1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Drahtzieher mit Fußfessel bedacht

Erstellt:

gikrei_wwZigarettenautom_4c_1
Die Geständigen sprengten in Linden und Oberkleen (Bild) Automaten. Foto: Wißner © Wißner

Die Zigarettenautomatensprenger, ein Langgönser, ein Lindener und Butzbacher, saßen jetzt vor Gericht. Doch nur einer soll vorerst ins Gefängnis gehen.

Kreis Gießen (bcz). Drei junge Männer saßen am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Sie hatten sich auf Zigarettenautomaten-Sprengungen spezialisiert. Im Kreis waren sie in Gießen, Linden und Langgöns unterwegs. Der 19-jährige Haupttäter schrubbte knapp am Gefängnis vorbei, ein 29-jähriger Mittäter soll für 18 Monate inhaftiert werden.

Der 19-Jährige, ein schmal gewachsener Junge, bekleidet mit einem weißen Poloshirt, sah im Gerichtssaal aus, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Doch die Liste seiner Vergehen ist besonders lang und die Schäden, die er bei seine Taten hinterließ, liegen bei geschätzten 50 000 Euro.

Da alle drei sich reuig und geständig zeigten, gab es einen kurzen Prozess. Neunmal waren die drei in unterschiedlichsten Konstellationen, aber im Dunstkreis des 19-Jährigen, im Kreis Gießen, der Wetterau bis hin nach Rosbach in der Wetterau unterwegs. Sie sprengten Zigarettenautomaten mit Böllern. Sechsmal tankten sie bei ihren Touren, ohne zu bezahlen, brachen zudem in zwei Corona-Schnelltestcenter ein. Die Liste ist noch länger. Unter anderem gehören der Besitz von Drogen und einem unerlaubten Teaser zu den Delikten.

Staatsanwältin Maren Fischer stellte gleich vor der Jugendkammer fest: »Es sind wirklich aus jeder Deliktsparte des Strafprozessbuches Straftaten begangen worden.«

Die Taten ereigneten sich in einem Zeitraum zwischen November 2021 und Januar 2022. Gestoppt wurde die Serie schließlich durch die Festnahme des Haupttäters, der bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft saß

Zu diesem Zeitpunkt hatte dieser kein regelmäßiges Einkommen, nur hin und wieder einmal einen Minijob. Allerdings lebte er in geordneten Verhältnissen bei seiner Mutter und war bis zu dem Zeitpunkt nie auffällig geworden. Er erhoffte sich durch die Einbrüche und Diebstähle das »schnelle Geld«, stellte Richter Heiko Kriewald in der Urteilsbegründung fest.

Mit den Benzin-Diebstählen an Tankstellen entlang der Autobahn A5 finanzierte er den Kraftstoffverbrauch seines dreier BMW Touring. Bei einer der Automatensprengungen und der Verwüstung einer Gartenhütte in Gießen-Wieseck war der zweite Angeklagte, ein langjähriger gleichaltriger Freund, mit im Boot. Der Mitläufer erhielt dafür nur eine gerichtliche Verwarnung und eine Geldstrafe.

Bei einer Automatensprengung in Rosbach wurde der Hauptangeklagte von einem 29-jährigen Butzbacher unterstützt. Dieser ist für die Justiz schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sein Auszug aus dem Zentralregister weist schon etliche Einträge auf, daher war das Strafmaß entsprechend schärfer. Er wandert für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis. Die restlichen Sprengungen gehen allein auf das Konto des 19-Jährigen, der aussagte, dass er zunächst einfach nur ausprobieren wollte, ob man mit Böllern einen Automaten sprengen könnte. Als das gut funktionierte, habe er weitergemacht und sich auch nicht an irgendwelchen Zeitungsberichten und Fahndungsaufrufen der Polizei gestört.

Verfolgungsjagd in der Wetterau

Nach einer der Sprengungen wurde er von einem Polizeifahrzeug verfolgt. Der Heranwachsende wollte sich der Verhaftung entziehen, indem er mit überhöhter Geschwindigkeit durch Dörfer im Wetteraukreis raste. Das gelang nicht, dennoch wehrte er sich gegen die Beamten bei seiner Festnahme.

Im Falle der Tankbetrügereien hatte er allerdings die Unterstützung eines Unbekannten, dessen Identität nicht geklärt werden konnte. Den Namen gab der junge Mann nicht preis. Daher musste er die komplette Verantwortung für die Delikte alleine tragen. Am Prozesstag zumindest zeigte er sich einsichtig und versprach, sich zukünftig anständig zu verhalten.

Da zwei der drei Angeklagten noch unter 21 Jahre alt sind, wurde für sie das mildere Jugendstrafrecht angewandt. Der Hauptangeklagte hätte zwei Jahre Jugendstrafe auf sich nehmen müssen, wobei in einem halben Jahr entschieden werden sollte, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Er zog sich damit aus der Affäre, dass er erklärte, ab sofort eine feste Arbeitsstelle zu haben. Das bewahrte ihn vorerst vor dem Kittchen. Er muss allerdings eine Fußfessel tragen. Das Gericht ordnete zudem an, ihm sein Fahrzeug zu entziehen und seinen Führerschein einzubehalten. Diesen darf er erst wieder nach Ablauf einer Sperre neu erwerben.

Schadensersatzforderungen der Geschädigten werden in zivilrechtlichen Verfahren noch auf ihn zukommen, sodass er noch lange an diese Monate zurückdenken wird.

Während die beiden jungen Täter sofort ihre Urteile annahmen, ist das Urteil des 29-Jährigen noch nicht rechtskräftig. Er kann noch in Berufung gehen.

Auch interessant