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Die Villa von »Fräulein Grün« in Hungen

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Die Villa Grün in Hungen ist zu einem wahren Schmuckkästchen geworden. Foto: Kächler © Kächler

Der »Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege« geht nach Hungen. Mit viel Einsatz wurde ein verfallenes Anwesen aus den 1920er Jahren saniert.

Kreis Gießen . Die Villa von »Fräulein Grün« kennt man in Hungen. Die Lehrerin unterrichtete unzählige Jahrgänge in der kleinen Residenzstadt und war eine echte Persönlichkeit. Nach ihrem Tod begann der langsame Verfall ihres Hauses in der Robert-Koch-Straße 11. Vor sieben Jahren machte Elke Jockel aus dem verfallenen Anwesen mit Hilfe von erfahrenen Architekten und Handwerkern ein wahres Schmuckstück. Jetzt wurde es mit dem »Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege« ausgezeichnet.

»Ich habe in der Nachbarschaft gewohnt, erzählt der Hungener Gerhard Jockel. »Auf dem Weg zum Friedhof bin ich mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau immer an dem Anwesen vorbeigekommen. Obwohl der Garten komplett verwildert war und das fast völlig zugewachsene Haus sich schon äußerlich in einem kritischen Zustand befand, hat sie sich in die kleine Villa verliebt.« So sei schließlich der Plan geschmiedet worden, das Haus zu erwerben.

»Unsere Bekannten haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Viele meinten gar, es käme nur ein Abriss infrage«, erinnert sich Elke Jockel.

Der Denkmalwert des Gebäudes konnte erst nach der Entfernung des dichten Bewuchses festgestellt werden: Seit seiner Erbauung im Jahr 1925 war fast nichts verändert worden: Fußböden, Treppen, Fenster, Klappläden, Türen und Schablonenmalereien im Inneren waren noch fast vollständig erhalten - vieles allerdings in einem desolaten Zustand.

Dennoch begannen 2014/15 die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude. Mit Berchtold Büxel aus Lich wurde ein renommierter Architekt für das Projekt gewonnen. »In der Tat waren die Arbeiten nicht ganz einfach«, erinnert sich Büxel. Durch die jahrelange Vernachlässigung waren schon erhebliche Schäden aufgetreten. Besonders aufwendig habe sich die Rekonstruktion der Holzveranda gestaltet, die ganz erheblich zum Charme des Gebäudes beitrage. Auch die Dachkonstruktion war schon an einigen Stellen verfault.

Ziel sei es gewesen, möglichst den historischen Zustand des Landhauses aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder herzustellen. Lediglich das Dachgeschoss habe man innen komplett neu ausgebaut. Wie Büxel lobt auch Jockel die gute Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde.

Nach einer Auszeichnung des Landes Hessen ist der zweite Platz beim »Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege« bereits die zweite Auszeichnung für Elke Jockel.

Sechs Denkmaleigentümer und 39 Handwerker aus Hessen wurden mit dem Bundespreis ausgezeichnet. Die Festrede bei der Preisverleihung auf Schloss Biebrich hielt Staatsministerin Angela Dorn. Der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks gestiftete Preis wird jährlich in zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. Die an den Restaurierungsmaßnahmen beteiligten Handwerksbetriebe werden mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Für die privaten Denkmaleigentümer ist der Bundespreis pro Bundesland mit jeweils 15 000 Euro dotiert.

In der Begründung zur Auszeichnung heißt es: »Bei der Kleinen Villa in Hungen wurden nicht nur der Bau und die umgebende Grünanlage wiederhergestellt, sondern auch eine Vielzahl von Details im Inneren. Nur noch selten zu findende historische Wandgestaltungen wurden in historischen Techniken gesichert. Sorgfältige und die Substanz schonende Lösungen in hoher handwerklicher Präzision schufen ein modernen Anforderungen an Komfort gerecht werdendes Kleinod. Für die Rettung dieses Denkmals des traditionellen Bauens der 1920er Jahre und ihr Engagement für den Denkmalschutz zeichnet die Jury Elke Jockel mit einem zweiten Preis aus.«

Am Bau beteiligt waren neben dem Architekten Berchtold Büxel (Lich) folgende Handwerker: Zimmermann Rainer Böckel (Nidda), die Dachdecker Richard Bender (Hungen) und Merz GmbH (Lautertal), die Bau- und Möbelschreinerei Karl-Heinz Merte (Gladenbach), die Holzwerkstatt Astrein (Gießen), Merkel Baugesundheit (Frankfurt am Main), Maler- und Stuckateur Thomas Weber (Nidda), Kröll Baugesellschaft (Hungen), Erhard Ruppel Fliesenverlegung (Nidda) sowie Gerüstbau Holger Merle und Walz Gebäudetechnik (beide Lich).

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In diesem erbärmlichen Zustand übernahm Elke Jockel das Haus in der Robert-Koch-Straße. Foto: Jockel © Jockel

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