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Die große Zählung

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Der Zensus, besser bekannt als Volkszählung wird ab Mitte Mai bis Ende August in diesem Jahr in den 18 Kommunen des Kreisgebietes mit ausgesuchten Personen durchgeführt. Symbolfoto: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2022 © Red

Der letzte Zensus, besser bekannt als Volkszählung, fand 2011 statt. In diesem Jahr wird er wieder durchgeführt. Alleine im Landkreis Gießen sind mehr als 26 000 Menschen auskunftspflichtig.

Kreis Gießen . Alle zehn Jahre führen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder den sogenannten Zensus durch. Zuletzt fand dieser 2011 statt und hätte deshalb eigentlich bereits im vergangenen Jahr durchgeführt werden sollen, doch die Corona-Pandemie machte dem Zensus, der besser bekannt als Volkszählung ist, einen Strich durch die Rechnung. Dementsprechend wird er in diesem Jahr nachgeholt. Auch im Landkreis Gießen sind die Menschen von Mitte Mai bis August aufgerufen an der Bevölkerungszählung mitzumachen, sei es als Befragte oder als Befragende.

Doch was hat es genau mit dem Zensus auf sich, was wird damit ermittelt? Das weiß Lena-Johanna Schmidt, Leiterin der Zensus-Erhebungsstelle im Landkreis Gießen, erklärt: »Mit dem Zensus wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Mit Hilfe der ermittelten Zahlen kann dann zum Beispiel geplant werden, wie viele Kita- oder Pflegeheimplätze in Zukunft benötigt werden.«

Befragte werden per Zufall ermittelt

Insgesamt werden im Landkreis Gießen voraussichtlich 26 008 Auskunftspflichtige in privaten Haushalten (5247 Anschriften) und 1784 Auskunftspflichtige an Sonderbereichen wie Gemeinschaftsunterkünfte und Wohnheimen (86 Anschriften) befragt, das entspricht in etwa zehn Prozent der Bevölkerung. »In Gemeinschaftsunterkünften wie Justizvollzugsanstalten oder Pflegeheimen ist die Einrichtungsleitung stellvertretend für die dort wohnenden Personen auskunftspflichtig«, ergänzt Schmidt. Ausgewählt werden die Befragten nach einem mathematischen Zufallsverfahren aus den Daten der Melderegister. Bereits vorliegende Informationen aus dem Melderegister werden dabei im Vorfeld so umfassend wie möglich ausgewertet. Merkmale zur Erwerbstätigkeit oder zum Bildungsstand sind dort allerdings nicht erfasst. »Diese werden in der Befragung im Rahmen des Zensus ermittelt«, erklärt die Erhebungsstellen-Leiterin. Ein weiterer Grund für die Befragung im Rahmen des Zensus ist, dass kontrolliert werden kann ob die Daten in den Melderegistern korrekt sind oder teilweise unvollständig und nicht mehr aktuell sind.

»Allein auf Basis der Melderegister kann daher zum jetzigen Zeitpunkt noch keine präzise Bevölkerungszahl ermittelt werden«, betont Schmidt.

Sie freut sich, zusammen mit ihrer Kollegin Katharina Hinzel, die ebenso bei der Erhebungsstelle des Kreises mitarbeitet, einen Teil der groß angelegten, deutschlandweiten Aktion koordinieren zu dürfen. Doch nicht nur Befragte werden benötigt, sondern um die Erhebung durchzuführen, benötigt der Landkreis Gießen etwa 175 ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte.

Freiwillige gesucht

Die Erhebungsstelle der Stadt Gießen, denn dort gibt es eine eigene, sucht zusätzlich rund 60 Menschen, die bereit sind, im Sommer Befragungen an der Haustür zu übernehmen. »Interessierte können sich ab sofort bei uns melden«, erklärt Manfred Kornemann, Leiter der Zensus-Erhebungsstelle der Stadt Gießen. »Wer zum Zensusstichtag am 15. Mai volljährig ist, kann mitmachen, wenn man zudem zuverlässig, verschwiegen und freundlich ist, gerne und gut kommunizieren kann - auf Deutsch und gern auch in anderen Sprachen. Zeitliche Flexibilität und Mobilität sollte ebenfalls vorhanden sein.«

Als Erhebungsbeauftragter bekommt man durchschnittlich 150 Personen zugewiesen, die befragt werden müssen. Der Erhebungsbezirk ist dabei nicht die eigene Wohnumgebung, sondern etwa ein anderer Stadtteil oder eine umliegende Gemeinde. Dort besuchen die Erhebungsbeauftragten die für den Zensus 2022 ausgewählten Haushalte. Sie vereinbaren einen Termin mit den auskunftspflichtigen Personen und besuchen diese am ausgemachten Termin, um eine erste kurze Befragung durchzuführen und die benötigten Unterlagen für die zweite Befragung zu übergeben.

Der Begriff »auskunftspflichtige Personen« weist im übrigen bereits darauf hin, dass die ausgewählten Personen verpflichtet sind, an der Zensusbefragung teilzunehmen und sie die Auskunft zum Zensus nicht verweigern können.

