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Anklage erweitert

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Der Prozess vor dem Landgericht wird Dienstag fortgesetzt. Archivfoto: Mosel © Barbara Czernek

Die Beweisaufnahme im Prozess um den »Mord ohne Leiche« zieht sich hin. Jetzt könnte auch eine Verurteilung nach § 239 IV »Freiheitsberaubung mit Todesfolge«, in Betracht gezogen werden.

Kreis Gießen (bcz). Die Beweisaufnahme im Prozess um den Mord ohne Leiche zieht sich hin. Seit einem Jahr müssen sich zwei Beschuldigte, ein Mathematiklehrer und ein IT-Spezialist, vor der fünften großen Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten.

Sie werden beschuldigt, einen gemeinsamen Bekannten im November 2016 in einer Hofreite in Bellersheim erschossen zu haben. Anschließend soll einer der Beiden die Leiche zerstückelt und an eine bisher unbekannte Stelle verbracht haben.

Tatmotiv ungeklärt

Das Tatmotiv ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Anklage lautet »gemeinschaftlicher Mord in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge«. Über den Nachsatz »in Tateinheit mit räuberischer Erpressung mit Todesfolge« gab es gestern einen kleinen Disput zwischen der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern.

Als ein mögliches Motiv wurden finanzielle Probleme der beiden Angeklagten gesehen. Doch diese mögliche Motivlage konnte bisher nicht stärker untermauert werden. Daher beantragte Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger gestern, dass auch eine Verurteilung nach § 239 IV des Strafgesetzbuches (StGB), »Freiheitsberaubung mit Todesfolge«, in Betracht gezogen werden könnte. Diesem Antrag schloss sich die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze an und erließ den entsprechenden richterlichen Hinweis.

Dies löste bei beiden Verteidigerteams rege Betriebsamkeit aus. Die Anwälte sehen gravierende Veränderungen im Sachverhalt. Es müsse eingehend mit den Mandanten darüber gesprochen werden. »Das ist keine Lappalie«, sagte Rechtsanwalt Michael Baitinger dazu. Daher könne man nicht einfach weiterverhandeln. Dem stimmte auch Rechtsanwältin Dr. Iris Passek, Verteidigerin des Mathematiklehrers, zu.

Unter diesen Umständen müsse man die für die nächste Sitzung geplante Einlassung ihres Mandanten nochmals überarbeiten. Diese Aufregung verstand der Oberstaatsanwalt wiederum nicht. Es gehe ihm nicht um einen neuen Sachverhalt, sondern um eine weitere Würdigung, erläuterte er.

Wird das Verfahren ausgesetzt?

In diesem Zusammenhang überlegen die Verteidiger beider Angeklagten aktuell, ob sie einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens stellen sollten. Dies blieb bis zum Ende des Verhandlungstages offen.

Der Prozess wird vor dem Landgericht am Dienstag, 10. Mai, fortgesetzt.

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