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»Ein einziger mit Tempo 100 reicht«

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Der Kindergarten Nordeck-Winnen (links im Bild) liegt direkt an der Straße, über den kleinen Fußweg von oben können Kinder ungebremst auf die Fahrbahn gelangen. Der Bürgersteig wird genutzt, wenn Ausflüge anstehen. © Wisker

Der Kindergarten Nordeck-Winnen liegt direkt an der Durchgangsstraße. Das bereitet den Eltern große Sorge.

Allendorf (dge). Es sind nur wenige hundert Meter zwischen Nordeck und Winnen, auf denen Tempo 100 erlaubt sind. Jetzt könnte man fragen, was daran so besonders ist. Nun, die Krux ist, dass direkt an dieser Straße die Kindertagesstätte Nordeck-Winnen liegt. Ein Gefahrenpotenzial für die Kinder - darin sind sich Elternbeirat und Erzieher einig.

Seit Jahren ist die Situation bekannt, ist ein Thema, das immer mal wieder aufgegriffen wird - bislang aber im Sande verlaufen ist. Den Eltern reicht es, im Juni haben sie eine Unterschriftenaktion gestartet, die online bis zum 18. November lief. Zudem sind Raphael Omokoko, Ortsvorsteher von Nordeck und Winnen, und Eltern unterwegs gewesen, um weitere Unterschriften zu sammeln.

880 Unterschriften

Knapp über 1000 Einwohner zählen beide Dörfchen, 854 Unterschriften sind online zusammengekommen, weitere 26 handschriftliche gesellen sich dazu. - ergibt 880 Unterschriften. Die Petition überreichten Désirée Schwalbe, Katharina Gilbert und Florian Jockel vom Elternbeirat gemeinsam mit Johannes Böhm (Erzieher und stellvertretender Kindergartenleiter) an Landrätin Anita Schneider (SPD) und Verkehrsdezernent Christian Zuckermann (Grüne).

Schneider und Zuckermann machten sich ein Bild vor Ort, nahmen sich Zeit fürs Gespräch mit den besorgten Eltern. Eine Patentlösung konnten sie spontan nicht bieten, bekannten, dass die Zuständigkeit nicht immer klar definiert ist. Drei Punkte hatte Désirée Schwalbe zuvor angesprochen: Wenn Eltern ihre Kinder bringen, parken sie mitunter an der Landstraße. Kommen sie den Gehweg von oben runter - zuweilen mit Laufrad oder Bobby-Car - besteht die Gefahr, dass sie ungebremst auf die Straße gelangen. Wollen die Erzieher mit ihren Gruppen einen Ausflug, etwa auf den Kartoffelacker, zum Drachensteigen lassen, müssen sie den Gehweg entlang der Straße nutzen. All das wird noch ergänzt durch den Verkehrslärm, der den Erziehern beim Aufenthalt im Außenbereich so einiges an Stimmvolumen abverlangt. »Das ist einfach keine gute Situation für die Kita«, fasst Schwalbe zusammen. Ein Geländer am Gehweg, davon sind die Eltern überzeugt, könnte ein wenig mehr an Sicherheit schaffen. Etwa zehn bis zwölf Meter würden nach ihrer Ansicht schon einiges bewirken. Dieses Ansinnen sei jedoch vom Landkreis abgelehnt worden. Tempo 30 oder 50 auf der Landstraße, gerne auch nur während der Öffnungszeiten des Kindergartens - für diese Option sah Hessen Mobil keine Veranlassung. Anita Schneider erläuterte, dass sich bei Messungen ein Durchschnittswert von etwa 56 Stundenkilometern gefahren werde, aber auch »Spitzen« von 100 Kilometern pro Stunde festgestellt worden seien. »Es ist eine verzwickte Lage«, so die Landrätin. Sie stimmte Schwalbe zu, als diese meinte, »es reicht, wenn ein einziger Tempo 100 fährt und ihm ein Kind vors Auto läuft.« Die Elternbeirätin fügte an, dass es vor der Sanierung der Straße durchaus eine Geschwindigkeitsbegrenzung gegeben habe. Nachdem die Straße wieder freigegeben war, war fortan Tempo 100 erlaubt. Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz hat an den Ortsausgängen bereits Schilder aufstellen lassen: »Gas weg, Kindergarten« warnen diese. Auch sogenannte »Buddys« weisen darauf hin, dass hier die kleinsten Verkehrsteilnehmer, nämlich Kinder, unterwegs sind. Doch scheinen die Appelle an Rücksicht und Vernunft nicht bei jedem Fahrer zu fruchten. Bliebe noch eine kleinere Variante: Ein Zaun mit Türchen am Fuß des von oben kommenden Zuwegs. Das, so Schwalbe, prüfe die Stadtverwaltung gerade. Johannes Böhm wies darauf hin, dass auch die Essenlieferung über dies Zuwegung erfolgt. »Der Fahrer muss an der Straße parken, von dort bringt er den Essenwagen in die Kita. Von oben geht das nicht, bergab würden Saucen und Suppen überlaufen.«

Hier sahen sowohl Schneider als auch Zuckermann einen Lösungsansatz. Wenn die Zuwegung zum Grundstück des Kindergartens von der Landstraße her erschlossen sei, biete dies durchaus eine Möglichkeit, hier Tempo 50 oder 70 zu erreichen. Die Kommune müsste hier tätig werden, die Ausfahrt bestätigen und auch die für die Erzieher benötigten Stellplätze fielen gegebenenfalls in diese Argumentation. Der Landkreis, versicherte Schneider, würde dies mittragen und dies auch an Hessen Mobil signalisieren.

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Anita Schneider (r.) und Christian Zuckermann (l.) nehmen die Petition von Katharina Gilbert, Désirée Schwalbe und Florian Jockel (Mitte, v.l.) entgegen. © Wisker

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