+
Sie sind schon viele Jahre bei den Sternsingern dabei (v.l.): Stina Domesle, Lotta Januth und Marvin Lotz.

Hiilfsaktion

Corona-konformer Segen

In diesen Tagen sind in einigen Kommunen die Sternsinger unterweg, in anderen wird wegen der Pandemie darauf verzichtet. Drei Jugendliche erklären, warum sie gerne mitmachen.

Kreis Gießen. »Wie schön, endlich wieder Kindergesang zu hören«, freut sich eine Frau in Buseck, als die Sternsinger vor ihrer Tür stehen. Während im vergangenen Jahr das traditionelle Dreikönigssingen ausfallen musste, ziehen in einigen Gemeinden in Stadt und Landkreis als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidete Kinder und Jugendliche wieder von Haus zu Haus. Corona-konform, versteht sich. Die Hilfsaktion des Kindermissionswerkes steht unter dem Motto »Gesund werden - gesund bleiben. Ein Kinderrecht weltweit!« Der Fokus liegt dabei auf der gesundheitlichen Lage afrikanischer Kinder.

»Wir gehen weder in die Häuser, noch betreten wir Wohnblocks«, sagt Gertrud Borgmann, die gemeinsam mit Wolfgang Wallraf und Pfarrer Lukasz Szafera für das Dreikönigssingen der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien Großen-Buseck verantwortlich zeichnet. Für die Sternsinger, die seit Montag nach Weihnachten unterwegs sind, beginnt der Tag stets mit einem Coronatest. Erst dann ziehen sie ihre Kostüme an und machen sich auf den Weg.

In 13 Orten unterwegs

»Zwischen zehn bis 20 Kinder sind täglich dabei«, sagt Gertrud Borgmann. 13 Orte in Buseck und Reiskirchen sowie Rödgen gehören zu St. Marien. Zu viele, um mit weniger Leuten als vor der Pandemie überall persönlich vorbeizuschauen. »Wir waren erst in Alten-Buseck, dann in Großen-Buseck und werden versuchen, auch Rödgen abzudecken.« Eine eigene Gruppe sei in Lindenstruth gewesen. In allen anderen Dörfern gibt es Segenswünsche via Briefkasten. Besonders viele Kilometer hat Lukas Pridal zurückgelegt. »In drei Tagen hat er alle Straßen in Bersrod, Oppenrod, Burkhardsfelden und Saasen mit Segenswünschen versorgt«, lobt Gertrud Borgmann.

Das Mittagessen für die fleißigen Sternsinger wird jeden Tag von einem anderen Gemeindemitglied zubereitet und ins Franziskushaus gebracht. Die Spendenbereitschaft sei bisher ähnlich groß wie 2021 , als rund 19 000 Euro zusammenkamen. »Die Leute, die aufmachen, freuen sich auch, uns zu sehen«, berichtet sie.

Seit 27. Dezember sind auch die Sternsinger der katholischen Kirchengemeinde St. Raphael in Wißmar unterwegs. Allerdings schauen sie nur bei Haushalten vorbei, die sich zuvor angemeldet haben. »Wenn keiner zuhause ist, werden die Segensbriefe eingeworfen«, erklärt Pfarrsekretärin Anita Wagner. Außerdem können Segensaufkleber im Pfarrbüro abgeholt werden. Auch bei der katholischen Pfarrei St. Anna in Biebertal ist eine vorherige Anmeldung nötig, um die Heiligen drei Könige zu sehen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren findet in Linden eine ökumenische Sternsingeraktion der katholischen Christkönigspfarrei gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Großen-Linden statt. Anzutreffen sind die Sternsinger am 9. Januar nach dem Gottesdienst vor der evangelischen Kirche. Neu hingegen ist ein »Sternsinger Auto-Drive-In« am kommenden Sonntag ab 12 Uhr auf dem Rewe-Parkplatz in Großen-Linden. Hier wird am ersten Stopp gesungen, am zweiten erhalten die Besucher den Segen und am dritten können Spenden abgegeben werden. Diese Aktion solle die Hausbesuche ersetzen.

»Nach reiflicher Überlegung haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, nicht mit den Sternsingerkindern loszuziehen, da viele unter zwölf Jahren noch nicht geimpft sind«, heißt es auf der Homepage der Pfarrei Hl. Kreuz Grünberg. Aus diesem Grund gibt es wieder eine Segensbriefaktion mit vorheriger Anmeldung.

Am kommenden Wochenende ist jeweils eine Sternsinger-Gruppe in den Gottesdiensten in Laubach und in Grünberg dabei. Die Gottesdienste werden auf YouTube übertragen. Spenden können entweder in den Pfarrbüros oder in den Gottesdiensten abgegeben werden.

