Anzeiger befragt Laubachs Bürgermeisterkandidaten

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LAUBACH - (ww). Laubach wählt am Nikolaustag. Am 6. Dezember entscheiden hier die Wähler, wer Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre wird.

Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: Björn Erik Ruppel (CDU), Matthias Meyer (unabhängig, unterstützt von SPD und Grünen) und Florian Kempff (unabhängig, unterstützt von FDP).

Der Anzeiger stellt heute den Kandidaten die letzte von vier Fragen. Hier geht es um das Sozial- und Vorzeigeprojekt Dorfschmiede in Freienseen und den umstrittenen Dorfladen, der in den vergangenen Jahren mit für Defizite der gemeinnützigen Gesellschaft sorgte, an der auch die Stadt Laubach geringfügig beteiligt ist. Zu den Vorgängen um die Dorfschmiede gGmbH und deren zwei abgewendete Insolvenzen hatte ein Akteneinsichtsausschuss getagt, der aktuell zu keinem Ergebnis zur Fragestellung kam, ob der Stadt ein Schaden entstanden ist und wer dafür haftbar gemacht werden könnte. Immer war auch in diesem Zusammenhang von einem nicht profitablen Dorfladen die Rede. Daher lautet die letzte Frage der Anzeiger-Redaktion: "Reißleine beim Dorfladen ziehen ?"

Kempff: Wenn ein Kaufmann eine Reißleine zieht, dann muss dies kapitale Gründe haben. Der Dorfladen vermittelt mir nicht den Anschein, in einer erheblichen Schieflage zu sein. Das Konzept braucht aber mehr Werbung und ein Sortiment, das punktuell wettbewerbsfähiger ist. Während meiner Anwesenheit am Dienstag kamen zum Ladenschluss hin noch eine Handvoll Kunden mit jeweils etwa 10 Euro Umsatz. Der Monatsumsatz von rund 25 000 Euro reicht nach den Betreibern zwar nicht zur Weiterentwicklung, nach vier Jahren des Betriebs bei einem wohl sehr guten ersten Jahr und schweren Folgejahren erreiche man 2020 erstmals die schwarze Null, so der Initiator Dr. Ulf Häbel. Das Konzept, nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit für Menschen ohne Kfz anzubieten, sondern auch dörflicher Anlaufpunkt zu sein, werde angenommen und sei für diese Klientel alternativlos.

Junge Familien mit kleinen Kindern, die derzeit als Kunden fehlen, würden auf dem Weg von der Arbeit beim Discounter einkaufen und im Dorfladen nur das holen, was vergessen wurde. Dieses Manko versuche man mit Werbung in den Nachbarorten zu kompensieren, wenn dort kein Laden den Bedarf decke. Fristsetzung ja, aber Wert anerkennen.

Meyer: Mein Ziel: Einkaufsmöglichkeiten in den Ortskernen. Es ist erstrebenswert, möglichst in allen Ortskernen der Großgemeinde Einkaufsmöglichkeiten zu haben. Es ist gut, dass der Dorfladen in Freienseen zentraler Bestandteil des Projektes Dorfschmiede ist. Er bietet Einkaufsmöglichkeiten für die weniger mobilen Einwohner des Ortes - insbesondere Kinder, Jugendliche und Senioren. Aber auch für alle anderen ist er eine zeitsparende und ökologische Alternative zu den zentralen Supermärkten.

Besonders wichtig ist aber die soziale Funktion im Ortsleben. Hier trifft man sich und spricht miteinander. Meinungen werden ausgetauscht und man hilft sich gegenseitig. Der Dorfladen ist auch örtlicher Arbeitgeber.

Klar ist: Dorfläden sind heutzutage nicht geeignet, um Gewinne zu erwirtschaften. Es ist jedoch gut, dass der Dorfladen in Freienseen von 2018 über 2019 bis heute eine positive Tendenz aufweist. Entweder dieses oder nächstes Jahr wird eine schwarze Null "geschrieben". Damit ist dann auch das wirtschaftliche Ziel erreicht.

Letztendlich liegt der Schlüssel für die Zukunft des Dorfladens in Freienseen, wenn dort von vielen regelmäßig eingekauft wird. Dorfläden. Gut für Laubach.

Ruppel: Dafür gibt es keinen Grund. Ich wäre froh, wir hätten in jedem Ortsteil und in der Laubacher Innenstadt so einen Laden. Als Bürgermeister möchte ich mein Möglichstes dafür tun, in ganz Laubach die Lebensqualität zu erhalten. Dazu gehört eine gute Grundversorgung. Hinzu kommt, dass der Dorfladen mit Dorfcafé auch wirtschaftlich kein Zuschussgeschäft ist, das zeigen alle veröffentlichten Informationen. Ich habe dort zufriedene Kunden und hoch motivierte Mitarbeiter erlebt. Außerdem ist der Dorfladen ein Musterbeispiel von ehrenamtlichem Engagement und genau dieses möchte ich fördern. Im Projekt steckt eine Menge Herzblut von ganz vielen Menschen.

Das Hauptziel ist, die Grundversorgung, insbesondere der älteren Generation, zu gewährleisten. Damit kommt er in erster Linie denen zu gute, die mobilitätseingeschränkt sind und unsere Unterstützung brauchen. Klar ist, dass ein Dorfladen keine Reichtümer abwerfen wird, aber eine schwarze Null am Jahresende ist mir der Erhalt der Lebensqualität wert. Zu guter Letzt muss erwähnt werden, dass das auch gar keine Entscheidung des Bürgermeisters wäre, sondern der Dorfschmiede gGmbH.

Fotos: Kandidaten

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