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Automatensprenger gefasst

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Das Landeskriminalamt hat drei Niederländer festgenommen. Ob sie auch für Automatensprengungen im heimischen Raum in Frage kommen, ist noch unklar.

Kreis Gießen (red/ww). Die Polizei griff zu, bevor erneut ein weiterer Geldautomat in Bad Nauheim gesprengt werden konnte. Ob die festgenommenen Niederländer unter anderem auch als Täter von Automatensprengungen im heimischen Raum in Frage kommen, ist noch unklar. Es müssten jetzt umfangreiche weitere Ermittlungen angestellt werden, erklärte die Pressesprecherin des Landeskriminalamtes Virginie Wegner auf Anzeiger-Anfrage.

In Hungen kam es zuletzt im Januar zu einer Automatensprengung in der Sparkasse. Ein 14-Jähriger passierte zu diesem Zeitpunkt in der Nähe nachts eine Straße, wurde aber glücklicherweise durch die Explosion nicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft lässt nun wegen versuchten Mordes ermitteln. Die Täter aus den Niederlanden werden jedenfalls verdächtigt, weitere Sprengungen nicht nur in Hessen begangen zu haben. Neben dem Landeskriminalamt ist auch Polizeipräsidium Mittelhessen in die Ermittlungen nach den Festnahmen eingebunden.

Bei den Beschuldigten im Alter zwischen 25 und 31 Jahren soll es sich um Mitglieder einer Tätergruppe handeln. Sie seien aufgrund eines Hinweises der niederländischen Polizei gefasst worden, lässt sich einer LKA-Pressemitteilung entnehmen. Es wurden Sprengsätze in einem Auto gefunden.

Im Jahr 2021 ist die Anzahl der Geldautomatensprengungen in Hessen gestiegen. Es wurden 56 Geldautomatensprengungen statistisch erfasst, in jedenfalls 27 Fällen konnten Täter an das Bargeld in den Automaten gelangen. Demgegenüber wurden im Jahr 2020 30 Fälle festgestellt, wobei es in 24 Fällen bei einem Versuch blieb. Die Sprengungen von Geldautomaten haben in Hessen im Jahr 2021 zu einem Sachschaden von insgesamt rund 2,6 Millionen Euro geführt. Die Täter entwendeten aus den gesprengten Geldautomaten Bargeld in Höhe von über 2,5 Millionen Euro. Im Jahr 2022 kam es in Hessen bislang zu acht Sprengungen von Geldautomaten, darunter der in Hungen. Deutschland hat ein sehr engmaschiges Netz an Geldausgabeautomaten.

Wegner erklärte auf Anfrage, dass Tätergruppen zunächst in den Niederlanden ihr dunkles Handwerk betrieben hätten. Die Geldinstitute im Nachbarland hätten sich daraufhin zusammengeschlossen und Schwachstellen der Automaten ausgemerzt sowie bisher offene Ausgaberäume nachts gesichert. Die Täter seien dann in Nachbarländer wie Belgien und Frankreich ausgewichen, die aber ebenfalls wie in den Niederlanden reagiert hätten. Deutsche Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Hessen seien danach zum Ziel erkoren worden. Mittlerweile finden sich verstärkt Aufkleber auf heimischen Geldautomaten, dass künstliche DNA zur Rückverfolgung von Geldscheinen eingesetzt werde, aber auch die Automaten werde immer besser abgesichert. Zudem sind Ausgaberäume im Kreis jetzt nachts abgeschlossen. Sprengungen hatten hier hohe Sachschäden verursacht.

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