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Bio-Schmackofatz aus Heuchelheim

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Von: Thomas Wißner

Ministerin Priska Hinz attestiert dem Projekt »Region im Kochtopf« Vorbildfunktion. Der Zaug-Verpflegungsbetrieb in Heuchelheim serviert täglich 6000 Menüs in Kitas und Schulen.

Kreis Gießen (twi). Was letztendlich im bekannten Märchen »Tischlein, deck dich!« aufgetischt wurde, haben die Gebrüder Grimm verschwiegen, doch was täglich vom Zaug-Verpflegungsbetrieb mit dem märchenhaften Namen aus Heuchelheim serviert wird, das geht stets aus einem Speiseplan hervor. Immerhin 6000 Essen lassen sich aktuell Kinder und Jugendliche von 36 Schulen und 75 Kitas schmecken.

Für den gestrigen Donnerstag gab es drei Menüs, unter dem Motto »Das schmeckt!« offeriert, die von Kräuterquark, Kartoffeln, Möhrenstück, Obst über Schweineschnitzel, Kartoffelpüree, Sahnemöhrchen, Obst bis hin zu Hähnchenfilet in Bratensoße, Pennenudeln, gedünsteter Mais, Obst reichten. Alle Menüs eint die Philosophie, dass bei der Zubereitung regionale Produkte verwendet werden.

Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) stattete aus diesem Grund dem Projekt »Nah.Land.Küche - Die Region im Kochtopf« einen Besuch ab, um die Ökomodell-Region Lahn-Dill-Gießen in ihren Bestrebungen zu unterstützen, weitere Küchen der Gemeinschaftsverpflegung als Abnehmer für bioregionale Produkte zu gewinnen und damit zur Markt- und Absatzentwicklung der Biolandwirtschaft beizutragen.

Dabei wurde Zwischenbilanz über die in zweieinhalb Jahren gemachten Erfahrungen gezogen. »Ich bin sehr froh, dass wir mit der Ökoregion Lahn-Dill-Gießen einen Vorreiter und Vorbild für dieses Projekt haben. Der Name ist gut und macht deutlich, um was es geht.«

Richtige Ernährung bedeute, dass sie gesund ist, aber auch, dass sie schmecken sollte. Sie sei gut für Umwelt, Böden, Wasser, Artenvielfalt und das Tierwohl, unterstrich Hinz und unterstütze die lokale Landwirtschaft. Es gehe darum, zu zeigen, dass die Erzeugnisse möglichst in der Region an Mann oder Frau gebracht werden.

Seit Januar 2021 sind alle Landkreise und kreisfreien Städte Hessens Mitglied einer von 13 Ökomodell-Regionen. Damit ist Hessen bundesweit erstes Ökomodell-Land. Die Regionen führen Projekte durch, die dazu beitragen, den Ökolandbau und das Angebot an regionalen Bio-Lebensmitteln auszuweiten.

Bereits seit 2020 arbeitet die Ökomodell-Region Lahn-Dill-Gießen im Projekt Nah.Land.Küche daran, dass regionale Biolebensmittel vom Acker auf den Teller von Schulmensen und Kantinen kommen.

Wie Zaug-Geschäftsführerin Dr. Cornelia Seitz und Projektleiterin Anja Erhart berichteten, sind derzeit am Projekt sechs Großküchen und acht Schulen beteiligt. »Wir fördern eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Hessen. Hochwertige Bioprodukte aus der Region brauchen Absatzmärkte. Und es ist wichtig, dass auch in Großküchen und insbesondere in Schulkantinen gute, gesunde Lebensmittel verarbeitet werden. Das Projekt bringt beides zusammen. Ein schöner Erfolg«, hob Hinz zudem die kurzen Lieferwege und den damit geleisteten Beitrag zum Klimaschutz hervor.

Als Teil der hessischen Ernährungsstrategie wird das Projekt bis Ende 2023 mit insgesamt 500 000 Euro vom Land gefördert.

Insgesamt erreichen die beteiligten heimischen Projektküchen mit durchschnittlich 12 460 Essen am Tag Schüler aus beiden Landkreisen. Vertreter des Kreises Gießen war Christian Zuckermann (Grüne).

Moderiert wurde das Gespräch von der Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum, Margot Schäfer. Ein Vertreter der Wetzlarer Kreisverwaltung wünschte sich, dass das Projekt über 2023 hinaus weitergeführt werde. Zukünftig sollen nicht nur Schulküchen, sondern beispielsweise auch Betriebskantinen profitieren.

Dass gesunde Lebensmittel längst nicht nur bei einer bestimmten Klientel eine Rolle spielen, betonte Zuckermann. »Küchen der Gemeinschaftsverpflegung haben eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft und in der Region. Die Ökomodell-Region Lahn-Dill-Gießen und Projektpartner wie »Tischlein Deck Dich« gehen hier gemeinsam mit gutem Beispiel voran.«

Hinz verwies darauf, dass ein Drittel des Konsums außer Haus stattfindet und es nicht so einfach sei, die Akteure an einen Tisch zu bekommen. Deshalb sei sie froh, dass hier zwei Schulträger kooperieren. »Damit diese Dinge funktionieren, braucht man Geduld, langen Atem und eine gute Vernetzungsstruktur.« Für Kartoffeln und Dinkelnudeln konnten bereits Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. Hier sind bisher sieben landwirtschaftliche Betriebe involviert. Eine Wertschöpfungskette für Kürbis befinde sich derzeit im Aufbau, erklärte die Landwirtschaftsministerin.

Projektleiterin Erhart sprach von einem »sehr erfolgreichen und funktionierenden Ansatz« Vermarktungsfähige Produkte für Großküchen seien vorhanden. »Wir haben die Nudeln, Gemüse, und schauen nach weiteren Produkten wie etwa einem Paddy aus Fleisch, aber auch auf Gemüse- oder Getreidebasis«. Es gehe für das kommende Jahr darum, die Mengen voranzubringen. »Wir haben jetzt Weißkohl, Kürbisse und Kartoffeln auf den Weg gebracht, aber noch nicht in den Mengen.«

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