Discounter für Annerod: Nur die Unterschrift fehlt noch

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ANNEROD - (ebp). Seit der "Nahkauf"-Schließung im Jahr 2013 gibt es in Annerod keinen Nahversorger mehr. Das soll sich nun ändern: Einstimmig hat sich die Fernwalder Gemeindevertretung in ihrer jüngsten Sitzung für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit der Kropp GmbH aus Großenlüder ausgesprochen. Der Investor will auf dem Gelände an der Großen-Busecker Straße bekanntlich einen "Norma" errichten.

Die Eröffnung ist laut Vertragsentwurf für Ende 2021 vorgesehen. Man sei nun "auf der Zielgeraden eines langen Weges", sagte Bürgermeister Stefan Bechthold (SPD). Welchen Preis der Projektierer für die Grundstücke an die Gemeinde zahlt, ist nicht bekannt.

Spatenstich im Januar

Während "Norma" noch das Vorweihnachtsgeschäft 2021 mitnehmen will, ist die Fertigstellung des benachbarten Kindergartens für Mitte 2022 vorgesehen. Matthias Klose (CDU) gab zu bedenken, dass die Supermarktkunden monatelang auf einer Baustelle einkaufen müssten. Der Rathauschef erwartet hier jedoch keine Probleme, da es getrennte Zufahrten gebe. Laut Bechthold soll bereits im Januar der Spatenstich für den Kindergarten gemacht werden: "Die Aufträge laufen."

Lange wurde anschließend über die geplanten 75 Stellplätze diskutiert. Neu ist, dass die Gemeinde die Parkflächen übernimmt. 350 000 Euro werden dafür fällig. "Das wird eine teure Geschichte für die Gemeinde", kritisierte Gisela Papstein (Grüne). Ursprünglich war ein Mietkonzept vorgesehen, das hätte laut Bechthold aber zu "Unklarheiten" geführt. Die Stellplätze sollen nicht nur für Kunden des Discounters, sondern "für jedermann" nutzbar sein. "Das wäre beim Mieten schwieriger. Das ist eine saubere Lösung und wir schaffen Vermögen." Bechthold verwies auch auf die geplante Bushaltestelle, Pendler könnten ihr Auto an der Großen-Busecker Straße abstellen und von dort auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

CDU-Fraktionsvorsitzender Mark Reitmeier befürchtete dagegen einen Nutzungskonflikt zwischen Supermarktkunden und anderen Parkplatzsuchenden. Fraktionskollege Klose erinnerte daran, dass der neue viergruppige Kindergarten von der Lebenshilfe Gießen betrieben werden soll. Er regte an, Stellplätze zu reservieren, damit Kinder mit Behinderung ohne lange Parkplatzsuche in die Kita gebracht werden können. Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Voigt verwies auf einen Passus im Vertragsentwurf, wonach die Gemeinde dem Projektträger die Stellplätze "vollständig, unbefristet und unentgeltlich zur Verfügung" stellen müsse. Voigt forderte, den Absatz zu ändern und sich nicht auf mündliche Zusagen seitens Investor und Discounter zu verlassen. "Dabei geht es nicht um Misstrauen. Ein Vertrag ist dafür da, dass man solche Sachen regelt", betonte Voigt.

"Besser und großzügiger" könne man die Anbindung für einen Kindergarten nicht umsetzen, sagte dagegen Bürgermeister Bechthold. Die 75 Stellplätze seien werktags sowohl für den Discounter als auch den Kindergarten ausreichend. Das sah auch Stefan Becker (Freie Wähler) so. "Das ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für Fernwald." Die Bürger hätten wenig Verständnis, wenn es wegen Halbsätzen zu einer weiteren Verzögerung kommen würde.

Nachdem sich die Grünen sowohl im Bau- als auch im Haupt- und Finanzausschuss zunächst enthalten hatten, stimmten sie in der anschließenden Gemeindevertretersitzung wie auch die übrigen Fraktionen zu.

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