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Kreis Gießen (bcz). Der Mordprozess um Daniel M. zieht sich hin. Den beiden Angeklagten, einem 44-jährigen Mathematik- und Physiklehrer aus Bruchköbel und einem vier Jahre jüngeren IT-Spezialisten, wird vorgeworfen, ihren Bekannten auf einer Hofreite in Hungen heimtückisch erschossen zu haben.

Anschließend hat der jüngere der beiden nach eigenem Bekunden die Leiche zerstückelt, die Teile in Baueimern einbetoniert und diese in einem See versenkt. Die bisherigen Nachforschungen blieben erfolglos und der Angeklagte schweigt dazu.

Am gestrigen Verhandlungstag wurden Abhörprotokolle aus dem Jahr 2020 vorgespielt und ein langjähriger Freund des Lehrers wurde als Zeuge vernommen. In einem langen Telefongespräch mit einem Freund schilderte der 44-jährige Angeklagte, dass er vor dem zweiten Angeklagten Angst gehabt hätte und bezeichnete ihn als »Psychopathen«.

»Massiv bedroht«

Anscheinend von Selbstmitleid gebeutelt, schildert er seinem Freund, wie es ihm psychisch in den vergangenen vier Jahren seit der Tat gegangen sei. « Ich konnte mit niemanden darüber reden«. Der Mitangeklagte habe ihn massiv bedroht; falls er etwas sage, dann würden er oder seine Eltern sterben. »Mein Leben ist am Arsch, wegen so einem Penner«. Der mitangeklagte ITler äußerte sich gegenüber einem anderen am Telefon, dass etwas passiert sei. Diese aufgezeichneten Gespräche fanden statt, nachdem der 44-jährige Lehrer selbst zur Polizei gegangen war und den Mord angezeigt und seinen Mitangeklagten der Tat beschuldigt hatte.

Dieser wiederum stellt die Tat genau umgekehrt dar. In den Gesprächen hielten beide Angeklagte es für möglich, dass sie abgehört würden. Daher müssen die mitgeschnittenen Aussagen entsprechend vorsichtig gewertet werden, da die Möglichkeit besteht, dass sie genau für den Zweck ihrer eigenen Entlastung gesagt wurden.

Der Zeuge und der ältere der beiden Angeklagten kennen sich seit ihrer Schulzeit, sie waren gute Kumpels. Auch das spätere Opfer kannte der Zeuge ganz gut. Der zweite Angeklagte war ihm hingegen unbekannt. Allerdings habe sich der Kontakt zwischen ihnen im Laufe der Jahre etwas gelockert, dies aufgrund der verschiedenen beruflichen Situationen der beiden. Er beschreibt den Physiker als einen fürsorglichen Menschen, der seine Kumpels beschützt hätte. »Er ist kein ängstlicher Typ«. Er berichtete auch, dass ihm der Angeklagte von der Bedrohung durch den zweiten Angeklagten im Mai oder Juni 2020 berichtet habe. Auf Nachfrage des Oberstaatsanwalts , ob er sich vorstellen könne, dass sein Freund das Opfer getötet haben könnte, antwortete er mit »nein«.

Der Prozess wird am 9. März vorgesetzt.

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