1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Die Masken sind gefallen

Erstellt:

gikrei_0903_maske_vb_090_4c
Die Maskenpflicht am Sitzplatz ist am Montag für die hessischen Schulen aufgehoben worden. Vom Anzeiger befragte Schulleiter finden dies teilweise kritisch. Symbolfoto:dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Dass die Maskenpflicht am Platz in den Schulen seit Montag nicht mehr gilt, wird von manchen Schulleitern kritisch gesehen.

Kreis Gießen. (paz). Die Maskenpflicht am Platz im Klassenraum ist seit Montag für Schüler aller Jahrgänge aufgehoben. Mit dieser Entscheidung wolle er den Schülern »ein Stück Freiheit« zurückgeben, erklärte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die Omikron-Welle sei gebrochen, die Infektions- und Quarantänezahlen in Schulen deutlich gesunken, heißt es in einer Pressemitteilung des Hessischen Kultusministeriums. Der Anzeiger befragte dazu mehrere Leiter großer Schulen im Landkreis. Die Entscheidung wird teilweise kritisch gesehen.

Seit Beginn des Jahres wurden in Hessens Schulen den Angaben zufolge wöchentlich im Durchschnitt mehr als 2,1 Millionen Antigen-Selbsttests auf das Coronavirus von den Schülern durchgeführt. Dabei erreichte die Quote positiver Tests mit 0,65 Prozent (14 500 Tests) Anfang Februar ihren Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich rund 27 500 Kinder und Jugendliche in Quarantäne befunden.

Seitdem sei die Quote positiver Antigen-Selbsttests auf 0,28 Prozent gesunken, die Zahl der in Quarantäne befindlicher Schüler verringerte sich im selben Zeitraum auf 7800 Kinder und Jugendliche. Wer möchte, dürfe weiterhin seine Maske tragen, betonte Lotz. Die Testpflicht für nicht geimpfte Schüler bleibt aber bestehen.

Schutzbedürfnis stark ausgeprägt

»Wir wären gerne weiter vorsichtig geblieben«, sagt Jörg Keller. Zumindest bis zu den Osterferien hätte sich der Leiter der Theo-Koch-Schule in Grünberg eine Beibehaltung der Maskenpflicht am Platz gewünscht. Auch das Kollegium würde dies in Anbetracht wieder ansteigender Zahlen so sehen. Erst in der vergangenen Woche seien drei Lehrkräfte positiv getestet worden.

Vor allem bei Schülern des Jahrgangs 13 sei das Schutzbedürfnis im Hinblick auf das Abitur stark ausgeprägt. »Während man zu Beginn der Pandemie immer mal wieder an die Masken erinnern musste, haben sie mittlerweile eine große Akzeptanz innerhalb der Schülerschaft«, weiß der Schulleiter. Einige Schüler wollten sogar während des Sportunterrichts die Masken aufbehalten.

Auch geimpfte Schüler werden an der Theo-Koch-Schule dazu ermuntert, an den Corona-Tests teilzunehmen. »Aktuell sind allerdings die Ängste, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden, weitaus schlimmer«, erklärt Jörg Keller.

»Wir haben das tiefe Tal durchschritten. Aktuell werden bei uns im Schnitt nur noch zwischen ein und drei Schüler pro Tag positiv getestet, Ende Januar waren es noch 25 bis 30«, berichtet Andrej Keller, Leiter der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar. Unter diesen Umständen findet er die Aufhebung der Maskenpflicht am Platz sinnvoll.

»Masken stellen einen Eingriff in die persönlichen Grundrechte dar. Sie behindern den Unterricht und die Kommunikation«, betont er. Die Impfquote von Schülern und Lehrern läge bei fast 100 Prozent. Wer sich allerdings in der Schule unsicher fühle, könne gerne auch am Platz seine Maske aufbehalten.

»Es war an der Zeit«

»Es war auch langsam mal an der Zeit. Sowohl Kollegium als auch Schülerschaft haben diese Entscheidung begrüßt«, freut sich der Leiter der Anna-Freud-Schule in Lich, Rainer Berk. Da kaum noch positive Testungen vorlägen, sei der Wegfall der Masken im Unterricht sinnvoll. »Schulen sind keine Hotspots«, stellt er klar.

»Da bei uns in der Qualifikationsphase, also der zwölften und 13. Klasse , jahrgangsübergreifend unterrichtet wird, und hier fünf Schüler positiv getestet wurden, empfehlen wir, auch im Unterricht weiter die Maske zu tragen«, betont Ellen Reuther, Leiterin des Laubach-Kollegs. Obwohl in der Einführungs-Phase (elfte Klasse) die Maske am Platz abgenommen werden dürfte, würden einige Schüler diese aus Sicherheitsgründen auflassen. »Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt halte ich für ungünstig. Man hätte damit bis nach den Osterferien warten können.«

Das sieht auch Anke Limper, Leiterin der Mittelpunkt-Grundschule in Hungen so. »Einerseits freuen wir uns, andererseits bedeutet das Tragen einer Maske ein stückweit mehr Sicherheit.« Bisher habe sie nicht den Eindruck gehabt, dass die Kinder unter dem Masketragen leiden. »Wir werden nun sehen, ob es die richtige Entscheidung war.« Aktuell habe die Schule fast täglich einen neuen positiven Fall.

»Die Kinder beurteilen das Weglassen der Maske im Unterricht positiv, die Lehrkräfte haben da eher Bedenken«, erklärt der stellvertretende Leiter der Kirschbergschule in Reiskirchen, Florian Bäuchl. »Ich sehe diese Entscheidung kritisch, zumal bei uns die positiven Fälle in den vergangenen Wochen mit etwa ein bis zwei Kindern pro Tag gleichgeblieben sind.«

»Wir vom Kreisschülerrat begrüßen die Aufhebung der Maskenpflicht«, erklärt Christoph Bonarius. Im Hinblick auf die Zahlen sei diese Entscheidung durchaus vertretbar. »Wenn die Inzidenz steigt, kann man die Pflicht wieder einführen«, betont der Kreisschülersprecher. Die meisten seiner Mitschüler hätten die Maske abgenommen. Auffällig sei, dass mit zunehmendem Alter die Bereitschaft, die Maske im Unterricht wegzulassen, steige. »Bei zehn Stunden Unterricht ist das eine große Erleichterung«, weiß der Zwölftklässler aus eigener Erfahrung. Eine Ausnahme seien die Abiturienten. Hier gebe es Absprachen der einzelnen Kurse, aus Sicherheitsgründen die Masken aufzubehalten.

Auch interessant