Gesegnete Kreide erhältlich

»Es wäre ein falsches Signal, mit den Sternsingern von Tür zu Tür zu gehen«, sagt Markus Müller, Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus Londorf. Stattdessen verteilt ein Team von Gruppenleitern rund 750 Briefe inklusive Segensaufkleber, Flyer, Grußschreiben der Pfarrei und Spendentütchen. Darüber hinaus werden Segensaufkleber sowie gesegnete Kreide, um den Wunsch »C+M+B« (Christus Mansionem Benedicat) selbst an die Tür zu schreiben, an drei Tagen im Pfarrhof ausgeteilt. »Auf Wunsch bringen wir den Segenswunsch aber auch persönlich an«, betont der Diakon.

Auch die vier katholischen Pfarreien St. Bonifatius, St. Albertus und Thomas Morus in Gießen sowie Maria Frieden in Heuchelheim haben sich gegen eine Entsendung der Sternsinger entschieden. Nach dem gestrigen Dreikönigs-Gottesdienst haben die Kinder vor den jeweiligen Kirchen gesungen. Auf Anmeldung werfen Kinder der St. Albertus-Pfarrei - als Sternsinger erkennbar - Zettel in die Briefkästen. Auch in den Pfarreien Maria Frieden und Thomas Morus wird der Segensbrief nach vorheriger Anmeldung eingeworfen oder ist in der Kirche erhältlich.

»Um Irritationen vorzubeugen, sind die Kinder bei uns in Alltagskleidung unterwegs«, betont Ansgar Dorenkamp. In St. Bonifatius hingegen konnten die Briefe nur abgeholt werden. »Der Frust bei den Kindern, wieder nicht laufen zu können, war groß«, weiß Gisela Zimmermann. Sie fürchtet, immer mehr Sternsinger zu verlieren.

»Die Sternsinger - die größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder - ist und bleibt auch in Corona-Zeiten toll«, fasst Simon Krost, Kaplan des Pfarreiverbandes Gießen, zusammen. 2021 sei die Spendenbereitschaft sehr hoch gewesen. »Wir hatten sogar etwas mehr Spenden als 2019«, sagt Ansgar Dorenkamp. Gisela Zimmermann und Christina Neumann (St. Albertus) bestätigen dies. Gisela Zimmermann findet es »interessant, wie viele Menschen auch in der heutigen Zeit noch Wert auf den Segenswunsch legen.«

Drei der Busecker Sternsinger sind schon lange dabei, laufen zusammen und nennen sich »Die Originals«: Marvin Lotz (14 Jahre): »Vor zehn Jahren war ich zusammen mit einer Freundin erstmals dabei. Ihr hat es nicht gefallen, ich bin geblieben. Ich finde es schön, etwas Gutes für Menschen zu tun. Viele sind so gerührt, dass sie Tränen in den Augen haben. Wenn zu wenige Könige da sind, verkleide ich mich auch, ansonsten gehe ich mittlerweile als Begleiter mit.«

Stina Domesle (zwölf Jahre): »Durch meine Schwester bin ich vor neun Jahren zu den Sternsingern gekommen. Vor Corona waren wir oftmals 40 Kinder und haben manchmal schon um 6.30 Uhr angefangen. Es macht einfach Spaß, mit dieser Aktion Kindern in aller Welt zu helfen. Außerdem freuen sich die Menschen über den Segen. Viele hoffen, dass sie damit älter werden. Leider gibt es auch immer mehr Leute, die kein Interesse an uns haben. Ein alter Mann hat uns mal gefragt: ›Was seid ihr denn für Gestalten?‹«

Lotta Januth (zwölf Jahre): »Mein Bruder war bei den Sternsingern, als ich vor neun Jahren das erste Mal mitgelaufen bin. Anfangs war ich recht schnell müde und habe mittags bereits aufgehört. Durch das Dreikönigssingen habe ich meine Angst vor Hunden verloren. In der Schlossstraße wohnt ein netter Mann, der uns immer mit seinem Hund spielen lässt.«

Katholische Kirchengemeinde Grünberg/Mücke: DE12 5135 1526 0000 0060 98, Verwendungszweck: Sternsinger 2022

Katholische Kirchengemeinde Laubach: DE79 5135 2227 0000 0171 03, Verwendungszweck: Sternsinger 2022

Sternsingerkonto Katholische Pfarrgemeinde Sankt Marien Großen Buseck: DE90 5135 0025 0246 0184 45

Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus: DE11 5135 1526 0001 0220 94, Verwendungszweck: Sternsingen 22

Katholische Kirchengemeinde Maria Frieden: DE61 5136 1021 0000 101494, Verwendungszweck: Sternsinger 2022

Pfarrgemeinde St. Albertus: DE97 5135 0025 0227 0007 90, Verwendungszweck: Sternsinger

Pfarrgemeinde St. Bonifatius: DE68 5135 0025 0222 0091 10, Verwendungszweck: Sternsinger

Katholische Pfarrei St. Anna Biebertal: DE52 5139 0000 0011 6433 10, Stichwort: Spende Sternsinger

Das könnte Sie auch interessieren