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Das Lachen wiedergefunden

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Ali Naveed ist mehr als erleichtert, er darf vorerst in Deutschland bleiben. © Schmitt

Pfleger Ali Naveed, der in Lollar arbeitet, erhält nach seiner drohenden Abschiebung nun doch eine weitere Duldung. Er hat sein Lachen wiedergefunden.

Kreis Gießen. Die Tür geht auf, der junge Mann tritt ein - und strahlt über das ganze Gesicht. Und man denkt bei sich: Das ist ja ein ganz anderer Mensch. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an Ali Naveed, dem noch vor wenigen Wochen die Abschiebung nach Pakistan drohte (der Anzeiger berichtete).

Vor Kurzem kam die gute Nachricht, er kann vorerst bleiben, hat eine Beschäftigungsduldung bis zum Oktober 2024. Jetzt kann er erst einmal aufatmen, kann die Angst vergessen. Die Angst, die sein ständiger Begleiter in diesen Wochen zwischen Hoffen und Bangen war. Die Angst, dass man ihn von der Straße, aus seiner Wohnung einfach wegholt und in ein Flugzeug verfrachtet. Wirklich sicher hat er sich in dieser Zeit nur an der Arbeit gefühlt.

Die Wende

Ali Naveed lebt seit 2014 in Deutschland, hat sich integriert. Er ist seit 2018 im Seniorenheim am Grünen Weg in Lollar angestellt, wird von seiner Chefin Masorca Schmitt, seinen Kollegen und den Bewohnern gleichermaßen geschätzt. Sie alle bangten mit ihm, setzten sich für ihn ein, hofften, dass es nicht zur Abschiebung kommt.

Dann die Wende: Mitte April war es amtlich. »Ich war bei der Behörde und habe meine Beschäftigungsduldung überreicht bekommen.« Das Lächeln weicht ihm nicht aus dem Gesicht. Er ist froh, erleichtert, glücklich - und auch dankbar. Dankbar dafür, dass er in Masorca Schmitt und dem ganzen Team eine große Unterstützung erfahren hat. Renate Hofmüller, eine seiner Kolleginnen, begleitete ihn von Behörde zu Behörde, von Beratungsstelle zu Beratungsstelle, von Amtsstube zu Amtsstube. »Ich weiß gar nicht mehr, wo wir alles waren. Der Kampf musste ja weiter gekämpft werden.« Hofmüller erklärt, es sei ihr wichtig gewesen, Ali Naveed zu begleiten, »weil man ja nie wusste, was einen erwartet.« Gerade die Termine und Gespräche, in denen es um die Abschiebung ging, seien sehr schwer gewesen. Schwer auch deshalb, weil kaum nachvollziehbar war, warum jemand, der seit 2014 in Deutschland lebt, sich integriert hat, eine feste Anstellung hat und seinen Job in der Altenpflege liebt, einfach abgeschoben werden sollte. »Abschieben um der Statistik willen ist nicht richtig«, findet Hofmüller. »Es ist ein guter Beruf, er macht mir Spaß und es kommt von den Menschen hier so viel zurück«, so hatte Ali Naveed seinen Job beim ersten Gespräch mit dem Gießener Anzeiger beschrieben. Das gilt selbstverständlich noch: »Jetzt will ich hier weiter arbeiten. Die Zukunft sieht im Moment gut aus«. Dem 35-Jährigen ist eine große Last von den Schultern genommen, jetzt hofft er, dass die Duldung möglicherweise in eine Aufenthaltserlaubnis mündet. Sein Anwalt Jan Plischke hatte seinen Fall der Härtefallkommission vorgelegt. Hier sollten in erster Linie die Aspekte Integration und Naveeds Tätigkeit im pflegerischen Bereich geprüft werden. Wie lange es dauert, bis die Kommission eine Empfehlung ausspricht und diese dem Innenministerium vorlegt, konnte Plischke damals nicht sagen. Was nun die Kehrtwende eingeläutet hat - da kann er nur raten. Die zuständige Behörde, das Regierungspräsidium Gießen, habe mitgeteilt, dass sie die Ausländerbehörde angewiesen habe, die nun vorliegende Beschäftigungsduldung auszustellen.

In den Händen

Ali Naveed erklärte, er sei »richtig froh« gewesen, als er die Bescheinigung in den Händen gehalten habe. »Ich hatte viel Glück.« Kollegen, Bewohner - alle hätten sich gefreut. »Gott sei Dank bleibst du hier, wie schön«, habe er immer wieder gehört. Auch von seinem Vermieter, der behandele ihn wie einen Sohn.

»Wir sind froh, dass wir Erfolg hatten mit all unseren Bemühungen. Andere hatten nicht so viel Glück«, sagt Masorca Schmitt. Auch sie ist erleichtert und freut sich, dass sie einen Mitarbeiter behält, »der seinen Job liebt, der die Arbeit liebt, sich einsetzt und den die Bewohner ins Herz geschlossen haben«. Und noch eines gibt Schmitt zu bedenken: »Es geht hier nicht nur um einen Mitarbeiter, sondern auch um einen Menschen.«

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