Biebertal: Verlorene Geldbörse nach 23 Jahren wieder da

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BIEBERTAL - (jem). Damit hat Melanie Schaub überhaupt nicht mehr gerechnet: Über 20 Jahre ist es her, dass die Biebertalerin ihre Geldbörse verloren hatte. Jetzt ist sie samt Inhalt wieder da - durch reinen Zufall, gute Freunde und einen Finder, der selbst nicht mit einem Erfolg rechnete.

"Ich weiß noch genau, dass das Portemonnaie während eines Handballturniers plötzlich verschwand", so die heute 38-Jährige. Damals spielte sie bei der KSG Biebertal und das Turnier fand im Sommer 1997 draußen auf dem Sportplatz in Biebertal statt. Neben ihrem Schülerausweis und einer Telefonkarte verstaute sie damals auch Schmuck im Geldbeutel, da man diesen während des Spiels nicht tragen durfte. "Nach dem Turnier fiel mir auf, dass mein Portemonnaie weg war und meine Freunde und ich suchten die ganze Umgebung ab - leider vergebens."

Ob sie die Geldbörse verloren hat oder sie ihr geklaut wurde, wusste die Biebertalerin damals nicht. "Aber da alle anderen ihre Taschen noch hatten, bin ich nicht von einem Diebstahl ausgegangen." Geärgert habe sie sich schon, auch, weil der Ring ihres damaligen Freundes dadurch verloren ging.

Doch der Vorfall geriet schnell in Vergessenheit - bis Donnerstagvormittag. "Ich habe plötzlich unzählige Nachrichten von Freunden bekommen, dass da jemand auf Facebook schreibt, er habe Reste eines Portemonnaies gefunden und einen Schülerausweis von Melanie Kauß. Weil viele meinen Mädchennamen kannten, dachten sie direkt an mich. Ich wusste sofort, um welche Geldbörse es ging und konnte es gar nicht glauben", erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung mit einem Lächeln.

Auch Sebastian Reuter war überrascht. Denn nicht einmal eine Stunde, nachdem er den Suchaufruf in eine Facebook-Gruppe für Gießener gestellt hat, konnte die Besitzerin gefunden werden. Reuter arbeitet für eine Firma im Straßenbau. "Wir hatten gerade Baggerarbeiten an der Sporthalle und da sah ich plötzlich, dass etwas im Boden lag." Es waren Reste einer Geldbörse aus Leder und unter anderem der Schülerausweis von Melanie Kauß. Da der Fund etwa in einer Tiefe von 70 Zentimetern lag, hat der 23-Jährige die Vermutung, dass schon einmal Arbeiten dort stattfanden.

"Ich dachte, dass der Ring vielleicht jemandem etwas bedeutet und suchte zunächst auf Facebook nach dem Namen. Dann schrieb ich in die Gruppe 'Wer kann was in Gießen'." Viel Hoffnung auf Erfolg hatte er nicht, auch seine Kollegen meinten, dass es vermutlich sinnlos sei, schließlich sei das alles schon "uralt". Doch es kam anders.

"Als ich dann mit Frau Schaub telefonierte, war sie überglücklich. Das hat mich wirklich gefreut, auch wenn es nur so eine Kleinigkeit war", sagt Reuter bescheiden. Schaub kann hingegen dem Finder nicht genug danken: "Dass er sich wirklich die Mühe gemacht hat, ist toll und mir bedeutet das sehr viel." Der Schülerausweis wird nun eine besondere Stelle bekommen. "Wegen des Rings habe ich meinen damaligen Freund angerufen. Auch er war einfach nur sprachlos."

Den Geldbeutel hat am Donnerstagnachmittag noch Schaubs Mutter abgeholt, denn die 38-Jährige selbst befindet sich derzeit mit ihrer Familie in vorsorglicher Corona-Quarantäne. Der Fund war deshalb ein wahrer Lichtblick.

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