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Brutkasten passé

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Von: Thomas Wißner

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Das Licht der Welt erblickten Anfang September diese drei Schildkröten. Sie können 80 Jahre alt werden. Fotos: Wißner © Wißner

Schildkröten schlüpfen in Linden mittlerweile auch im Garten aus dem Ei. Ein Zeichen des Klimawandels.

Linden . Der Klimawandel begleitet uns täglich. Neben weniger Regen und Extremwetterereignissen setzt immer früher die Vegetation ein. Auch die Artenvielfalt ändert sich. Seit über einem halben Jahrhundert hält Georg Steinmetz in Großen-Linden griechische Landschildkröten und stellt fest, dass der Klimawandel für den Reptiliennachwuchs erst einmal positiv ist.

»Waren vor wenigen Jahren Schlüpflinge in Gewächshäusern noch beachtenswert, so häufen sich in den vergangenen Jahren Eiablagen und Schlupf unter Freilandbedingungen!«, weiß der Tierfreund.

Landschildkröten sind sehr genügsame Haustiere und faszinieren Steinmetz seit Kindertagen. »In den 60er Jahren bekam ich eine bereits erwachsene Griechische Landschildkröte geschenkt. Die Tiere können bis zu 80 Jahre alt werden, aber mein Geschenk von damals lebt nicht mehr, dafür aber ihre Nachkommen. Seitdem ist mein Interesse an diesen faszinierenden Tieren geweckt und hält bis heute. Seit dieser Zeit beschäftigte ich mich auch mit der Haltung und Nachzucht.«

Dabei krabbeln auf seiner Hand drei putzige Nachkommen herum: »Bei der hier gezeigten Art handelt es sich um die Westrasse der griechischen Landschildkröte (testudo hermanni hermanni). Sie ist als Lokalform in Italien und Südfrankreich beheimatet«, verrät Steinmetz über jenen Schlupf. Bei der griechischen Landschildkröte handelt es sich laut EU-Naturschutzrichtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) um eine streng zu schützende Art, die bereits seit Mitte der 70er Jahre im Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (Cites) gelistet ist.

Aufgrund dieser Vorgaben müssen auch in Gefangenschaft gezüchtete Tiere bei der Artenschutz Abteilung des Regierungspräsidiums Gießen gemeldet werden. Griechische Landschildkröten werden vegetarisch ernährt. Sie schätzen frisches, aber auch angewelktes Grün. »Diese Schildkröten legen im Frühjahr nach der Winterruhe zwischen März und Juni ein oder zwei Gelege mit jeweils zwei bis fünf Eiern je Gelege. Die Brutdauer liegt immer zwischen 54 und 73 Tagen. Danach werden die Eihüllen nach 54 bis 73 Tagen mit Hilfe des Eizahns geöffnet und die Schildkröten graben sich aus ihrer Bruthöhle nach oben.

»Der Schlupf selbst ist für die Jungen anstrengend und kann sich bis zu zwei Tage hinziehen«, erklärt Steinmetz. Er musste in der Vergangenheit stets einen Inkubator um die erforderlichen Temperaturen dafür bereitzustellen. Jungtiere haben dabei eine Panzerlänge von 30 bis 35 Millimeter und wiegen sieben bis 15 Gramm. Sie werden in Gruppen von drei bis zehn Tieren in gut beleuchteten Zimmerterrarien aufgezogen.

»Selbst ein nur eine Stunde dauernder Aufenthalt in der Sonne ist zu bevorzugen.« Vor diesem Hintergrund häufen sich in den vergangenen Jahren im Zuge des Klimawandels Eiablagen und Schlupf unter Freilandbedingungen, stellt er fest. »Das bedeutet allerdings auch im Gegenzug, dass invasive Arten wie etwa eingewanderte, eingeschleppte und ausgesetzte Tiere und Pflanzen mehr Druck durch Vermehrung auf die hiesige Fauna und Flora ausüben.« So werden etwa auch die ausgesetzten Wasserschildkröten im Naturschutzgebiet Grube Fernie in Linden bei Vermehrung zu einem Problem werden.

»Wasserschildkröten sind überwiegend Fleischfresser und fressen Larven und Gelege unserer Arten.«

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Georg Steinmetz Schildkröten-Fan © Thomas Wißner

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