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»Dem Frieden nachjagen«

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Gut gefüllt war der Marktplatz in Hungen bei der Mahnwache. © Schäfer

Hungener Kirchen, Vereine und Parteien zeigen mit einer Mahnwache Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.

Hungen (rrs). Der Angriff Putins auf die Ukraine hat weltweit für Entsetzen gesorgt, er zieht unter die 77 Jahre währende Friedenszeit in Europa einen drastischen und kaum zu fassenden Schlussstrich. Die Welt hat sich über Nacht geändert, nichts ist mehr so wie es vorher war. Der SPD-Ortsverein Hungen hatte deshalb am Dienstagabend zu einer Mahnwache auf dem Hungener Marktplatz aufgerufen, um den bedrohten Menschen in der Ukraine Solidarität und Mitgefühl zu zeigen. Im Dunkel des Abends hatten sich über 200 Hungener zur Mahnwache aufgemacht, sie trugen brennende Kerzen und standen schweigend in kleinen Gruppen zusammen. Mit so großem Zuspruch hatte wohl niemand gerechnet, aber es zeigt die Betroffenheit der Menschen und ihre Bestürzung über den furchtbaren, sinnlos vom Zaun gebrochenen Aggressor-Krieg in nächster Nähe. Nur zwei Flugstunden ist der Kriegsschauplatz mit Panzern, Raketen und Toten von uns entfernt, das sorgt für bleierne Angst und schürt die Sorge vor einem Dritten Weltkrieg.

Mitgetragen wurde die Initiative der SPD Hungen von allen demokratischen Parteien, Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften sowie von Vereinen.

Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Sabine Fellner von Feldegg eröffnete die Mahnwache: »Der grausame Krieg gegen die Ukraine hat die Corona-Pandemie von ihrem Spitzenplatz in den Medien weggefegt, stattdessen können wir im Live-Ticker die Kriegsereignisse verfolgen. In den deutschen Städten erheben die Menschen ihre Stimme gegen dieses Unrecht mit Demonstrationen, Mahnwachen und Friedensgebeten. Auch in Hungen sind die Bürger fassungslos, wütend, haben Angst, fühlen sich ohnmächtig und hilflos. Diejenigen, die Freunde und Bekannte in der Ukraine haben, trifft es besonders hart, denn sie bangen um deren Leben. Mit der Mahnwache wollen wir unsere Empfindungen miteinander verbinden«. Es gehe dabei nicht um parteipolitische Ausrichtungen, politische Schuldzuweisungen oder historische Fakten, sondern es gehe nur um das menschliche Leid, das dieser Krieg auslöst. Sie rief die Anwesenden zum Spenden oder auch zur persönlichen Hilfe auf.

Pfarrer Markus Kleinert erinnerte an den Spruch »Suche den Frieden und jage ihm nach« aus Psalm 34,15 und band die Gefühle der Menschen mit ein. »Ja, wir suchen Worte und Erklärungen für das furchtbare Geschehen in der Ukraine, aber wir finden beides nicht. Mir hilft in solchen Situationen immer die Zwiesprache mit Gott in einem Gebet«. Das folgende Gebet richtete er, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, an den Gott des Friedens. Er bat um Beistand, Kraft, Wege aus der Eskalation und Hoffnung auf Frieden für die Menschen in der Ukraine, Einsicht und Friedenswillen bei den Russen in den Friedensverhandlungen und dass Gott die Ohnmacht in Kraft für den Frieden wandele. »Wir sollten denen helfen, die unter dem Krieg leiden, selbst wenn es uns etwas oder auch viel kostet. Solidarität gibt es in diesem Fall keinesfalls umsonst.« Anschließend rief er zur Stille auf im Gedenken an die Menschen, um ihnen Energie und Licht zu senden. Mit dem jüdischen Friedenslied »Shalom chaverim«, im Kanon gesungen, endete die Mahnwache.

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