»Erteilen Auskunftspflichtige keine, keine vollständige, keine richtige oder nicht rechtzeitig Auskunft, wird ein Mahnverfahren eingeleitet. Dies kann bis zur Festsetzung von Zwangsgeldern führen«, erklärt Schmidt. So drohen Verweigerern eine Strafe in Höhe von bis zu 300 Euro.

Ausgewählte Personen können an der Befragung auch erstmals online teilnehmen. Für den diesjährigen Zensus gilt sogar das Prinzip »online first«.Das bedeutet, dass die auskunftspflichtigen Personen dazu angehalten sind, den Großteil der Fragen in einem Online-Fragebogen zu beantworten. Der Online-Fragebogen wird auf der Website des Zensus (www.zensus2022.de) zur Verfügung gestellt und kann mittels Computer sowie Smartphone oder Tablet ausgefüllt werden. Der Fragebogen ist in verschiedenen Sprachen sowie in leichter Sprache und Gebärdensprache verfügbar und ist Screen-Reader-fähig. »Die Zugangsdaten für den Online-Fragebogen werden den Auskunftspflichtigen im Anschluss an ein kurzes persönliches Interview übergeben«, weiß die Leiterin der Erhebungsstelle.

Menschen, denen es nicht möglich ist, den Fragebogen online auszufüllen, bestehen folgende Alternativen: In Ausnahmefällen kann der Bogen in Papierform im Anschluss an das kurze persönliche Interview gemeinsam mit dem Erhebungsbeauftragten erfolgen. Zudem besteht die Möglichkeit, den Papierfragebogen selbstständig auszufüllen und per Post in einem durch die/den Erhebungsbeauftragten ausgegebenen frankierten Rücksendeumschlag an die Erhebungsstelle zu versenden.

Die ehrenamtlichen Erhebnungsbeauftragten bleiben für ihre Tätigkeit im übrigen nicht unbezahlt. Sie erhalten für ihre Tätigkeit eine steuerfreie Aufwandsentschädigung, die sich nach der Anzahl der tatsächlich befragten Haushalte richtet. Sie wird voraussichtlich zwischen 1200 und 1600 Euro liegen.

Bereits im Vorfeld werden die Freiwilligen speziell geschult. Katharina Hitzel, die bei der Erhebungsstelle des Kreises mitarbeitet, erklärt: »Zur Vorbereitung auf die wichtige Aufgabe wird im Frühjahr eine Schulung der Erhebungsbeauftragten stattfinden. Die Befragungen beginnen ab Mai und enden im August 2022. Innerhalb dieses Zeitraumes können die Befragungstermine frei eingeteilt werden.«

Sowohl Stadt als auch Landkreis Gießen bitten bei Interesse als Erhebungsbeauftragter um Online-Meldung. Der Meldebogen sowie viele weitere Informationen sind ab sofort im Internet auf der Startseite des Landkreises( www.lkgi.de) oder unter www. giessen.de/zensus-2022 hinterlegt. Bei Fragen helfen die Leiterin den Erhebungsstellen gern weiter: Lena-Johanna Schmidt (zuständig für Kreis Gießen): Telefon: 0641 9390-1022, E-Mail: zensus@lkgi.de. Manfred Kornemann (zuständig für Stadt Gießen): 0641 306-1043, E-Mail: zensus2022@giessen.de.

Die erste Volkszählung fand im heutigen Deutschland 1816 im Königreich Preußen statt. Zwischen 1834 und 1867 führte der Deutsche Zollverein regelmäßig alle drei Jahre Volkszählungen in den Mitgliedsländern durch.

Im Deutschen Reich fanden Zählungen 1871, 1875 und danach alle fünf Jahre statt. Die letzte Zählung vor dem Ersten Weltkrieg fand am 1. Dezember 1910 statt. Danach wurde nur noch in unregelmäßigen Abständen gezählt. Die Zählungen von 1933 und 1939 während der Zeit des Nationalsozialismus waren gleichzeitig Volks-, Berufs- und Betriebszählungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Dezember 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone, im Januar 1946 in der Französischen Besatzungszone und im Oktober 1946 in allen vier Besatzungszonen Deutschlands unter Verantwortung der Besatzungsmächte Volks- und Berufszählungen durchgeführt. In der DDR erfolgten die Zählungen von 1950 und 1964 als Volks- und Berufszählungen. Die in der Bundesrepublik Deutschland 1950 und 1987 durchgeführten Zählungen waren gleichzeitig Volks-, Berufs-, Gebäude-, Wohnungs- und Arbeitsstättenzählungen, die Zählungen von 1961 und 1970 erfolgten als Volks-, Berufs- und Arbeitsstättenzählungen.

Die ursprünglich für 1991 in der Bundesrepublik und der DDR geplanten Volkszählungen wurden nicht mehr durchgeführt. So fand nach 1987 in der Bundesrepublik erst 2011 wieder eine Volkszählung statt, trotz der Wiedervereinigung von 1990, mit der etwa 16 Millionen weitere Bürger mit anderen infrastrukturellen Voraussetzungen zum Staatsgebiet hinzukamen. (Wikipedia)

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Lena-Johanna Schmidt (l.) und Katharina Hitzel betreuen als Leiterinnen die Zensus-Erhebungsstelle des Landkreises Gießen. © Landkreis Gießen

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