Diskussion um Zertifizierung

Wettenberg (ljh). Die historischen Wahrzeichen Wettenbergs sollen erhalten werden. Darum beschloss die Wettenberger Gemeindevertretung auch gleich zwei Anträge zur Unterstützung von Bauwerken. Für die Sanierung der Heizung in der evangelischen Kirche in Launsbach will man der Kirchengemeinde einen Zuschuss von 21 250 Euro gewähren.

Gleich zwei Maßnahmen werden auf Burg Gleiberg unterstützt. Zur bereits abgeschlossenen Baumaßnahme »Nördliche Schildmauer« leistet die Gemeinde einen weiteren Zuschuss, auch zur Behebung eines neu entdeckten Schadens an der Quermauer im Merenberger Bau werden Mittel bereitgestellt. Insgesamt belaufen sich die Zuschüsse an den Gleibergverein auf knapp 25 000 Euro. Beide Zuwendungen sollen aus den erfreulich hohen Gewerbesteuereinnahmen und der Rückzahlung der Kreisumlage finanziert werden.

Der Neubau des Kinder- und Familienzentrums Finkenweg soll möglichst nachhaltig und umweltverträglich werden. Darüber sind sich alle Wettenberger Kommunalpolitiker einig. Ob man dies allerdings durch eine Zertifizierung dahingehend für rund 52 000 Euro netto bekräftigen sollte wurde unter den Gemeindevertretern kontrovers diskutiert.

Anuschka Gerlach (CDU) hält ein solches Zertifikat für nicht notwendig, man könne auch ohne Zertifizierung Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Das Geld sei in einer konkreten Maßnahme für den Klimaschutz besser angelegt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Gerhard Noeske sprach von »Symbolpolitik«. Widerspruch kam von den Grünen. Diese wollen die Nachhaltigkeit auch kontrolliert wissen. Gegen generelle Bedenken aus der Opposition wurde Matthias Schulz deutlich: Man müsse die gesamte »Planung neu aufstellen«. Angesichts des gesteckten Ziels der Klimaneutralität müssten auch neue Baukonzepte her. Letztlich votierte die Gemeindevertretung mit den Stimmen der Koalition aus SPD und Grünen bei Gegenstimmen von CDU und Freien Wählern für die Beauftragung der Zertifizierung.

Sperrvermerk aufgehoben

Weitere Unterstützung für das Biebertaler Hallenbad fließt noch in diesem Jahr aus Wettenberg in die Nachbarkommune. Nachdem im Haushalt frei verfügbare 10 000 Euro bereits überwiesen worden waren, hob die Gemeindevertretung nun den Sperrvermerk für weitere 10 000 Euro auf. Dies hatten die Freien Wähler beantragt und auch die Verwaltung hatte eine entsprechende Beschlussvorlage eingebracht.

Mit der Umsetzung naturschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen befasst sich ein Antrag der CDU-Fraktion. Damit will man sicherstellen, dass die Ausgleichsmaßnahmen, die zum Beispiel bei Ausweisung neuer Baugebiete vorgesehen werden müssen, auch wirklich ausgeführt werden. Dazu will man sich zunächst mit einer Aufstellung aller Maßnahmen einen Überblick verschaffen.

Die Kombination aus Hubschrauber-Fluglärm, Verkehrslärm und den Schallemissionen der Gewerbegebiete entlang der A 480 und L 3093 kann zu Spitzenzeiten zu unangenehmen Belastungen für Wettenberger Bürger führen. Darum soll nun eine Lärmmessung an der L 3093 durchgeführt werden. Einen entsprechenden Antrag von SPD und Grünen nahm die Wettenberger Gemeindevertretung einstimmig an. Mit den Ergebnissen soll dann die aktuelle Debatte um Lärmschutzmaßnahmen und Geschwindigkeitsbegrenzungen in den entsprechenden Bereichen bereichert werden.

Der Edeka-Markt in Wißmar kommt langsam in die Jahre. Um auch zukünftig die Nahversorgung in Wißmar zu übernehmen und den Markt auch zu erweitern wünscht sich die Betreiberfamilie Möglichkeiten zur möglichst standortnahen Umsetzung solcher Vorhaben. In einem gemeinsamen Antrag fordert die Koalition aus SPD und Grünen daher die Vorprüfung möglicherweise geeigneter Flächen in der Ortsmitte, aber auch die Erweiterung im Bestand. Zudem soll nachrangig auch eine Erweiterung der Gewerbefläche in Richtung Gießen angedacht werden.

Dr. Gerhard Noeske (CDU) beklagte das ungewöhnliche Verfahren in der Sache. Es sei unüblich, dass sich Bauinteressierte an politische Fraktionen wendeten, normalerweise hätte er den Weg über den Bürgermeister und Gemeindevorstand erwartet. Zudem sehen die Christdemokraten auch inhaltliche Probleme. Geeignete Flächen im Dorfkern seien Mangelware, eine Erweiterung in Richtung Lahnaue lehnt die CDU strikt ab. Es handle sich ja auch erstmal nur um eine Vorprüfung, warf Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) ein. »Ohne Scheuklappen« wolle man zunächst die Lage analysieren und nach Lösungen suchen statt direkt nur Probleme zu benennen. Dem Antrag bezüglich der Vorprüfung durch den Gemeindevorstand stimmten alle Fraktionen außer der CDU zu.

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