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Dichterfürst kehrt zurück

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Hoher Besuch: Goethe und Lotte in Volpertshausen. Foto: Weil © Weil

Hüttenberg (jowe). Hufgetrappel hallte am Samstag durch die Gassen in Volpertshausen. An sich ist das in so einem kleinen Ort nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich waren eher die beiden Gäste, die hinten auf der Kutsche saßen und da entlangritten. 250 Jahre nach dem Besuch im Ballsaal des Jagdhauses, der durch Goethe in seinen »Leiden des jungen Werthers« zu Weltliteratur wurde, hatten sich beide noch einmal auf den Weg nach Hüttenberg gemacht:

Gemeinsam mit seiner Lotte, um in Erinnerungen an damals zu schwelgen. Auf der Bühne hinter dem Goethehaus schilderten Theresa Gehring (Lotte) und Sven Bühler (Goethe) dann mit ihrem eigenen Charme und aus ihrer jeweiligen Sichtweise, wie sich das erste Treffen vor 250 Jahren zugetragen hat. Goethe war nach Wetzlar zur Ausbildung ans Reichskammergericht gekommen und am Abend des 9. Juni verliebte er sich in Charlotte. Aber es war nicht der einzige Höhepunkt, den der Heimatkundliche Verein mit Werner Ludwig als Vorsitzendem und einem großen Tross an Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt hatte.

Auftritte hatten noch die Volkstanzgruppe Kraftsolms und die Kindertanzgruppe »Tanzraum« Hüttenberg. Auch der örtliche Gesangverein »Germania« Volpertshausen ließ es sich - trotz einiger krankheitsbedingter Ausfälle - nicht nehmen, unter der Leitung von Simone Faude mitzuwirken und einige Wein-Lieder zum Besten zu geben. Die vielen Gäste hatten es sich bei bestem Wetter im Hinterhof des Goethehauses gemütlich gemacht.

Werner Ludwig, der durch die Veranstaltung führte, konnte als Goethe-Kenner auch einige Anekdoten rund um den Dichterfürsten erzählen. So soll aus Goethes Mund der Satz stammen: »Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.« Die Weinkultur Hüttenberg sorgte für ein reichhaltiges Angebot an Rebensaft.

Im Laufe des Tages traten dann auch noch die »Bousseldande« mit ihrem Mundart-Kabarett, Harald Frimmel sowie Alisa Martin auf, die mit etlichen aktuellen Cover-Songs aufwarteten.

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des 300. Geburtstages des ehemaligen Jagdhauses in der Rheinfelser Straße. Vor 300 Jahren hatte Landgraf Carl-August von Nassau-Weilburg das Haus erbaut, das als repräsentatives Jagdhaus gedacht war, in dem sich gräfliche Gesellschaften wohlfühlen sollten. Der Tag begann um 11 Uhr mit einem Gottesdienst.

Später gab Werner Ludwig einen Einblick in die Bau- und Nutzungsgeschichte des Hauses. Der Heimat- und Musikverein Rechtenbach, die Jagdhornbläser aus Wetzlar, die Musikschule Martin aus Hüttenberg und die Volkstanzgruppe Kraftsolms gestalteten das Jubiläum mit.

Auch an die Kinder hatte der Verein gedacht, gab es doch eine Zauberschau. Zudem gab es eine Wildpräparate- und Trophäen-Schau sowie eine Bilderausstellung zum Thema Jagd. Passend zum Thema Jagd wurden die Besucherinnen und Besucher mit Wildschweingulasch und Rollbraten, aber auch mit Hüttenberger Handkäse kulinarisch versorgt.

Interessenten konnten sich natürlich auch bei einem Rundgang durchs Heimatmuseum samt Ballsaal kundig machen. Wer die Tafeln dort genau studiert hatte, hatte gute Chancen bei den beiden Gewinnspielen. Der Heimatkundliche Verein hatte das Haus 1992 übernommen. Darin können die Besucher die Geschichte der historischen Landwirtschaft entdecken, etwas über die Handkäse-Produktion und den Schulunterricht vor etlichen Jahrzehnten erfahren - oder eben den Ballsaal bestaunen, von dem Goethe und Lotte so eindrucksvoll erzählten.

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