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Dieter Preis bei seiner Unterschriftenaktion für den Erhalt des Geldautomaten in Treis. Archivfoto: Wisker

Dieter Preis verlässt Freie Wähler

Staufenberg (dge). Es war - zumindest für Nichteingeweihte - durchus ein »Bömbchen«, dass Stadtverordnetenvorsteher Ernst Hardt in der Sitzung des Parlaments fallen ließ. In gewohnt ruhiger und sachlicher Manier teilte Hardt mit: »Dieter Preis hat die Fraktion der Freien Wähler verlassen und ist als Unabhängiger zur SPD-Fraktion gewechselt.« Rund vier Jahrzehnte gehörte der Treiser den FW an, war lange Zeit im Magistrat vertreten und ist bei der Kommunalwahl im März von einem der hinteren Listenplatz nach vorne auf den dritten Platz und somit in die Stadtverordnetenversammlung gewählt worden.

Er habe seine Zukunft einfach nicht mehr bei den Freien Wählern gesehen und sich daher entschieden, als Unabhängiger zur SPD zu gehen. Zuvor, so erzählt er im Gespräch mit dem Anzeiger, habe er habe er mit seiner Frau Regina und der Familie gesprochen. SPD oder Grüne - das sei die Entscheidung gewesen, vor der er stand. »Weil die SPD mit Reiner Mehler und Claus Waldschmidt zwei ›schlagkräftige‹ Leute mit Sachverstand an der Spitze hat«, sei die Entscheidung zugunsten der Sozialdemokraten ausgefallen. Preis betonte, er sei kein SPD-Mitglied, sondern unabhängig. Nachdem die SPD seine Anfrage mit einem »herzlich Willkommen« beantwortet habe, seien die Würfel gefallen.

Nachdem Roland Ehmig, Fraktionsvorsitzender der FW, den Wechsel von Preis als »beschämend« - schließlich sei er als FW-Mitglied gewählt worden - bezeichnet hatte, nahm dieser die Gelegenheit wahr und bezog in der Stadtverordnetenversammlung Stellung. »Ich habe viele Stimmen in Treis geholt, möchte aber hinzufügen, diese Stimmen waren nicht für die Freien Wähler, sondern für mich als Einzelperson.« Dieter Preis wies auf sein Engagement für den Erhalt des Volksbank-Geldautomaten in der Ortsmitte hin. Er war im Januar von Haus zu Haus gegangen und hatte Unterschriften gesammelt. Sein Einsatz führte letzten Endes zu einem Einlenken der Volksbank, die den Automaten nun vorerst stehen lassen will.

Als er gesehen habe, dass die Freien Wähler diesen Erfolg für sich verbuchen wollten, habe er gedacht, »irgendetwas stimmt hier nicht.« Auch sei er vom Fraktionsvorsitzenden Roland Ehmig aufgefordert worden, bei seiner Unterschriftensammlung darauf hinzuweisen, dass er von den FW komme. Aber: »Das war mein Erfolg, meine Stimmen. Ich habe das für die Treiser Bürger gemacht. Das haben die FW nicht anerkannt«, sagt der 77-Jährige. Ausnahmen seien die beiden Treiser, die neu in der FW-Fraktion seien. »Die wussten, warum ich diesen Erfolg hatte. Alle anderen nicht. Auch nicht unser Fraktionsvorsitzender. Ich bedaure das außerordentlich.« Zudem habe der eine oder andere ihn als »zu alt« bezeichnet. »Das kann man sehen, wie man will«, so Preis dazu. Er wolle nicht sagen, man habe ihn »gemobbt«, es sei dem aber sehr nahegekommen. »Viel hat nicht gefehlt.« Über 40 Jahre habe er sich kommunalpolitisch als Freier Wähler engagiert. »Das zählt alles nichts.«

Der Entschluss, die FW zu verlassen, sei ihm schwergefallen. »Aber ich bin ja nicht der einzige, der nach der Kommunalwahl die Freien Wähler verlassen hat. Ich bin der Dritte. Darüber sollte man sich mal Gedanken machen«, schloss Dieter Preis seine Ausführungen vor den Stadtverordneten.

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