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Betongold strahlt heller denn je

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Während die Preise für die billigsten Grundstücke im ländlichen Raum eher stagnieren, steigen sie in den teuren Regionen auch noch deutlich schneller als im Gesamtdurchschnitt. © Red

Neubaugebiete sind im Landkreis auch 2021 Mangelware. Das besagt der aktuelle Bericht des Amts für Bodenmanagement.

Kreis Gießen. (ib) »Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr«, heißt es nicht nur in Rilkes Herbstgedicht, sondern auch für viele Häuslebauer und -käufer im Speckgürtel um Gießen. Egal, wie viel Geld man auch bereit ist zu zahlen, in manchen Kommunen gibt es einfach kein Angebot, mit der logischen Folge, dass die Karawane der Bau- und Kaufwilligen weiterzieht und mittlerweile auch in weiter entfernten Kommunen die Preise anziehen. Das war eine der Erkenntnisse aus dem Immobilienmarktbericht des Amts für Bodenmanagement (AfB) für den Landkreis Gießen, den Tobias Rhiel am Donnerstag in Marburg vorstellte.

Der Gutachterausschuss, dem Rhiel angehört, nimmt alljährlich die Landkreise Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Gießen in den Blick. In den drei Landkreisen (ohne die Städte Gießen und Wetzlar) wechselten im vergangenen Jahr 10 038 Grundstücke den Besitzer. Das bedeutet einen Rückgang von rund 3,6 Prozent gegenüber 2021. Dagegen stieg der Umsatz dieser Transaktionen im gleichen Zeitraum um 8,7 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro.

Wachsende Nachfrage ...

Besonders betroffen von einer wachsenden Nachfrage bei schwindendem Angebot ist dabei der Landkreis Gießen. Der auf drei Jahre gemittelte Durchschnittspreis für den Quadratmeter Bauland beträgt bei uns derzeit stolze 161 Euro, während man in den beiden Nachbarkreisen schon Bauland für 84 Euro/m² (Lahn-Dill) oder 79 Euro/m² ( Marburg-Biedenkopf) bekommen kann.

Ähnlich sieht es bei den Ein- oder Zwei-Familien-Häusern aus. Für die muss man im Lahn-Dill-Kreis im aktuellen Dreijahresdurchschnitt 190 000 Euro hinblättern und im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit 193 000 Euro nur unwesentlich mehr. Im Landkreis Gießen schlägt solch eine Immobilie dagegen im Schnitt mit 271 000 Euro zu Buche.

Da verwundert es auch nicht, dass fast alle Verkaufsrekorde im Berichtzeitraum in unserem Landkreis gebrochen wurden. Der teuerste Bauplatz mit einem Quadratmeterpreis von 500 Euro wurde in Heuchelheim verkauft. Zum Vergleich: Im Landkreis Marburg wurden im gleichen Zeitraum in den Gemeinden Angelburg und Rauschenberg Baugrundstücke für 35 Euro/m² veräußert.

Auch das teuerste Ein- oder Zwei-Familien-Haus steht im Landkreis Gießen. Es wechselte für 770 000 Euro den Besitzer. Knapp 30 Kilometer weiter westlich in Mittenaar konnte man dagegen schon für 30 000 Euro Hausherr (oder -dame) werden. Ebenfalls in Wettenberg steht die teuerste Eigentumswohnung. Stolze 2500 Euro hat deren Käufer für den Quadratmeter Wohnfläche hingeblättert. In der ehemaligen Kreisstadt Biedenkopf bekam man den Quadratmeter dagegen schon für 1000 Euro.

Im Landkreis Gießen waren die Baulandpreise im vergangenen Jahr in Heuchelheim (340 Euro/m²), in Pohlheim (310 Euro/m²) und in Wettenberg (310 Euro/m²) am teuersten. Am günstigsten konnte man dagegen in Biebertal (77 Euro/m²), der Rabenau (78 Euro/m²) und in Laubach (96 Euro/m²) Grundeigentümer werden.

Die teuersten Ein-/Zweifamilienhäuser wurden 2021 in Heuchelheim (430 000 Euro), Buseck (422 000 Euro) und mal wieder in Wettenberg (412 000 Euro) verkauft; die billigsten Häuser in Laubach (193 000 Euro), Grünberg (230 000 Euro) und in der Rabenau (235 000, Rabenau.

... Schwindendes Angebot

Im Grünberger Neubaugebiet »Baumgartenfeld« wurden im vergangenen Jahr noch sieben Restplätze für durchschnittlich 135 Euro/m² an den Mann gebracht. Weitere (größere) Neubaugebiete seien im Landkreis auch 2021 Mangelware gewesen, sagte Rhiel, vor allem verstreut liegende »Restbestände hätten den Besitzer gewechselt. Teilweise wurden auch im Rahmen der Innenverdichtung Baulücken geschlossen.

Dass der Glanz des Betongoldes nach wie vor ungebrochen ist, zeigen weitere Zahlen des Berichts., So kostet ein Einfamilienhaus mit den Merkmalen Baujahr 1986, 150m² Wohnfläche, 700m² Grundstück und einem Bodenwert von 110 Euro/m² im Bereich des AfB im Durchschnitt 307 000 Euro und damit rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Noch gravierender ist die Entwicklung bei gebrauchten Wohnungen in den drei Landkreisen. Eine von zweiter Hand erworbene Eigentumswohnung mit 80 Quadratmetern Wohnfläche ist mit 159 000 Euro rund zwölf Prozent teurer als 2021. Im Jahr 2010 hätte man solch eine Wohnung noch im Schnitt für 85 000 Euro erwerben können. Das entspricht einer Wertsteigerung von mehr als 90 Prozent in einem Jahrzehnt.

Das sind Renditen, die einem in Zeiten von Null- und Negativzinsen keine Geldanlage - außer vielleicht die Börse - bieten kann und das treibt natürlich die Preise weiter nach oben. »Eigentumswohnungen gehen weg wie warme Semmeln. Ob aber nun auch Bauland oder gebrauchte Immobilien: Es gibt von allem zu wenig«, fasst das Rhiel zusammen.

Geht das immer so weiter? »Wenn die EZB die Zinsen spürbar erhöht, dann wird sich auch der Immobilienmarkt sehr verändern«, ist der Marburger Gutachter Lothar Dude-Georg überzeugt. Platzt dann also die vielbeschworene Blase wie 2008 in Amerika? Der Gießener Gutachter Horst-Friedhelm Skib glaubt das nicht: »Die Kreditvergabe in Deutschland war nie so risikobehaftet wie in den USA.«

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Wie gehabt: Im Speckgürtel um sowie zwischen Gießen und Wetzlar müssen Häuslebauer besonders tief für Bauland in die Tasche greifen. Das zeigt der aktuelle Immobilienmarktbericht für den Landkreis Gießen. Grafiken: Gutachterausschuss © Red

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