Besorgte Lehrkräfte in Laubach

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LAUBACH - (ww). Hohe Inzidenzen herrschen in Laubach wegen Corona-Ausbrüchen im privaten und familiären Umfeld. Dabei geht es vielfach um die ansteckendere britische Variante. Der Landkreis hat gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt daraufhin aus Vorsicht verfügt, die Evangelische Grundschule in Freienseen wie auch die Theodor-Heuss-Grundschule in der Kernstadt geschlossen zu halten.

Dies gilt nach Absprache mit der Stadt auch für alle Kindertagesstätten. Warum nur die Grundschulen in Laubach?, fragt sich seit Montag schon der Personalrat der Friedrich-Magnus-Gesamtschule (FMG) um Frank Albrecht. Die Gefährdungslage sei hoch. Am Mittwoch gab es in Laubach 59 Infektionen, Stand Freitag waren es 78.

Einige der Geschwisterkinder der Grundschüler gingen auch auf die weiterführende Schule in der Kernstadt, heißt es von dort. Jetzt blieben die Grundschüler und Kindergartenkinder zuhause, während die anderen potenziellen Verbreiter wie ihre Geschwister in die Gesamtschule mit ihren viel größeren Schülerzahlen gingen. Es stellen sich auch in der Öffentlichkeit Fragen, die schon der Personalrat hatte. Warum wird hier Gleiches ungleich behandelt? Die Jenaplanschule wie auch die FMG haben fünfte und sechste Jahrgänge. Die einen bleiben seit dem Corona-Ausbruch zuhause, die anderen nicht. Zudem haben an der FMG die Abgangsklassen 9 (Hauptschule) und 10 (Realschule) normalen Unterricht.

Der Personalrat hatte schon nach eigener Aussage am Montag Alarm geschlagen. Der Landkreis selbst erklärte am Freitag, dass er keine Kenntnis von einem Schreiben des Personalrats habe. Als die Inzidenz noch bei 312,6 lag, derzeit 448, wandte sich das Gremium mit seinen Bedenken zunächst an das Staatliche Schulamt. Warum dieses den Kreis nicht zumindest darüber informierte, ist unklar. Laut Volker Karger, Vize-Chef des Schulamtes, den unsere Zeitung auf den Vorfall ansprach, gibt es natürlich einen ständigen Austausch mit dem Kreis. Der Personalrat schlug jedenfalls vor, Distanzunterricht für alle Jahrgänge in Laubach anzuordnen. Dieses Schreiben sei gleichlautend an die Landrätin Anita Schneider, die Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl und Laubachs Bürgermeister Peter Klug gegangen.

Der Personalrat schrieb, dass ihn "sehr verwundert, dass diese Maßnahme nicht auch für die weiterführenden Schulen angeordnet wurde. Wurden diese Maßnahmen gerade damit begründet, die Betroffenen zu schützen und die Gefahr weiterer Infektionen einzudämmen, scheint dies nicht für alle Schülerinnen und Schüler der unterschiedlichen Schulformen für notwendig erachtet zu werden, sodass die höheren Jahrgänge weiterhin der Infektionsgefahr ausgesetzt sind."

Durch das Wechselmodell würden die Schüler auch nicht die angekündigte wöchentliche Testmöglichkeit wahrnehmen können. Selbst für Lehrkräfte gebe es seitens des Gesundheitsamtes nur eingeschränkte Testmöglichkeiten vor Ort.

Der Personalrat nennt auch Zahlen: Die Friedrich-Magnus-Gesamtschule hat etwa 530 Schüler, die von etwa 60 Lehrkräften unterrichtet werden. Im dauerhaften Präsenzunterricht der Abgangsklassen sind täglich etwa 65 Lernende vor Ort. Die Förderstufe (Jahrgänge 5/6) umfasst 158 Schüler, von denen sich jede Woche etwa die Hälfte vor Ort befindet.

Innerhalb der nächsten beiden Wochen wären also über 40 Prozent der Lernenden in der Schule.

Von den Lehrkräften sind etwa 80 Prozent wöchentlich im Präsenzunterricht. Freitags werden in elf Lerngruppen die freiwilligen Antigen-Tests durchgeführt. Es haben also maximal elf Lehrkräfte die Testmöglichkeit vor Ort, denn nur die Lehrkräfte, die zum Testzeitpunkt unterrichten, können sich testen lassen. In der Praxis seien es aber nicht mal elf, da die Lehrenden die Lerngruppen wechseln. "Dies hat ein hohes Maß an Verunsicherung innerhalb des Kollegiums zur Folge. Besonders bedenklich ist dieses im Hinblick darauf, dass einige Lehrkräfte an verschiedenen Einsatzstätten tätig sind", schließt das Gremium.

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