1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Auf den Spuren der Geschichte

Erstellt:

Von: Thomas Wißner

gikrei_0909_wasswerhaus__4c
115 Jahre alt wird das historische Wasserhaus Leihgestern, das ebenso wie diverse andere Denkmäler im Landkreis zum Tag des offenen Denkmals geöffnet ist. Foto: Wißner © Wißner

Viele Besichtigungsmöglichkeiten bestehen wieder am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals.

Kreis Gießen (twi/whk). »KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz« lautet in diesem Jahr das Motto am Tag des offenen Denkmals, der am kommenden Sonntag, 11. September, stattfindet und an dem wieder zahlreiche heimische Denkmäler ihre Pforten öffnen. Es finden Führungen und auch Aktionen statt, wobei diesmal sogar kriminalistischer Spürsinn gefragt ist. Im Folgenden ein Überblick, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Denkmale sind Zeugen vergangener Geschichten ihrer Bewohner und Erbauer. Ihre Bausubstanz steckt voller Beweismittel. Historische Narben, Ergänzungen und Weiterentwicklungen erzählen viel über ein Bauwerk und seine Bewohner. Das Denkmal selbst kann zum Opfer werden. Der Tag des offenen Denkmals geht der Frage nach, welche Erkenntnisse und Beweise sich durch die Begutachtung der originalen Substanz gewinnen lassen. Welche Spuren hat menschliches Handeln über die Jahrhunderte hinweg und viele Zeitschichten hindurch hinterlassen? Welche »Taten« wurden im und am Bau verübt? Und welche Schlüsse zieht die Denkmalpflege daraus?

Um Kulturspuren am Denkmal systematisch untersuchen zu können, bedarf es Experten, die Spuren und Beweise sicherstellen, Indizien analysieren und Delikte aufdecken. Dafür arbeiten verschiedenste Akteure - Eigentümer, Denkmalpfleger, Bürgerinitiativen, Restauratoren, Bauforscher, Handwerker, Architekten, Archäologen und Historiker - Hand in Hand. Denn nur durch ausdauernde und kompetente Spurensuche lässt sich die von früheren Generationen geschaffene Baukunst verstehen und an die nachfolgenden Generationen weitergeben.

Und genau in diesen Rahmen passt das 115 Jahre alte Wasserhaus in Leihgestern . Es ist Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Verein »Erhalt historisches Wasserhaus Leihgestern« informiert Besucher darüber, wie es gelungen ist, dieses dem Abriss freigegebene Kulturdenkmal zu erhalten. Darüber hinaus gibt die Lindener Nabu-Gruppe eine Übersicht zur Ansiedlung der Fledermausarten sowie Einblicke in die Tiervielfalt der umliegenden Streuobstwiesen. Besucher werden gebeten, im Bereich der Straßeneinmündung Am Haanes/Dresdner Straße zu parken und dann der Beschilderung zu folgen. Von dort sind es rund 300 Meter bis zum Wasserhaus.

In Buseck können gleich zwei Objekte in der Zeit von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden. Die ehemalige Synagoge am Anger 10 in Großen-Buseck war 1790/91 von dem Amtsverweser Friedrich Follenius als repräsentatives Wohnhaus mit Scheunen- und Stallteil errichtet worden. 1811 kaufte es der Lehrer Rumpf und nutzte es als Wohnhaus. 1844 wurde dieses an die jüdische Gemeinde verkauft und nach Umbau bis 1938 als Synagoge genutzt. Ab 1947/48 nach erneutem Umbau wurde es als Wohnhaus für Vertriebene genutzt. In den vergangenen Jahren ist das Haus saniert worden. Die Räume im Erdgeschoss sind für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzbar. In Alten-Buseck ist die Brandsburgscheune geöffnet. Um 1740 errichtet, gehört die Scheune zur ehemaligen historischen Brandsburg. Dabei handelt es sich ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit einem dreifach unterteilten Krüppelwalmdach.

