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Auftragsbücher der Malergewerke sind gut gefüllt

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Hartmut Gall © Ewert

Kreis Gießen (wf). Die Freude, sich nach zwei Corona-Jahren als Innungsmitglieder wieder persönlich treffen und von Angesicht zu Angesicht kommunizieren können, war Hartmut Gall (Langd), langjähriger Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Gießen, zu Beginn der Innungsversammlung im Kulturzentrum Buseck anzumerken. Gall skizzierte die Folgen der Pandemie und des Ukrainekriegs auf die Wirtschaft, das Handwerk im Allgemeinen und speziell für das Gewerk der Maler - und für deren Kunden.

Baustoffe fehlen

Auf der einen Seite sind die Auftragsbücher in den Gewerken des Bauhauptgewerbes sowie der Ausbaugewerke, wozu auch die Maler zählen, voll. Arbeit ist genug vorhanden, private wie öffentliche Auftraggeber nutzen die Zeiten, zum Beispiel auch wegen niedriger Zinsen. Zugleich aber fehlen den Handwerkern auf den Baustellen die Baustoffe und die Materialien. Das sorgt laut Gall nicht nur für Verzögerungen, sondern auch dafür, dass wegen der Materialknappheit - die Reserven der einzelnen Unternehmen seien inzwischen aufgebraucht - die Preise in die Höhe schießen.

Diese höheren Preise jedoch an die Kunden, private wie öffentliche, weitergeben zu können, gestalte sich schwierig. Allerdings sei zugleich klar, dass das Handwerk die Teuerung »nicht gänzlich abfedern« könne, sondern höhere Preise auch weitergeben müsse. Zugleich habe sich die Zeitspanne zwischen der Erteilung eines Auftrags an den Handwerksbetrieb und dessen Ausführung deutlich verlängert. Ein halbes Jahr Wartezeit ist laut Gall keine Seltenheit. Und neben den genannten Gründen kämen beim Handwerk »lange bekannte Begleiter« hinzu, die die Lage verschärften. Der Lehrlingsmangel und der sich daraus für die Zukunft unweigerlich ergebende Fachkräftemangel. Letzterer werde noch verschärft durch die Öffentliche Hand als Konkurrenz auf dem Fachkräftemarkt: »Das Handwerk bildet die Fachkräfte aus, der öffentliche Dienst und auch Universitäten werben sie dann ab.«

Angesichts der guten Auftragslage infolge einer erheblichen Nachfrage potenzieller Kunden bei gleichzeitig schwierigen Rahmenbedingungen riet Gall seinen Handwerkskollegen zu frühzeitiger Planung und realitätsnaher Vorplanung. Gerade in der jetzigen Krise - was Beschaffung und Verteuerung von Baumaterialen aller Art betreffe - zeigt sich laut Obermeister, dass eine gesunde Lager- und Vorratshaltung sehr von Vorteil ist. Dieser Bereich sei, das wirke sich nun negativ aus, in den vergangenen Jahren zu sehr vernachlässigt worden: »Lagerbestände sind eben kein totes Kapital.«

Im Blick nach vorne geht Innungs-Obermeister Hartmut Gall, der zugleich auch stellvertretender Gießener Kreishandwerksmeister ist, von einer Stabilisierung und Beruhigung des Marktes aus. Auch gebe er die Hoffnung nicht auf, dass sich bis Herbst die Materialverfügbarkeit bessern werde. Dies verband er mit dem Rat an die Kollegen, »gute und eingefahrene Lieferstrukturen« mit dem Großhandel nicht »wegen ein paar Euro« zu kappen.

Altbau-Sanierung als Zukunftsthema

Als »Zukunftsthema der Branche« nannte Gall die energetische Sanierung von Altbauten. Das Einsparen von Energie sei nicht nur ein ökologischer Trend, sondern schlichte Notwendigkeit angesichts in die Höhe schießender Preise für Gas und Öl. Gerade das Malerhandwerk als Teil des Ausbaugewerbes sei hier gefordert, umfänglich zu beraten.

Der Maler- und Lackierer-Innung Gießen gehören aktuell 67 ordentliche Mitglieder an. Derzeit werden im ersten Lehrjahr 35 Maler- und zehn Fahrzeuglackierer (beiderlei Geschlechts) dual, also in Betrieb und Berufsschule (Willy-Brandt-Schule), ausgebildet, im zweiten Lehrjahr sind es 30 Maler und zwölf Fahrzeuglackierer sowie im dritten Ausbildungsjahr 14 Maler und zehn Fahrzeuglackierer.

In diesem Zusammenhang betonten Innungsvorstand und WBS-Berufsschullehrerinnen die gute Kooperation von Betrieben, Innung und Schule. Das schließe die Lösung vorhandener Probleme, die notwendige Klärung von Sachverhalten und die gemeinsame Suche nach Lösungen ein.

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