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»Brauchen Ort für unsere Trauer«

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Daniel Matysik verlor sein Leben. © Barbara Czernek

Der Vater des getöteten Daniel Matysik lobt 50 000 Euro für Hinweise aus. Der Fall wird als »Mord ohne Leiche« vor dem Landgericht in Gießen aktuell noch verhandelt.

Kreis Gießen (bcz). Helmut Matysik ist 86 Jahre alt und verzweifelt. Was ist mit seinem Sohn? Klar ist nur, dass Daniel tot ist und in Hungen-Bellersheim in einer Scheune ermordet wurde. Das zähe Ringen um die Wahrheit in einem Mordprozess in Gießen hat den Vater jetzt veranlasst zu handeln. Die Ungewissheit soll enden. »Ich setze eine Belohnung von 50 000 Euro für denjenigen aus, der uns den entscheidenden Hinweis zur Auffindung der Leiche meines Sohnes liefert«, erklärt Matysik senior als Nebenkläger über seinen Anwalt Alexander Hauer aus Gießen.

Er sieht die Auslobung als letzte Möglichkeit an, zumindest die sterblichen Überreste seines Sohnes beerdigen zu können. Der 39-Jährige verschwand 2016. Zwei Angeklagte sitzen im Landgericht wegen des Verbrechens auf der Anklagebank. Beide beschuldigen sich gegenseitig, doch die Leiche fehlt. Daher ist weiterhin vieles unklar.

Ein Indizienprozess mit langer Verfahrensdauer hat den Vater, der als Nebenkläger auftritt, gezeichnet. Darum hat er sich entschlossen, öffentlich diese hohe Summe denjenigen anzubieten, die zur Lösung des Fall beitragen. Die Bild-Zeitung berichtete am Montag zuerst darüber. »Geld spielt für uns keine Rolle mehr. Wir wollen nur unseren Sohn endlich beerdigen. Wir brauchen einen Ort für unsere Trauer«, betont der 86-Jährige in der »Bild«, denn er und seine Frau leiden täglich. Der Hochbetagte sitzt als Nebenkläger den mutmaßlichen Tätern an den Prozesstagen gegenüber und fragt sich immer wieder, was ist geschehen.

Seit Mai 2021 müssen sich zwei Tatverdächtige vor einer Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten. Sie werden beschuldigt, Matysiks Sohn am 17. November 2016 in einem Hof in Hungen-Bellersheim kaltblütig ermordet zu haben. Die beiden bestreiten nicht einmal den Mord, sie beschuldigen sich nur gegenseitig dem Leben Daniels ein Ende gesetzt zu haben. Längst ist auch anhand von Schilderungen die Grausamkeit nach der Tat festgestellt. Der jüngere der beiden Angeklagten, ein Softwareberater, zerstückelte die Leiche, verscharrte und betonierte Reste ein, nur wo? Einmal behauptete er, Eimer mit Leichenteilen im Starnberger See versenkt zu haben. Die daraufhin eingeleitete große Suchaktion in dem bayerischen Gewässer blieb erfolglos.

Auf Antrag des Nebenklägers wurde der Sachsensee bei Hungen ebenfalls von der Polizei abgesucht, da dieser in unmittelbarer Nähe zum Tatort liegt. Doch die Suche brachte keine neuen Erkenntnisse. »Ohne weitere, konkrete Hinweise sind die Ermittlungsmöglichkeiten der Justiz erschöpft«, meinte gestern Rechtsanwalt Alexander Hauer, der den Nebenkläger rechtlich vertritt, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das wissen auch die Eheleute Matysik. Aus diesem Grund wende sich der Vater nun an die Öffentlichkeit, in der Hoffnung, dass sich vielleicht jemand meldet, der die Ungewissheit der übrigen Familienangehörigen enden lässt. Allerdings ist die Auszahlung des Betrages an gewisse Bedingungen geknüpft, sagt Hauer. Die Angeklagten und deren Angehörigen (bis zum 4. Grad) sind nicht berechtigt, die Belohnung zu erhalten, ebenso ausgeschlossen sind Beamte, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört.

Ferner können nur Privatpersonen die Belohnung erhalten und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Diese Bedingungen seien dem 86-jährigen sehr wichtig, schließlich möchte er nicht, dass mögliche Tatbeteiligte sich an seinem Unglück bereichern.

»Dieser Aufruf ist nicht als Misstrauensantrag an die Justiz zu werten, sondern vielmehr ist sie die letzte Hoffnung des Ehepaars, um ihren Sohn endlich zu Grabe tragen zu können«, betont der Fachanwalt für Strafrecht.

Bisher hat der Vater, ein ehemalige Ingenieur jeden Prozesstag mitverfolgt, um in die Gesichter der beiden Personen zu blicken, die den Tod seines Sohnes auf dem Gewissen haben. Ihm geht es um die Wahrheit, was in den letzten Stunden des Lebens seines Sohnes wirklich geschehen ist.

Sachdienliche Hinweise sind direkt an das Rechtsanwaltsbüro Alexander Hauer, Postfach 110920, 35354 Gießen, zu richten.

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Hinter diesem Tor in einem Hof in einem Hungener Stadtteil soll die Tat stattgefunden haben. Fotos: Czernek © Czernek
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Noch immer fehlt die Leiche von Daniel Matysik. Auch im Sachsensee auf Hungener Gemarkung wurde die Polizei nicht fündig. Der Mord- ist damit weiterhin ein reiner Indizienprozess. Jetzt möchte der Vater des Opfers Gewissheit. Archivfoto: Wißner © Thomas Wißner

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