Auch in Reiskirchen können zwei Denkmäler von 11 bis 18 Uhr besucht werden. Die evangelische Kirche in der Oberdorfstraße 38 ist urkundlich seit 1226 nachgewiesen, der gotische Chorturm stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert, die Sakristei-Nische ist von 1519 und das jetzige Kirchenschiff entstand zwischen 1769 und 1771. Nur wenige Meter weiter in der Oberdorfstraße 19 hat das Heimatmuseum Hirtenhaus geöffnet. Das vor 1700 als Fachwerkhaus errichtete Gebäude ist seit 1994 Heimatmuseum. Zu sehen ist, wie vor 110 Jahren gewohnt wurde.

Auch Lich ist mit zwei Denkmälern dabei. In Muschenheim kann von 13 bis 17 Uhr bei der ersten europäischen Glasbodenwanderung der kulturhistorische Wanderweg beschritten werden. Führungen finden um 13 und 15 Uhr statt und dauern jeweils zwei Stunden. Der kulturhistorische Wanderweg verbindet Denkmale aus fünfeinhalb Jahrtausenden. Die Wanderung ist für die Nutzer von VR-Brillen optimiert. Die Führung übernimmt der Archäologe Dennis Stephan. Von 10 bis 16 Uhr hat die evangelisch-reformierte Kirche Bettenhausen geöffnet unter dem Motto »Bettenhäuser Schmuckkästchen - Verborgenes wiederentdeckt«. Führungen mit Astrid Lind, Hans Peter Gieß und Martina Krampl beginnen in der Obergasse 12. Der Kirchturm mit seinem gotisch-romanischem Kreuzgewölbe stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente als Wehrturm. Das Kirchenschiff wurde 1747/48 im barocken Stil neu errichtet und im Inneren meisterhaft mit Stuckprofilen, Muscheln, Blumenvasen und besonderer Farbgebung ausgestaltet. 2021/22 folgten Restaurierung, Modernisierung und Zurückgestaltung der Raumschale.

Ebenfalls mit zwei Denkmälern beteiligt ist Grüningen . Hier können Kirche und Burgruine besucht werden. Die evangelische Kirche lädt von 11 bis 16 Uhr zu einem Besuch ein. Ihre ältesten Teile stammen aus dem zwölften Jahrhundert. Sie umfasste ursprünglich ein romanisches Langhaus und einen östlichen Chorabschluss. Nach einem Brand 1634 folgte der Wiederaufbau 1669. 1985/86 wurde die Kirche restauriert. Der zweite Chor wurde 1520 erbaut und überstand den Brand. Dieses Jahr werden 350 Jahre Kirchenschiff gefeiert. Die Burgruine hat bereits ab 10 Uhr für Besucher geöffnet. Reinhold Hahn bietet Führungen an und berichtet über die Geschichte der 1394 erstmals urkundlich erwähnten Wasserburg, die um 1630 schon eine Ruine war. Der Heimatverein Grüningen hat diese in mehr als 30 Jahren restauriert.

Burg Gleiberg in Krofdorf-Gleiberg darf bei einem Tag des offenen Denkmals nicht fehlen. Die um 1000 errichtete mittelalterliche Höhenburg kann von 9 bis 20 Uhr besichtigt werden. Vor 1100 Jahren errichteten Grafen aus dem Hause Luxemburg einen ersten Wohnturm auf dem Gleiberg. Sie und ihre Nachfolger bauten die Burganlage in den nächsten Jahrhunderten weiter aus und befestigten sie stärker. 1646 wurde die Oberburg mit Ausnahme des Bergfrieds zum Großteil zerstört. Die Unterburg stammt aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts und beherbergt eine Gastronomie. Die Burg befindet sich seit 1879 im Eigentum des 1837 gegründeten Gleiberg-Vereins.

Musikalisches gibt es beim Jazz-Open-Air im Schlosspark in Hungen , wo ab 15 Uhr Swing mit dem Michele Alberti Trio angesagt ist. Zusammen mit der Sängerin Inga Saalmann ist ein musikalisch spannender und abwechslungsreicher Nachmittag zu erwarten. Die Gruppe um Michele Alberti steht für melodischen Jazz Swing und Latin Jazz, der in klassischer Besetzung mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug dargeboten wird. Der Eintritt ist frei; Spenden sind erwünscht.

