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»Die Zahlen lassen sich sehen«

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Von: Imme Rieger

An die Träger von Leader- und Landes-Projekten im Kreis Gießen wurden zahlreiche Bewilligungsbescheide überreicht. Die geförderten Vorhaben betreffen die unterschiedlichsten Bereiche.

Kreis Gießen (imr). Bürgerschaftlicher Ideenreichtum und großes Engagement für die Region werden in der Leader-Region GießenerLand mit einem üppigen Geldsegen an Fördermitteln aus Europa, Bund und Land belohnt: Bei der Übergabe der Bewilligungsbescheide von Leader- Projekten und von Projekten des Landes Hessen sind insgesamt zwölf Konzepte des Vereins Region GießenerLand als förderungswürdig bewertet worden. Nach der erfolgreichen Antragstellung bei der Abteilung für den ländlichen Raum des Lahn-Dill-Kreises wurden nun im Bürgerhaus Niederkleen gemeinsam mit Vertretern dieser Behörde, des Vereins und des Landkreises Gießen die Bewilligungsbescheide überreicht. Insgesamt betrug das Investitionsvolumen für die versammelte Runde über eine Million Euro. Auf 512 979 Euro beläuft sich die Zuschusssumme, die förderfähigen Kosten liegen bei rund 900 000 Euro. »Auch regionale Wirtschaftsstrukturen wurden damit unterstützt, die Zahlen lassen sich sehen«, betonte Margot Schäfer, Abteilungsleiterin Ländlicher Raum beim Lahn-Dill-Kreis.

»Ganz großartig«

Kurt Hillgärtner, Erster Vorsitzender des Vereins Region Gießener Land, der erste Anlaufstelle für engagierte Bürger aus 17 Kommunen im Landkreis Gießen ist, unterstrich die Bedeutung der Bürgerbeteiligung: »Ich danke allen Projektträgern für ihre Ideen, denn Sie machen dies alles erst möglich.« Er hofft, dass der Landkreis Gießen in der bevorstehenden neuen Förderperiode 2023-2027 wieder als Leader-Region anerkannt wird, und warb darum, sich »neue Gedanken zu neuen Projekten« zu machen. Der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Christian Zuckermann hingegen würdigte die Vielfalt der Initiativen: »Es werden Projekte im ganzen Kreis Gießen aus ganz verschiedenen Bereichen abgebildet. Es ist ganz großartig, was Sie auf die Beine gestellt haben.«

»Es war ein schönes Potpourri aller Projekte«, bilanzierte Regionalmanagerin Annette Kurth vom Verein Region GießenerLand die Vorstellung der zwölf Projekte. Es sei eine schöne Gelegenheit gewesen, »die Früchte der Arbeit eines Jahres von Projektträgern und den beteiligten Stellen zu erleben.« Sie hatte zu Beginn der Veranstaltung die Runde begrüßt, ebenso wie der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch. Dieser würdigte in seiner Begrüßung den »sehr guten Strauß an Fördermöglichkeiten, der es ermöglicht, Projekte aus der Bürgerschaft zu unterstützen«. Reusch, der auch Mitglied der Lenkungsgruppe im Verein GießenerLand ist, war nicht nur als Hausherr gekommen, sondern durfte sich zugleich über Gelder für zwei Projekte freuen, die im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms IKEK entstanden waren.

Umweltbildung

17 760 Euro erhält die Gemeinde Langgöns für das touristische Entwicklungskonzept und die Kampagne zur Entwicklung des Steinbruchs Oberkleen. Dieser soll mit einem sanften, naturverträglichen Konzept touristisch entwickelt werden, wobei die aktuellen Nutzungen durch Angelsportverein, Tauchclubs, Wanderer und Radfahrer beibehalten werden sollen. Geplant sind ein Café oder Kiosk sowie Umweltbildungsangebote. »Wir wollen diesen Ort als Schatz heben«, sagte Reusch. Zugleich soll durch die Aufwertung des Geländes das aktuelle Problem, dass der Steinbruch von »bestimmten Bevölkerungsgruppen« häufig für illegale Treffen genutzt wird, bei denen unerlaubt Feuer gemacht und viel Müll hinterlassen wird, gebessert werden.

Mit 23 924 Euro wird ein Dorfgarten als neuer Treffpunkt nahe dem Heimatmuseum in Niederkleen gefördert. Museumsleiterin Doris Müller-Heinz und Jürgen Knorz, Vorstandsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Niederkleen, informierten über die aktuell noch recht verwilderte Fläche mitten im Dorf, die derzeit im Dornröschenschlaf liegt und zu einem Bauerngarten mit saisonalen und insektenfreundlichen Pflanzen umgestaltet werden soll. Wege, Beete und ein Zaun sowie ein fester Pavillon mit Sitzgelegenheiten sollen eine »Idylle im Grünen« schaffen.

