tödlich gewesen wären. »Die Patientin wurde notoperiert und war in einer akut lebensbedrohlichen Situation.« Neben diversen Zeichen des Sturzes wie Kratzer und Abschürfverletzungen hatte die 29-jährige Mutter mehrfache Hämatome sowie vier Stich- und Schnittverletzungen. »Der Darm war nach außen hingetreten und in die linke Seite des Brustkorbs hat es geblutet«, führte die Sachverständige aus. Sie habe bei den Untersuchungen und bei der Befragung des Opfers jedoch keine sexuellen Übergriffe thematisieren oder feststellen können. Das Verfahren wird am 31. März fortgesetzt.

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