In Grünberg öffnet das Haus der Zünfte von 14 bis 17 Uhr seine Pforten. Im Mittelalter waren die Handwerker in Grünberg in über zehn Zünften organisiert. Schuhe aus Grünberg waren ein Verkaufsschlager auf der Handelsstraße durch die Kurzen Hessen. Woll- und Leinenweber besserten im Voll- und Nebenerwerb das oftmals karge Einkommen der von Landwirtschaft lebenden Familien auf, Bäcker und Metzger trugen in Schirnen und Scharren zur Grundversorgung der Bevölkerung bei. Friseure ondulierten mit heißen Eisen die Haare der Damenwelt. Zimmerleute erbauten mit viel Muskelkraft und einfachen Werkzeugen noch heute bewohnte Fachwerkhäuser. Der Eintritt ist frei

In Hüttenberg ist die alte Kirche Volpertshausen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Sie wurde 1232 erstmals erwähnt. Im 15. Jahrhundert folgten der Anbau nach Osten, gotische Dachreiter und das Eingangsportal. 1965 wurde die Kirche aufgegeben und 1979 an den Hessenpark Neu-Anspach übertragen. Nach Beginn der Abbrucharbeiten im Dezember 1980 wurden Fresken und ein Figurenzyklus entdeckt und der Abbruch gestoppt. 1985 übernahm der Förderkreis Alte Kirchen in Marburg das Gotteshaus. Es folgte eine Teilrenovierung und 2010 der Rückkauf durch die Gemeinde Hüttenberg. 2019 wurde die Innenrenovierung abgeschlossen.

In Gießen können das Liebigmuseum und der Untere Hardthof besucht werden. Das Liebigmuseum hat von 10 bis 16 Uhr geöffnet und präsentiert Liebigs Laboratorium samt einer Experimentalvorlesung von Dr. Herbert Lepper im historischen Hörsaal. Für den Besuch der Wirkungsstätte Justus Liebigs ist eine Voranmeldung bei der Tourist-Information Gießen per E-Mail an tourist@giessen.de oder unter 0641/30618-90 erforderlich. Der Untere Hardthof gewährt einen Einblick »Von der Brauerei zum Wohnquartier«. Die Brauerei mit großem Biergarten, einer Radrennbahn und weiteren Sportanlagen war bis 1920 ein beliebtes Ausflugsziel. Ab 1977 begannen Kulturschaffende, die Gebäude zu Wohnungen, Ateliers und Büros auszubauen. Ein Verein verfolgt das Ziel, die denkmalgeschützte Anlage für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen und zu erhalten. Mitglieder des Vereins bieten hier um 14.30 Uhr eine Führung an, die etwa eine Stunde dauert.

Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf/Lda. schlägt vor, am Sonntag eine Wanderung zum denkmalgeschützten Wasserhaus im Climbacher/Allendorfer Wald zu unternehmen. Das Wasserhaus und die darin noch vorhandene Pumpentechnik von 1908 ist restauriert und zeigt, mit welcher Mühe man das Wasser auf den Berg gepumpt hat. Für die ganze Anlage, die unter Denkmalschutz steht, hat die Arbeitsgemeinschaft 2021 den Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises bekommen.

Der Heimatverein Rodheim-Bieber weist darauf hin, dass das Heimatmuseum in der Gießener Straße 24 von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist. Dr. Jutta Failing erläutert die neue Ausstellung »Liebe, Schutz und Segen« und steht den Besuchern Rede und Antwort. Das Bauernhaus-Museum Hof Haina ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Im Haus gibt es Erläuterungen zum Leben von früher und Vorführungen zur historischen Textilherstellung. Der Eintritt ist frei, Spenden zum Erhalt des Hauses sind willkommen. Das Archäologie-Museum Keltenkeller stellt in der Scheune aktuelle Funde vom Dünsberg aus. In der Scheune werden Waffeln, Schmalzbrote und Getränke zum Kauf angeboten. Inhaberin Gabriele Freyer und ihr Team freuen sich auf viele Besucher.

Auch interessant