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Die Nachwehen des Gnadenhofs

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Die beiden Hunde »Maddox« und »Perle« waren bis gestern auf dem Gnadenhof Laubach auf sich alleine gestellt. © Leyendecker

Laubach (fley). Am Mittwochabend ereilte ein Hilferuf die Facebook-Gruppe der »Tieroase Heuchelheim«, eine der größten Gruppen für Tiervermittlung im Landkreis. Es handele sich um einen »Notfall« und es gehe um Tiere des ehemaligen Gnadenhofs »Felloase« in Laubach, betonte Michael Schmidt in seinem Statement. Schmidt ist der ehemalige Gnadenhof nicht unbekannt, war er doch eine Zeit lang zweiter Vorsitzender des Vereins »Gnadenhof Felloase e.

V.«.

Er berichtete von verwahrlosten Tieren, die auf dem Hof noch immer gehalten werden. Genauer geht es um fünf Hunde und fünf Schafe und Ziegen, die sich noch immer auf dem Gelände vom ehemaligen Gnadenhof befänden. Die Hunde sind im Privatbesitz der ehemaligen Betreiber Bernd Seibert und Dunja Marcinkowski, zwei der Hunde wurden noch am Tag des Hilferufs durch das Ehepaar nach Gelsenkirchen vermittelt, die restlichen drei Hunde verblieben auf dem Hof.

»Die Ziegen konnten heute Abend noch gesichert und verbracht werden. Die fünf sind dort noch unterwegs gewesen und hatten auch keinerlei Versorgung«, schilderte Schmidt über den Zustand der Kamerunschafe und der Ziegen. In der Facebook-Gruppe bestätigte Tierärztin Nicole Schmidt, dass die Huftiere schon eine Weile auf sich alleingestellt gewesen sein mussten. »Am Zustand der Klauen erkennt man den Verwahrlosungszustand der Tiere«, bekräftigte die Veterinärmedizinerin.

Die Mitglieder der Gruppe zeigten sich fassungslos ob der Situation auf dem ehemaligen Gnadenhof und boten sofort ihre Unterstützung an. Viele fragten sich in den Kommentaren, ob denn nicht das Veterinäramt eingeschaltet gewesen sei und ob die Behörde untätig blieb.

Fest steht, dass das Amt schon länger über die Situation auf dem Hof informiert war und über den Zustand der Tiere zumindest teilweise Bescheid wusste. Vieles, so sagen es ehemalige Mitstreiter des Gnadenhofs, sei von den beiden Betreibern geschönt worden, als sich das Veterinäramt ankündigte. Das Amt selbst kam am Donnerstag zu einer Ortsbesichtigung und teilte auf Anfrage mit, dass keine Tiere mehr vor Ort seien.

»Das Veterinäramt hat heute umgehend eine Kontrolle vor Ort vorgenommen, um die Situation zu prüfen. Zum Zeitpunkt der Kontrolle waren keine Schafe und Ziegen mehr vor Ort. Die Tiere sind nach Kenntnis des Veterinäramts untergebracht und werden versorgt. Dies gilt ebenso für die Hunde«. Seibert dementierte auf Nachfrage, die Tiere verwahrlost zu haben. Sie seien regelmäßig gefüttert worden und ein Tierhalteverbot, wie viele behauptet hatten, gäbe es gegen ihn als Privatperson auch nicht. Für ihn sei es selbstverständlich, seine Hunde zu behalten, koste es, was es wolle. Er und seine Frau sind inzwischen nach Grünberg gezogen.

Erschütterung

Einige Dinge bleiben in der Nachschau noch festzuhalten. Es wurde in den vergangenen Monaten so dargestellt, dass der alte Vorstand mit der Situation völlig überfordert gewesen sei und sich nicht um den Hof gekümmert habe. Es lässt sich jetzt feststellen, dass dem alten Vorstand wie auch dem neuen keine Schuld daran zu geben ist, was den Niedergang des Gnadenhofs betrifft. Die Aufgabe, sich um die Tiere zu kümmern, oblag den beiden Betreibern, die vor Ort gewohnt haben und den Gnadenhof aufbauen wollten, obwohl sie mit der Situation und ihren finanziellen Mitteln keinerlei Möglichkeiten hatten, das zu bewerkstelligen. Die Tiere jetzt so zu sehen; abgemagert, verängstigt und schwach. Das sorgt sicher bei vielen für Erschütterung.

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