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Büffelchen im Lemmerland

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Die Weide haben das Büffelchen und seine kleine Herde räumen müssen, aber in Dieter Lemmers erstem Kinderbuch lebt es weiter. © Berghöfer

Der frühere GA-Redaktionsleiter Dieter Lemmer ist unter die Kinderbuchautoren gegangen.

Kreis Gießen. Nicht nur frischgebackenen Eltern beschert der Nachwuchs schlaflose Nächte, auch so mancher stolze Großpapa wird vom Enkelchen um die Nachtruhe gebracht. Umso schöner, wenn der dann die unverhoffte Nachtwache so kreativ zu nutzen versteht wie Dieter Lemmer.

Nachts um drei sei es gewesen, als ihm die Idee kam, seinem ersten Enkel Carl ein eigenes Kinderbuch zu schreiben. »Bis sechs Uhr habe ich mir dann erst so meine Gedanken und dann erste Notizen gemacht«, erinnert sich Lemmer. Danach ging’s noch mal für zwei Stunden ins Bett, dann von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends an den Computer und dann war sie eigentlich auch schon fertig die Geschichte vom »Carlchen und dem Büffelchen.«

Dass Dieter Lemmer schreiben kann, wissen die meisten Anzeiger-Leser natürlich, 40 Jahre drückte der langjährige Leiter der Lokalredaktion des Gießener Anzeigers unserer Zeitung seinen Stempel auf, immer nah bei die Leut´, doch nie populistisch und stets kreativ.

Routine und Regeln sind Dieter Lemmer auch heute noch ein Gräuel. Und so kann es sich der Mann, der mit Leib und Seele »Zeitungsmensch« war, im innersten Herzen aber immer Bauer geblieben ist, auch nicht verkneifen im Vorwort dem »deutschen Verwaltungswesen« eins mitzugeben, das ihm vor Jahren die Hobby-Viehzucht verleidet habe.

Staunen über die Wunder der Natur

Im Kinderbuch und hoffentlich in den Herzen vieler junger Leser aber lebt das Büffelchen aus »Lemmerland« weiter, das - auf der Weide geboren - die Schönheit und die Wunder der Natur kennen lernt und Kindern näher bringt.

Gewidmet hat der Ex-Redakteur im Unruhestand das Buch zwar seinem Enkel, aber natürlich es ein Buch für alle jungen Menschen, die das Staunen über die Wunder der Natur noch nicht verlernt haben. »Kinder sind die dankbarsten Leser«, sagt Lemmer. »Sie lauschen konzentriert deinen Worten und sind voller Begeisterung. Erwachsene Leser meckern lieber. Dass weiß jeder, der einmal bei einer Zeitung gearbeitet hat.«

Weil Lemmers erstes Kinderbuch nicht nur das Carlchen erfreuen soll, hat er - gelernt ist gelernt - das ganze richtig professionell in Szene gesetzt.

Ursprünglich wollte er seinen Text mit Kinderbildern aus der Kinderbetreuung seines Heimatortes Treis illustrieren, aber die Motive der Bilder der jungen Künstler seien dann doch zu ähnlich gewesen, um damit die ganze Geschichte vom Büffelchen zu bebildern, meint Lemmer.

Da traf es sich gut, dass in seiner Nachbarschaft mit Heidrun Becker eine Malerin lebt, die mit ebenso einfühlsamen wie farbenfrohen Aquarellen, die heile Welt des »Lemmerlandes«, in dem das kleine Büffelchen seine ersten Abenteuer mit Kranich, Fuchs oder Reh erlebt, zum Leben erweckt. Die Bilder der Treiser Kinder kommen natürlich auch zu ihrem Recht und finden sich im Anhang.

Immer eigene Wege gegangen

Und weil Dieter Lemmer immer schon die eigenen Wege den ausgetretenen Trampelpfaden der Menschenherde vorzog, hat er sich auch für eine eher ungewöhnliche Verkaufsstrategie entschieden. Kaufen kann man die Geschichte vom Carlchen und dem Büffelchen nämlich gar nicht.

Einen Großteil der Auflage hat Lemmer in umliegenden Geschäften zum Mitnehmen ausgelegt, einfach so. In jeden Buch ist ein Lesezeichen, das verrät, dass das Buch natürlich etwas gekostet, aber keinen Preis hat. Wem das Werk aber etwas wert ist, kann dem Autor die Summe überweisen, die das Buch ihm selbst wert ist. Lemmer, gläubiger und eher durch sein Beispiel überzeugender als von sich überzeugter Christ, glaubt an das Gute im Menschen.

Ein Großteil der ersten Auflage von 300 Exemplaren ist schon weg und immerhin die Hälfte der Produktionskosten für das durchgehend farbig illustrierte gebundene Buch hat er durch Spenden der Leser wieder eingenommen.

Und wenn er dann am Ende doch draufzahlt? Lemmer lacht schallend: »Für das Geld hätte ich mir auch ein schickes Sofa kaufen können. Aber erstens habe ich schon ein sehr bequemes Sofa und zweites wäre das nicht so befriedigend, wie Kindern eine Freude zu machen.«

Eine zweite Auflage ist jedenfalls schon in Planung. Auch an den nächsten Abenteuer des Büffelchens feilt Lemmer bereits. Er ist dabei aber auch in Zugzwang. Mittlerweile ist Lemmer nämlich stolzer Opa eines zweiten Enkels und er will natürlich nicht, dass der Bruno ihn einmal fragt, warum er dem Carl ein Buch geschrieben hat und ihm nicht.

Dass ein Dieter Lemmer nie um gute Einfälle verlegen ist und immer nah bei die Leut´, wissen die GA-Leser ja. Als Rentner gönnt er sich jetzt den Luxus, ganz nah bei den kleinen Leuten zu sein - und mit sich im Reinen.

*

Wer selbst seinen Kindern Enkeln, Nichten oder Neffen eine Freude machen möchte, muss sich sputen. Rund 50 Exemplare kann man noch direkt beim Autor beziehen. Dieter Lemmer ist telefonisch unter 06406/71306 oder per E-Mail unter lemmerland@ gmx.de zu erreichen.

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Auch den Autor hat die Malerin Heidrun Becker auf einer ihrer Illustrationen verewigt. © Red

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