Liebenswertes Gefährt

Ein feuerroter Oldie mit Seele

Ein Ford Taunus feiert im Mai seinen 60. Geburtstag als einstiges Einsatzfahrzeug. In Holzheim wurden jetzt für seinen Erhalt 5000 Euro spendiert.

Pohlheim (ger). Der perlweiße VW-Käfer Herbie erhielt durch Disney-Filme in den 70er Jahren Kultstatus. Herbie war eine Persönlichkeit, mit eigenem Willen, besonderen Fähigkeiten und Macken. In Pohlheim gibt es ebenfalls ein Auto mit solchen besonderen Eigenheiten, das die Menschen in ihr Herz geschlossen haben. »Er« hupt schon mal, wenn das Blechgefährt gar nicht soll und ruckelt bis heute regelmäßig beim Rückwärtsfahren, ohne das man den Fehler gefunden hat. »Er«, das ist ein feuerwehrroter Ford Taunus Transit. 1962 verließ er die Fabrik und wurde in Bad Friedrichshall als Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) von Wilhelm Jung V. und Günther Mertsch persönlich abgeholt. Im kommenden Mai 2022 hat der Oldie 60 Jahre in Holzheim auf dem Buckel und er ist der ganze Stolz der Stadtteil-Feuerwehr.

Nicht von ungefähr, den der Wagen ist das erste motorgetriebene Fahrzeug der Stadtteilwehr gewesen. Kein Wunder also, dass ihr ganzes Herz an dem feuerroten Oldie hängt und die Brandschützer ihn hegen und pflegen.

Als der Zahn der Zeit an ihm nagte und er 1979 nach 29 Einsatzjahren aus dem aktiven Dienst ausscheiden musste, schickten ihn die Feuerwehrleute nicht in die Schrottpresse. Für eine symbolische Mark wurde das erste Einsatzfahrzeug in Holzheim von der Stadt aufgekauft. Der Gemeinde Holzheim hatte er noch neu 7728 Mark gekostet. Dazu kamen rund 2800 Mark für die feuerwehrtechnische Inneneinrichtung.

2009 wurde das Gefährt erstmals überholt und wieder angemeldet. Aktuell dieses Jahr musste aufgrund von Rostschäden alles runderneuert werden. Jetzt erstrahlt das Schmuckstück wieder in frischer Farbe, ohne Rost und in Top-Zustand.

Für ganz Holzheim war die finanzielle Unterstützung zur Restaurierung eine Herzensangelegenheit, wie auch für den Bürgerverein Holzheim. Dessen Vertreter Horst Biadala, Werner Faber und Heinz Willi Reitz übergaben stolze 5000 Euro für den roten Flitzer, der 29 Einsatzjahre mit seinen 55 Pferdestärken lang für schnelle Hilfe beim Retten, Löschen und Bergen bei Notfällen gesorgt hatte.

Das mit der schnellen Hilfe war in alten Zeiten nicht immer so. Erst im Mai 1962 kam das damals hochmoderne Tragkraftspitzenfahrzeug nach Holzheim. Zuvor ging es noch fußläufig mit einer Handdruckspritze aus dem Jahr 1899 und einem Spritzenanhänger aus dem Jahr 1942 in den Einsatz. Der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Volker Meckel, sein Stellvertreter Wilfried Müll und Wehrführer Matthias Jung können so manches Schmankerl über den Oldie erzählen, dessen Lebenslauf sogar in einem eigenen Heft Aufnahme fand. Es begleitete die älteren Feuerwehrleute bereits zu Zeiten ihres Engagements in der Jugendfeuerwehr.

Sechs Feuerwehrleute brachte der Holzheimer Ford-Bus mit Gerät zum Einsatz. Sie lachen dabei, wenn sie heute an die jungen Leute denken, die keine Lenkradschaltung und Fahrzeuge ohne Servolenkung kennen. »Die Nachwuchsfeuerwehrleute brauchen da erst eine Eingewöhnung«, schmunzeln sie. Zudem muss man Sprit ansaugen, wenn er mal länger gestanden hat. Technikverständnis über diese Besonderheiten ist nötig. Und auch der Blinkerschalter springt nicht automatisch zurück. Alles Dinge die heute wie selbstverständlich bei neuen Fahrzeugen funktionieren. Ein Witz unter den Feuerwehrleuten war zudem im Hinweis »Wer hupt, verliert«, aufgrund der technischen Eigenschaft des Signaltons, der sich nicht ohne weiteres wieder abstellen ließ.

Millimeterarbeit

Das Wehrführer Matthias Jung lud gerade große Wasserbehälter in den Feuerwehr-Oldie, als die Spende übergeben wurde. Dies sind Ballasttanks für die Ladefläche, die benötigt werden, damit das Fahrzeug in die Garage passt. Ohne diese 200 Liter Wasser fehlen die nötigen Millimeter zeigen die drei Feuerwehrleute bei der Einfahrt. Sie sind aber alle froh, dass die Standplatz-Odyssee des Feuerwehr-Oldies ein Ende fand.

Angefangen von der genossenschaftlichen Maschinenhalle in Holzheim, über die Limeshalle Grüningen bis zur Sporthalle im Ort hat das Fahrzeug mit Seele schon einige temporäre Unterkünfte gesehen. Jetzt darf das Schmuckstück in einer privat angemieteten Garage den (Un-)ruhestand genießen.

Der Ford-Bus dient zu Repräsentationszwecken bei Veranstaltungen und Oldtimer-Treffen. Seinen runden sechzigsten Geburtstag werden die Holzheimer im neuen Jahr würdigen, kündigt Volker Meckel bereits an.

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