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Drei Jahre Haft für 25-Jährigen

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Im Prozess um die Abgabe von Marihuana und Kokain an Jugendliche kam es am Gießener Amtsgericht zu einem Urteil. © Czernek

Richterin Sonja Robe verurteilte einen der Angeklagten zu drei Jahren Haft, einen Mitangeklagten zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und sprach den dritten Beschuldigten frei.

Kreis Gießen (bcz). Das Urteil im Prozess um die Abgabe von Marihuana und Kokain an Jugendliche in Grünberg wurde gefällt: Die Vorsitzende Richterin Sonja Robe verurteilte einen der Angeklagten zu drei Jahren Haft, einen Mitangeklagten zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und sprach den dritten Beschuldigten aus Mangel an Beweisen frei.

Der Tatzeitraum erstrecke sich von Mai 2019 bis März 2020 in Grünberg. Eine Freundesclique um die drei Angeklagten konsumierte gemeinsam mehrmals Drogen, vor allem Marihuana, ab und an auch Kokain. Wenig sorglos ging dabei der 25-jährige Hauptangeklagte mit dem Alter derjenigen um, die mit ihm die Joints rauchten, denn diese waren unter 18 Jahre alt. »Man wollte halt etwas Party machen«, sagte er dazu. Wenn die jungen Mädchen etwas haben wollten, dann wendeten sie sich an ihn. Das war die übereinstimmende Aussage der Zeuginnen. Wenn er wiederum nichts hatte, dann fragte er bei seinem 35-jährigen Freund nach. Dieser hatte zu der Zeit immer einen Vorrat an Drogen. Er konsumierte regelmäßig Marihuana und Kokain und gab davon auch an seine Freude ab, wie er bekundete. Zu der Zeit sei er arbeitslos gewesen und es sei ihm sehr schlecht gegangen. Mittlerweise lebt er in geordneten Verhältnissen, hat eine Lebenspartnerin und hat sich selbstständig gemacht. Insgesamt zeigte er sich reumütig und sagte, dass ihm jetzt klar geworden sei, dass dies alles illegal gewesen sei.

Die Richterin folgte in ihren Urteilen nur teilweise der Forderungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den Hauptangeklagten drei Jahre und sechs Monate gefordert. Staatsanwalt Dr. Fabian Hohn sah es als erwiesen an, dass der Hauptangeklagte sehr wohl gewusst habe, dass er Drogen an Jugendliche unter 18 Jahren abgab. Er sei derjenige gewesen, der etwas besorgen konnte, an ihn hatten sich die Frauen immer gewandt.

Sorglosigkeit

Er selbst habe gern und viel eingenommen und er habe dies benutzt, um bei den jungen Frauen Eindruck zu machen. Diese Sorglosigkeit in Hinblick auf die Drogenabgabe an die jungen Frauen sah die Richterin in ihrer Urteilsbegründung ähnlich. »Sie wussten, dass es Jugendliche waren. Sie waren der große Held für die Mädchen.« Die Abgabe sei bewusst gemacht worden. Daher sah sie darin auch keine Lappalie. »Kokain gehört zu den harten Drogen. Es war ihnen egal, welche Schäden die Drogen bei den Mädchen hinterlassen.« Da dem Jugendschutz bei der Strafzumessung ein hohes Gewicht eingeräumt wird, fiel die Strafe entsprechend hoch aus: Er muss für drei Jahre ins Gefängnis.

Bei der Beurteilung des ältesten der drei Angeklagten, dem 35-Jährigen, der die Drogen organisiert hatte, schloss sich das Gericht der Beurteilung der Staatsanwaltschaft an.

Sozialprognose mildert Strafmaß

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass er der »Beschaffer« der Drogen gewesen sei, zudem habe er noch einen weiteren größeren Drogendeal vermittelt, der jedoch nicht im Zusammenhang mit der Abgabe von Drogen an die Jugendlichen steht. Er habe zwar mit etwas Drogen gehandelt, jedoch nicht im großen Stil. »Er war kein großer Dealer«, bescheinigte ihm auch der Staatsanwalt. Zudem habe er seine Taten eingeräumt. Aufgrund der guten Sozialprognose verurteilte ihn das Gericht zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro. Abschließend wandte sich die Richterin direkt an ihn und wies darauf hin, dass er während seiner Bewährungszeit ständig unter Beobachtung stehen würde. Wenn etwas passieren würde, könnte die Bewährungsstrafe widerrufen werden. »Dann sitzen Sie die 1,9 Jahre ab«.

Kein eindeutiger Nachweis

Der dritte Angeklagte spielte in dem gesamten Prozessverlauf nur eine untergeordnete Rolle. Er sei zwar Mitglied dieser Gruppe gewesen, aber nur am Rande, vermutete der Staatsanwalt und forderte für ihn eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie wie die Zahlung von 1000 Euro.

Der Verteidiger hingegen plädierte auf Freispruch aus Mangel an Beweisen. Das Gericht schloss sich der Argumentation der Verteidigung an, da die ihm zu Last gelegte Delikte nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten. So hätten die Zeuginnen nicht bestätigt, dass sie Drogen von ihm bekommen hätten.

Die Verdachtsannahme, dass er etwas getan hätte, konnte vor Gericht nicht erhärtet werden, so dass es nicht zu einer Verurteilung reichte. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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