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Um die Spende persönlich vorbeizubringen, besuchte Stephanie Orlik (l.) das Jugend-Jugger-Team des TSV Albach und dessen Vereinsvorsitzenden Jürgen Krug (2.v.l.). Mit dem Training auf dem Sportplatz ist es aber jetzt erst einmal vorbei. In der kalten Jahreszeit trifft sich die Mannschaft in der Halle - wenn es die Corona-Regeln zulassen.

Der Jugg muss in das Mal

Fernwald (red). Zwei Mannschaften treten auf einem rechteckigen Feld mit gepolsterten Waffen gegeneinander an und versuchen, den Spielball in das Tor - genannt Mal - zu befördern - das ist Jugger. Etwa acht bis zehn Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren betreiben diese sehr kreative, aber noch weitgehend unbekannte Sportart beim TSV 1911 Albach und bestreiten unter dem Namen »Entsetzlinge« Wettkämpfe.

Dafür brauchen sie selbstverständlich die richtige Ausstattung. Die Stadtwerke Gießen (SWG) haben diese im Rahmen ihrer Aktion »Spiel‹ Dein Spiel« ergänzt. »Wir freuen uns sehr über die zwölf neuen Trikots, die beiden neuen Male und den Jugg«, erklärt Jürgen Krug, der Vorsitzende des TSV Albach. Die Spende hat laut Pressemitteilung einen Wert von 600 Euro.

Australischer Spielfilm

Jugg? So heißt das Spielgerät, das es in das gegnerische Mal zu bringen gilt und das einen Hinweis auf die Herkunft der Sportart gibt: den Endzeit-Film »Die Jugger - Kampf der Besten« aus dem Jahr 1989. In der australischen Produktion spielen umherziehende Gangs in Wettkämpfen um ihren Lebensunterhalt und zur Belustigung der Eliten - ähnlich den Gladiatoren im antiken Rom. Was sich zunächst gefährlich anhört. Aber: »Es gibt zwar ab und zu kleine Blessuren, Verletzungen sind dennoch die Ausnahme«, beruhigt Jürgen Krug.

Und so funktioniert Jugger: Auf einem 40 mal 20 Meter großen Feld mit abgeschrägten Ecken stehen sich zwei Fünfer-Teams gegenüber. Ihr Ziel ist, den Jugg so oft wie möglich im gegnerischen Mal abzulegen, was einen Punkt bringt. Dabei sind vier Spieler pro Mannschaft mit unterschiedlichen, aber immer gut gepolsterten Waffen, ausgerüstet. In Zweikämpfen versuchen sie, die Gegner mit ihnen zu berühren und damit vorübergehend aus dem Spiel zu nehmen. »Wer getroffen wird, muss für fünf oder acht Sekunden erstarren und darf nicht am Spielgeschehen teilnehmen«, erklärt Krug. Wie lange die Zwangspausen ausfallen, hängt von der eingesetzten Waffe ab.

Aber egal, für welchen Zeitraum die Spieler aussetzen: Grundsätzlich schaffen sie Freiräume für den fünften Mitspieler, den Läufer. Seine Aufgabe ist es, den Jugg zu erobern, ins Mal zu stecken und so Punkte zu erzielen. Das setzt Agilität und Übersicht voraus. Ohne jede eigene Verteidigung ist er auf sein Team angewiesen, weil die Gegner auch ihn attackieren dürfen, um an den Spielball aus Latex und Schaumstoff zu kommen und ihrerseits zu punkten. Eine weitere Besonderheit von Jugger ist die Zusammensetzung der Mannschaften. Sie sind nicht nach Geschlechtern getrennt.

Um den Umgang mit den unterschiedlichen Schaumstoffwaffen zu lernen und zu üben, treffen sich die »Entsetzlinge« in den Wintermonaten jeden Mittwoch ab 18 Uhr in der Sporthalle. In ihrem wöchentlichen Training feilen sie unter Anleitung von Viviane Ringelsteter, Katharina Richter und Rudolf Münder an ihrer Technik und an der Strategie. Dabei kommen natürlich auch die neuen Materialien zum Einsatz. »Wir sind froh, mit dem TSV Albach einen Verein zu unterstützen, der neue Wege geht, um Kindern und Jugendlichen attraktive Bewegungsangebote zu machen«, begründet Stephanie Orlik, bei den SWG für das Sponsoring zuständig, die Entscheidung der Jury.

Die Jugger-Abteilung gibt es in Albach seit 2017. Seinerzeit schlossen sich die 2014 gegründeten »Lahnveilchen Gießen« dem Verein an. Und schon ein Jahr später wurde der Fernwalder Ortsteil der Mittelpunkt der hessischen Jugger-Szene: 2018 und 2019 richtete der TSV Albach die zehnte und die elfte hessische Meisterschaft aus.

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