1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Angeklagter streitet Tat weiterhin ab

Erstellt: Aktualisiert:

Kreis Gießen (bcz). Mühseliges Aufarbeiten des Tatherganges und der Beweggründe in dem Prozess um die Ermordung und Beseitigung der Leiche in einer Hofreite in Hungen-Bellersheim: Am Mittwoch ging es um die Verlesung von verschiedenen Schriftstücken und den Stellungnahmen der einzelnen Parteien dazu.

Den beiden Angeklagten, einem 44-jährigen Mathematik- und Physiklehrer aus Bruchköbel und einem vier Jahre jüngeren IT-Spezialisten, wird vorgeworfen, ihr späteres Opfer im November 2016 zu einer Hofreite nach Hungen gelockt und dort erschossen zu haben. Anschließend soll der Jüngere die Leiche zerstückelt und sie an einem bisher unbekannten Ort beseitigt haben. Wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat, ist bislang ungeklärt. Beide beschuldigen sich gegenseitig.

Der ältere der beiden Angeklagten erklärte, er habe nie diesen Mord vor einem anderen Häftling gestanden, wie es sein Mitangeklagter in einem Brief an das Gericht behauptet hatte. Der Ermordete und der zweite Angeklagte hätten seit Jahren davon geträumt, einen Swingerclub gemeinsam zu betreiben. Er hingegen hätte nie die Absicht gehabt, dort aktiv mit einzusteigen. »Ich bin hessischer Beamter, da muss ich solche Nebeneinkünfte angeben und das wäre da nicht gegangen«.

Er habe sich in der Funktion als Berater gesehen, denn schließlich habe er in diesem Milieu Erfahrungen. Er habe zu dem Getöteten ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis gehabt. Dies wird von den Eltern des Opfers, den Nebenklägern, jedoch vehement bestritten.

Dass er erst vier Jahre nach der Tat zur Polizei gegangen sei, täte ihm heute leid, so der Angeklagte. Er habe jedoch Todesangst vor dem zweiten Angeklagten gehabt. Auf die Frage des Oberstaatsanwalts Thomas Hornburger, warum er nicht schon früher einen Hinweis, beispielsweise anonym, gegeben habe, antwortete er: »Man muss so etwas erleben, um es zu verstehen«.

Von seinem Mitangeklagten grenzte sich der Mathematiklehrer mittlerweile bewusst ab. »Er manipuliert sogar vom Gefängnis aus«. So würde dieser bewusst falsche Anschuldigungen in seine Briefe schreiben, denn er wisse genau, dass Briefe gelesen würden.

Der Mitangeklagte hatte erneut zwei Briefe an die Vorsitzende Richterin der fünften Strafkammer des Landgerichts Gießen, Regine Enders-Kunze, geschrieben, um dem Gericht zum einen eigene Ermittlungsergebnisse mitzuteilen und zum anderen, um sich für einige verbale Entgleisungen zu entschuldigen. Er begründete dies damit, dass er mit seinen Nerven ein wenig am Ende sei.

Allerdings erschien die Entschuldigung wenig glaubwürdig, denn beide Schriftstücke wurden - wie seine früheren Schreiben - in einem sehr überheblichen Ton verfasst und werden dem Sachverständigen zur abschließenden Beurteilung vorgelegt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Auch interessant