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Pokale und Auszeichnungen wohin man schaut - Cesur Elen ist nicht nur ein äußerst erfolgreicher Kickboxer, er trainiert den Nachwuchs jetzt auch im eigenen Studio, der »Phoenix Fight Academy«.

Sportlicher Überflieger

Cesur Elen: Zweiter der Weltrangliste

Cesur Elen hat als erfolgreicher Kickboxer Olympia 2028 im Blick, außerdem hat er in Lollar seine »Phoenix Fight Academy« eröffnet.

Lollar (dge). Cesur Elen - den Namen sollte man sich merken.Falls man ihn nicht schon kennt. Was wohl eher wahrscheinlich ist. Gerade erst 22 Jahre alt geworden, ist er der Weltranglistezweite in der 74-Kilogramm-Klasse im Kickboxen. Und da sein Sport nun auch so gut wie sicher zu den olympischen Disziplinen zählt, hat Cesur Elen 2028 schon fest im Blick, ist jetzt bereits Anwärter auf einen Platz im Olympia-Kader.

Doch mit harter Arbeit und Training alleine ist es bei Elen nicht getan, er gibt sein Wissen weiter. Fast kann man noch die Farbe riechen, Matten, Geräte und die Räume überhaupt - alles ist neu. Erst vor wenigen Tagen hat der Kickboxer sein eigenes Sportstudio eröffnet. Die »Phoenix Fight Academy« findet man im Auweg 11 in Lollar, durch den Seiteneingang geht es in den ersten Stock. »Hard Work beats Talent« - frei übersetzt: »harte Arbeit schlägt Talent« steht an der Wand.

Lizensierter Trainer

Hinter dem Tresen steht Cesur Elen, an der Wand hinter ihm, auf dem Tresen selbst zeugen Urkunden, Medaillen und Pokale von seinen beachtlichen Erfolgen. Und noch etwas verraten sie: Der Sportler ist lizensierter Trainer und das nicht erst seit gestern. Als 15-Jähriger hat er seine Lizenz erworben, seit 2016 trainiert er den Nachwuchs. Er sei übrigens der einzige vom olympischen Sportbund lizensierte Trainer in Deutschland, erwähnt er so ganz nebenbei.

Der Name für sein neues Studio kommt nicht aus dem Nirgendwo. Cesur Elen fasziniert zum einen die Geschichte des Fabelwesens »Phönix«, zum anderen meinte er, »Kinder lieben es, wenn eine Geschichte hinter etwas steht«. Auch spiegele der Name ihn selbst irgendwie wieder. »Deshalb passt das. ›Phönix - weil das alles quasi aus dem Nichts entstanden ist.« Und auch, weil er genau gegenüber von seinem neuen Studio angefangen hat. »Ein bisschen zurück zu den Wurzeln«, schmunzelt er. Elen hat die Selbstständigkeit bereits seit einem Jahr geplant, hatte tatkräftige Unterstützung von der ganzen Familie - »die haben alle tagtäglich hier mitgebaut. Das ist nicht selbstverständlich«. Doch seinen Sport, das Kickboxen, hat er ähnlich aufgebaut wie der Phönix. Zwar musste sich Elen nicht wie der Sagenvogel aus der Asche erheben, doch fing er bei Null an.

Ein Blick zurück. Eine Woche vor seinem 14. Geburtstag beginnt Cesur Elen mit Kickboxen, den Anstoß habe seine große Schwester gegeben. Der Sport fasziniert ihn immer mehr, schnell entwickelt er Ehrgeiz, will auch auf Turnieren kämpfen. Um die Aufmerksamkeit seines damaligen Trainers Christian Paffrath zu gewinnen, sei er immer pünktlich, oft sogar überpünktlich gewesen.

Die Trainingsräume waren zunächst in Lollar, dorthin ist er von Staufenberg aus gelaufen oder mit dem Bus gefahren. »Ich war oft viel zu früh und habe dann beim Kinder-Training zugeschaut.« So kam es, dass er hier zunächst ausgeholfen und später seine Trainerlizenz gemacht hat. Im eigenen Training habe er immer »Vollgas gegeben«, jeden auch als Konkurrenten gesehen. Es zahlte sich aus. Der erste Platz im Worldcup in Belgien ist der jüngste in einer langen Liste von Erfolgen. Bei der Weltmeisterschaft in Italien landete er auf Platz fünf. »Seither bin ich Weltranglistenzweiter.« Dass er in Deutschland zu den absoluten Top Ten gehört, braucht man da wohl kaum noch zu erwähnen.

Zweites Standbein

Die Bodenhaftung hat Cesur Elen deshalb aber nicht verloren. Das Sportstudio nennt er ein zweites Standbein. 2019 hat er sein Abitur an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar gemacht. Note: 1,6. Das sicherte ihm die Zusage für einen Studienplatz in Medizin. »Das hätte mir aber kaum Zeit und Raum für meinen Sport gelassen. Also studiere ich jetzt internationales Management in Frankfurt.«

Warum gerade Kickboxen? Cesur Elen kennt die Vorurteile, die sich um Kampfsportarten ranken, sieht sich jedoch nicht in dieser Ecke. Er betont, dass man es gerade als Leistungssportler vermeide, sich provozieren zu lassen. »Der Sport gibt nicht nur Selbstbewusstsein, er lenkt Aggression in andere Bahnen.« Eigentlich, nimmt er Kritikern den Wind aus den Segeln, laufe es auf das genaue Gegenteil aller gängigen Vorurteile hinaus. Das Kickboxen habe ihn zum Beispiel auch in seiner Persönlichkeit weitergebracht. Er habe sein Talent entdeckt, mit Menschen und gerade mit Kindern gut umgehen zu können. Deshalb habe er auch die Trainerlizenz gemacht.

Nochmal zurück zu Olympia: Was ist, wenn das ganz große Ziel und möglicherweise eine Medaille erreicht ist? Cesur Elen lacht: »Dann würde ich in Rente gehen.« Er schränkt aber gleich ein: »Ich werde den Sport solange machen, wie ich kann.« Doch bis 2028 ist es noch eine Weile und so trainiert er nicht nur für die nächsten Erfolge, sondern in der »Phoenix Fight Academy« auch den Nachwuchs.

Weitere Infos zu Kursen und Trainingszeiten gibt es auf Instagram unter »phoenixfightacademy« sowie unter der Rufnummer 0163/9847728.

Der Profi gibt Tipps, korrigiert Körperhaltung und Technik, motiviert die jungen Kickboxer.
Nicht nur die Kleinen, auch ältere Schüler, teilweise bereits Jugendmeister, trainiert Cesur Elen im »Phoenix«.

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