Mit 200 000 Euro erhielt die geplante »Umweltstation Lahnaue als außerschulischer Lernort« die höchste Zuwendungssumme. Projektträger ist hier der Landkreis Gießen. Die Antragsteller Dr. Manfred Ehlers, Erster Beigeordneter der Gemeinde Heuchelheim, und Dr. Peter Ströde, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Heuchelheim/Kinzenbach, informierten über dieses »Leuchtturmprojekt für das ganze Gießener Land«, denn die Station soll allen zur Verfügung stehen. »Wir wollen, dass hier viele Bildungsmaßnahmen stattfinden.«

Uni und Landwirte

Die vom Wetterdienst zur Verfügung gestellte Wetterhütte, unter anderem mit Schulungsraum, die derzeit noch im Bereich Hardthof steht, wird zerlegt und in die Lahnaue umgesetzt. Sie soll dann eine offizielle Naturschutzstation sein, um den bedeutenden Naturraum Lahnaue, seine Dynamik, seine konkurrierenden Nutzungsziele und seine Tier- und Pflanzenwelt direkt vor Ort den Menschen nahezubringen. Kooperationen mit der Gießener Universität und den lokalen Landwirten sind geplant.

Mit 10 372 Euro wurde die Ausstattung des Cafés von Catarina Hufschild in Biebertal bedacht. Sie hatte Mitte September direkt am Gail’schen Park eine zuvor mehrere Monate geschlossene Eisdiele zu neuem Leben erweckt und bietet vegane, regionale und sizilianische Spezialitäten an. Es gibt Frühstück, einen Mittagstisch und Kaffee und Kuchen, »es ist sehr gut angelaufen«, berichtete die Gründerin.

Die Biebertaler Bürgermeisterin Patricia Ortmann, ebenfalls Mitglied der Lenkungsgruppe GießenerLand, freute sich darüber und nahm zudem für ein Projekt der Gemeinde Biebertal eine Fördersumme von 5070 Euro entgegen. Damit soll ein Jugendworkshop zur Errichtung eines Pumptracks finanziert werden. »Wir hoffen, die junge Generation damit auch langfristig zur Mitwirkung zu bewegen.« Ein weiteres Projekt der Gemeinde Biebertal, das mit 11 700 Euro gefördert wird, ist ein Konzept zur Nachnutzung der ehemaligen, denkmalgeschützten Zigarrenfabrik.

Hier soll ein Raum für Start-ups im Handwerk und der Kreativwirtschaft mit Möglichkeiten für Co-Working entstehen, um Fachkräfte in der Region zu binden. Ziel ist ein Nutzungs- und Raumkonzept, das Grundlage für die Umsetzung der Maßnahme ist.

Jonas Weisel, ein junger Landwirt aus Lich, bekommt für sein innovatives Projekt »Mulchgemüse für die Region« 18 084 Euro für die Anschaffung eines Mulch-Tec-Planters, ein Gerät, mit dem das Gemüse mit einem geringeren Einsatz von Düngemitteln und geringer bis ohne Bewässerung angebaut werden kann. »Was Weisel macht, ist beeindruckend und ein Leuchtturm-Projekt«, fasste Dr. Julian Neubert, Bürgermeister von Lich, das außerordentliche berufliche Engagement des 25-Jährigen zusammen.

Der Licher Rathauschef freute sich ebenfalls über 61 982 Euro, welche die Stadt Lich für das Nutzungskonzept »Alte Schlosserei« in Lich-Langsdorf erhält. Auf 2600 Quadratmetern mitten im Ortskern soll eine Mehrgenerationen-Wohn- und Begegnungsstätte gebaut werden. Das Interesse sei bereits groß. Auch eine Bedarfsanalyse für Co-Working wird gefördert.

25 000 Euro erhielt Christina Ziech für die Ausstattung ihres neuen Wohnmobilstellplatzes für 50 Wohnmobile in direkter Nachbarschaft zum Campingplatz und dem Familienbad in Grünberg. Die Anlage ist bereits eröffnet und wird gut angenommen.

Historischer Weg

Christian Zuckermann stellte die mit 10 275 Euro geförderte Machbarkeitsstudie »Wandern über Grenzen« vor, deren Basis die »Alte Straße« als etwa 15 Kilometer langer historischer Grenzweg zwischen Staufenberg und Roßberg ist. Projektträger ist der Landkreis Gießen, der auch für das mit 98 812 Euro geförderte Projekt »Soziale Vernetzung im ländlichen Raum« verantwortlich zeichnet. Das Stichwort hier lautet »Dorf-App« für die Kommunen im Landkreis, gefördert werden sollen die Personalkosten der Koordinierungsstelle und Öffentlichkeitsarbeit.

30 000 Euro bekommt der Landkreis schließlich für die »Prüfung und Vorbereitung von zertifizierten Wanderwegen im Landkreis Gießen«, womit unter anderem die touristische Wanderinfrastruktur verbessert werden soll.

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