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Bei Hitze gehen Rüben schlafen

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Fast zwei Wochen früher als im letzten Jahr startete die Ernte. Hier bei Muschenheim wurde gestern sogar schon der erste Weizen gedroschen. Doch die hohen Temperaturen bereiten den Bauern Sorgen: Mais und Rüben bräuchten gerade jetzt Feuchtigkeit. Foto: Kächler © Kächler

Die Landwirte sorgen sich wegen der hohen Temperaturen. Eine Konsequenz: Die Getreideernte läuft schon.

Kreis Gießen. (klk). »Leuchtet die Esche korallenrot, reift auf den Feldern das täglich Brot... .« Gerne stimmen Chöre um diese Jahreszeit diese Liedzeilen von Max Steege zur Musik von Ernst Hansen an. Doch was für uns romantisch und vielleicht noch etwas melancholisch klingen mag, bedeutet für die heimischen Landwirte Erntestress pur.

Überall rattern jetzt die Motoren der Mähdrescher und Landmaschinen. Und das fast zehn Tage früher als sonst, denn heiße Temperaturen lassen das Korn schneller reifen. »Die Wintergerste ist bereits durch«, erläutert Daniel Seipp aus Muschenheim auf Anfrage des Anzeigers.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill berichtet von einer durchschnittlichen Ernte für das meist als Futtermittel genutzte Getreide.

Preis wieder abgestürzt

Der russische Überfall auf die Ukraine habe den Preis zu Beginn des Krieges kurzzeitig auf über 40 Euro pro Doppelzentner katapultiert. Dieser sei allerdings inzwischen wieder auf etwa 30 bis 32 Euro für den Doppelzentner abgestürzt, was allerdings im Vergleich zum Vorjahr immer noch hoch sei. Jedoch hätten auch die Landwirte mit den steigenden Energiepreisen zu kämpfen, berichtet Seipp.

Kaum war die Wintergerste in den Scheunen, startete schon die Rapsernte. »Und nun ist tatsächlich der Weizen dran«, so der Landwirt. Allerdings fürchte man die angekündigte Mega-Hitze etwas. »Bei über 35 Grad droht dem Korn eine Notreife, was den Ertrag und die Qualität mindern würde«, erklärt Seipp.

»Vor allem der Mais, der jetzt in die Blüte geht, braucht Wasser.« Gleiches gelte für das Wurzelgemüse: »Wenn es zu wenig regnet, dann gehen die Rüben tagsüber einfach schlafen«, so der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. »Die Feuchtigkeit zieht sich aus den großen grünen Blättern zurück und die hängen dann schlaff herunter.«

Doch auch der Technik gehe bei allzu großer Hitze die Puste aus: »Wenn so ein Mähdrescher zusätzlich noch eine Steigung bewältigen muss und es ist richtig heiß, kann der Motor überhitzen.« Dank moderner Technik bleibt dem Lenker dieses Schicksal jedoch erspart, denn zumindest die neueren Erntemaschinen sind mit Klimaanlagen ausgerüstet.

Landregen erhofft

»Ein anhaltender Landregen und dann trockenes Wetter zur Ernte, das würde uns gefallen«, meint der Muschenheimer Landwirt. Vielleicht wird sein Wunsch erhört. Unterschiedliche Wettervorhersagen prognostizieren für Mittwoch und/oder Donnerstag Regen.

Aufgrund der Erntearbeiten werden in den nächsten Wochen auf den Straßen vermehrt langsam fahrende Erntemaschinen und Traktoren unterwegs sein. Seipp bittet deshalb um Verständnis und Rücksichtnahme.

Eine Unart, die er seit Beginn der Corona-Pandemie beobachtet habe, sei die Tatsache, dass viele Autofahrer ihr Fahrzeug einfach auf Feldwegen parkten, um dann spazieren zu gehen. Dies sei allerdings für viele Erntefahrzeuge extrem problematisch. Allein die Schneidewerke der Mähdrescher, die in unserer Region zum Einsatz kommen, können eine Breite von bis zu neun Metern aufweisen. »Da wird das Rangieren schwierig«, gibt Seipp zu bedenken.

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