Edeka-Neubau in Krofdorf-Gleiberg kann kommen

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WETTENBERG - (jem). "Eine Sternstunde der parlamentarischen Demokratie" - für die einen war die Aufstellung des Bebauungsplans für den Edeka-Neubau in Krofdorf-Gleiberg in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend genau das. Seit etlichen Jahren wird bereits über das Thema gestritten. Nun hat man den Platz für den modernen Bau mitten im Ort gefunden.

Dorthin, wo alle Fraktionen den Markt haben wollten, es sich lange aber nicht vorstellen konnten. Erst die Studie von Professor Alexander Pellnitz von der Technischen Hochschule Mittelhessen habe dies möglich gemacht, da waren sich alle Parlamentsmitglieder einig.

Doch eine "Sternstunde", wie von Matthias Schulz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, gehofft, wurde es dann trotz allem für ihn nicht. Der Knackpunkt für die Grünen und die Freien Wähler (FW): Der verkleinerte Vorplatz, der zwischen der Hauptstraße und dem Markt zum Verweilen einladen sollte. "Ginge es nur um den Markt, dann würden wir unsere volle Zustimmung geben. Aber die Vision war eine andere. Ich wollte von ganzem Herzen zustimmen, aber wir müssen uns leider enthalten", sagte Georg Schlierbach (FW).

Dennoch wurde der Bebauungsplan mehrheitlich bei drei Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen beschlossen. Der Bau des Edeka-Marktes kann beginnen.

Keine Kosten für Bürger

Befürchtungen gab es bereits im Vorfeld der Sitzung, genauer: Einen Tag zuvor, als bei der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend erstmals die Frage aufkam, ob der Platz überhaupt von der Öffentlichkeit genutzt werden darf. Denn schließlich befindet sich dieser im Besitz des Investors. Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) konnte am Donnerstagabend dann Entwarnung geben: "Es besteht vom Investor eine Bereitschaft, ein Wegerecht vom Haus Nr. 8 einzuräumen und auch den Platz auf dem Edeka-Gelände zu nutzen. Das hat aber seinen Preis." So verpflichtet sich die Gemeinde, den Platz zu reinigen und von Schnee zu befreien, sollte dies notwendig sein. Damit würde man sich arrangieren, so Brunner.

"Eine Menge Zeit haben der Investor, Edeka und die Gemeinde investiert, und das ist jetzt das Ergebnis aus den unzähligen Gesprächen. Ich hätte mir auch noch das eine oder andere vorstellen können, aber alles funktioniert eben nicht", hob der Rathauschef hervor. Man müsse zudem bedenken, dass sich die Gemeinde nicht finanziell an dem Projekt beteilige, es den Bürger also nichts kostet.

Auch Dr. Ulrich Ellinghaus, der SPD-Fraktionsvorsitzende, betonte, dass man nun "am Ende eines langen Weges" steht, was so vor zwei Jahren nicht absehbar war. Anstelle eines Marktes auf der grünen Wiese, einen Markt von der Stange, habe man nun das erreicht, was viele Kommunen zuvor schon versucht hätten, woran sie aber allzu oft gescheitert seien. Auch das Gründach hob er als besondere Leistung hervor, da Edeka dies zum ersten Mal zulässt. "Es gibt immer eine Optimierung, aber wir können nicht alles fordern, ohne vielleicht alles zu gefährden."

Ähnlich sieht es auch Andrea Walker (CDU). "Wir hatten die Vision von einem Edeka im Ort und haben es tatsächlich geschafft." Darauf solle man stolz sein. Das einzige Problem, das noch nicht gelöst ist, seien die Stellplätze für das neue Haus der Nr. 8. Dort soll eine Facharztpraxis einziehen. Die Patienten benötigen dann auch genügend Parkraum, so Walker.

Ganz andere Probleme sieht Schulz bei dem Projekt. Ja, es sei wohl die wichtigste Maßnahme für den Wettenberger Ortsteil für die kommenden Jahre. Ja, man habe es gemeinsam als Parlament geschafft. Ja, es sei mehr, als ein Markt von der Stange je geschafft hätte. "Aber etwas ist schiefgegangen auf der Zielgeraden. Das Besondere, was wir mit der Studie von Professor Pellnitz erreichen wollten, ein neuer und offener Marktplatz, den wir mit dem Abriss der Hausnummer 8 erreichen wollten, den gibt es nicht mehr." Stattdessen sehen die Planungen nun vor, eine neue Nummer 8 zu bauen - deutlich größer als das ursprüngliche Haus, das vor einiger Zeit abgerissen wurde. Das sei keine sinnvolle Nachverdichtung. "Wir haben uns eine italienische Piazza erhofft. Was wir bekommen, ist ein besserer Hinterhof", kritisiert der Grünen-Politiker.

Man hätte sich mehr Zeit nehmen sollen. Er selbst war überrascht, als die neuen Pläne mit einer neuen Nummer 8 im November gezeigt wurden. Niemand aus seiner Fraktion habe etwas gegen den Edeka-Markt, aber "wir kritisieren das Verfahren". Man fühle sich überrumpelt. Zwar sei der Abriss und Verbot eines Neubaus nie Gegenstand eines Antrages gewesen, man habe es aber immer als Selbstverständlichkeit aufgefasst. "Vielleicht waren wir zu naiv."

Ähnlich sieht es Schlierbach. Der Edeka werde "die Herzkammer des Dorfes". Das neue Haus davor - das, so Schlierbach, anstelle der 50 Quadratmeter nun dreimal so groß wird - passe aber nicht zum Ortsbild.

Von einem Projekt mit enormer Strahlkraft für Wettenberg sprach unterdessen CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Gerhard Noeske. "Edeka hat es nun in der Hand, die Bürger in und an ihr schönes neues Haus einzuladen. Vielleicht sind Märkte auf dem Parkplatz oder ähnliche Veranstaltungen möglich."

Dass dieser Marktplatz auch den Sozialdemokraten wichtig sei, betonte Ellinghaus noch einmal zum Ende. Auch, wenn dieser kleiner ist als gewünscht. Aber man könne nur das Erreichbare erreichbar machen.

Der Spatenstich für den Bau soll im Januar stattfinden, sodass der Markt im besten Falle bereits Ende 2021 fertiggestellt sein könnte.

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