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Ein Grad unter Hitzerekord

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Baustelle mit Sonnenschirm - gesehen am Bahnhof Großen-Linden. © Thomas Wißner

37,8 Grad wurden am Dienstag in Heuchelheim gemessen. Ein Grad unter dem Hitzerekord im Jahr 2015. Auch den ersten Flächenbrand gab es.

Kreis Gießen. 37,8 Grad und Hitzewarnungen - ist es da nicht verlockend, wenn man in einen Raum mit 27 Grad unter Null eintauchen kann? Für die Mitarbeiter im Kühlraum eines Großhandelsunternehmens im Kreis ist das Alltag, egal, wie warm oder kalt es draußen ist. Alle anderen mussten gestern sehen, wie sie mit den hohen Temperaturen klarkamen.

Dabei standen Erfrischungen und vor allem Eis, Eisbecher und auch Eisgetränke hoch im Kurs. Die große Waffel aus Kunststoff mit drei Kugeln samt Sahnehäubchen, die in der Licher Altstadt steht, machte schon Appetit.

Schulklassen holten sich derweil in der letzten Woche vor den Sommerferien ihre Abkühlung im Freibad. In Linden tummelten sich nicht nur Mädchen und Jungen der benachbarten Anne-Frank-Schule, sondern auch von der Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim. Im kleinen Planschbecken hatten die Kinder der »Naturwerkstatt« des Kinderhauses Kunterbunt aus Hüttenberg ihre Freude beim Wasserspaß. 14 Grad Wassertemperatur bot die Dusche. Da stand mancher Badegast gerne ein bisschen länger unter dem erfrischenden Strahl.

Da diese Hitze auch gefährlich ist, kam etwa ein Dachdeckerunternehmer aus dem Südkreis seiner Verpflichtung nach und stellte die Arbeiten zur Mittagsstunde ein. Verständlich und nicht nur der Fürsorgepflicht geschuldet. »In der Sonne ist es nicht auszuhalten«, versicherte Dieter Thorn. Auf einem Dach ist es nicht so einfach möglich, ein Sonnensegel oder gar einen Sonnenschirm aufzuspannen.

Letztere Möglichkeit nutzte der Mitarbeiter eines Unternehmens, der in der Bahnhofstraße in Großen-Linden zu Gange war. Er stand unter einem weißen Sonnenschirm.

Auf den Feldern bot sich ein einheitliches Bild: Die Mähdrescher liefen auf vollen Touren. Dass dies derzeit sehr gefährlich sein kann, erfuhr ein Landwirt am Sonntag in Leihgestern. Ein kleiner Funken reichte aus, um eine Fläche von 1000 Quadratmetern zu vernichten. Die Feuerwehr verhinderte ein weiteres Abbrennen und musste dazu eine 300 Meter lange Schlauchleitung verlegen.

Einen schönen Tag hatten Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mittelhessen mit Polizeipräsident Bernd Paul an der Spitze. Nach einer Stadtführung in Lich ging es mit dem Planwagen nach Kloster Arnsburg. Vor der Fahrt besprühte Kutscher Ernst Jürgen Damasky aus Steinbach seine Pferde »Liesel«, »Don«, »Luna« und »Fritz« mit Wasser. Was für die einen ein Vergnügen war, bedeutete für die Vierbeiner schwere Arbeit.

Herzhaft lachen mussten Badegäste am See in Inheiden. Wer denkt schon bei fast 40 Grad daran, dass beim Betreten der Eisfläche Einbruch- und Lebensgefahr besteht? Ein entsprechendes Schild war nach der Winterzeit nicht abgebaut worden. Für die Sicherheit der Badegäste sorgte das Team der DLRG, das in einem Boot auf dem See seine Runden zog.

Wetterexperte Friedel Steinmüller aus Heuchelheim hat gestern Abend keinen neuen Hitzerekord vermeldet. Nachdem er um 13 Uhr bereits 35,1 Grad gemessen hatte, erreichte die Temperatur um 18 Uhr einen Wert von 37,8 Grad.

In der seit 1971 vorliegenden Messreihe war der 5. Juli 2015 mit 38,8 Grad der bisher heißeste Tag. An zweiter Stelle folgt der 25. Juli 2019 mit 38,5 Grad vor dem 12. August 2003 mit 37,5 Grad.

»Sehr außergewöhnlich« findet Steinmüller die »riesigen Temperaturschwankungen«. Nach einem Maximum in Heuchelheim am Montag von 35 Grad sei das Thermometer nachts auf 11,5 Grad gefallen, am Boden gar auf 9,8 Grad.

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Abkühlung von oben. © Thomas Wißner
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Ein unangenehmer Nebeneffekt: Felder und Wiesen geraten schnell in Brand. Fotos: Wißner © Wißner
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Polizeipräsident Paul (2.v.l.) und seine Kollegen genossen die Planwagenfahrt. © Thomas Wißner
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Minus 27 Grad sind es in der Kühlkammer. © Thomas Wißner

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