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Ein weiterer Ehrenobermeister der Tischlerinnung, Andreas Römer (Mitte), wurde von Obermeister Sven Keßler und dem stellvertretenden Kreishandwerksmeister Hartmut Gall (r.) beglückwünscht. Foto: Ewert © Ewert

Kreis Gießen (wf). Andreas Römer aus Beuern ist zum Ehrenobermeister der Tischlerinnung Gießen ernannt worden. Hartmut Gall (Langd), stellvertretender Kreishandwerksmeister Gießen, und Sven Keßler (Buseck), Obermeister der Tischlerinnung Gießen und in dieser Funktion Nachfolger von Römer, überreichten dem 64-Jährigen die Ernennungsurkunde, worauf die bei der Innungsversammlung anwesenden Handwerkskollegen sich von den Plätzen erhoben und applaudierten.

Römer bestand 1983 die Meisterprüfung seines Gewerks, trat zum 1. Januar 1985 in die Innung ein und übernahm sechs Jahre später den Familienbetrieb in Beuern von seinem Vater Karl. 1997 wurde er in den Vorstand der Tischlerinnung Gießen gewählt und übernahm 2003 das Amt des Obermeisters, das er vor anderthalb Jahren an Keßler übergab. Bis 2021 gehörte Andreas Römer 30 Jahre lang - davon 18 als Vorsitzender - dem für den Fortbestand der Innung und des Tischlerhandwerks wichtigen Gesellenprüfungsausschuss an sowie von 2006 bis 2018 dem Vorstand der Kreishandwerkerschaft Gießen.

Seine Ausbildung im Schreinerhandwerk begann Römer im Jahr 1974 im Betrieb von Horst Seibert in Laubach. Und auch als Ehrenobermeister ist Horst Seibert, heute 83 Jahre alt und bei der Innungsversammlung anwesend, seinem ehemaligen Auszubildenden vorangegangen, sodass die Tischlerinnung Gießen mit Seibert und Römer nun zwei Ehrenobermeister in ihren Reihen hat.

Der 30 Jahre junge Obermeister Sven Keßler erinnerte in seinem Rechenschaftsbericht in Großen-Buseck an zwei »recht turbulente« Jahre für alle Handwerksbetriebe aufgrund der Corona-Einschränkungen, an deren offenbarem Ende nun der Krieg in der Ukraine wohl erneut dafür sorgen werde, dass die Gesamtsituation für das Handwerk wie für die gesamte Wirtschaft nicht einfacher werden wird. Schon jetzt litten Betriebe wie Kunden unter den längeren Lieferzeiten für Material und unter signifikanten Preissteigerungen.

Keßler nannte es bedauerlich, dass das »sehr sinnvolle« Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) wegen zu geringer Anmeldezahlen aktuell nicht zur Ausführung gekommen sei. Die Tischlerinnung Gießen werde sich weiter dafür einsetzen, das BGJ nicht nur zu erhalten, sondern es über die im Gesetz genannte Altersbeschränkung auf »Jugendliche« für alle Interessenten zu öffnen. Denn bekanntlich sei auch das Eintrittsalter in eine Handwerkslehre in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Leider seien laut Keßler entsprechende Vorschläge seitens des Hessischen Kultusministeriums schlicht ignoriert worden.

Keßler begrüßte die Erhöhung des Stundenlohnes für Tischlergesellen als Ergebnis der jüngsten Tarifverhandlungen, zeigte sich aber »überrascht« von einer Anhebung der Ausbildungsvergütung um 125 Euro im Monat.

Einstimmig habe sich der Vorstand der Innung Gießen gegen diese Erhöhung ausgesprochen, sei aber - und auch das gehöre zum Geschäft - die hessenweit einzige Innung im Fachverband gewesen. Apropos Lehrlinge: Das Tischlerhandwerk in Stadt und Kreis Gießen bildet aktuell 70 junge Menschen, darunter auch etliche Frauen, im dualen System, sprich in Betrieben und Berufsschule (im Falle der Schreiner/Tischler ist es die Theodor-Litt-Schule Gießen), aus.

Angelique Grün, Justiziarin der Kreishandwerkerschaft Gießen, wies die Innungsmitglieder in einem Referat auf den Unterschied zwischen »Kostenvoranschlag« und »Angebot« hin. Ein Angebot entfalte Bindungswirkung im Gegensatz zum Voranschlag.

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