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Ein schluchzender Mittäter

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Das Fahrzeug, in dem Daniel Matysik ermordet wurde, war erneut Gegenstand der Verhandlung. Foto: Czernek © Czernek

Ein limonengrüner Ford Fiesta führt erneut zu emotionalem Zusammenbruch im Mordprozess. Daniel Matysik wurde wohl in dem Auto ermordet.

Kreis Gießen (bcz). Ein kleiner limonengrüner Ford Fiesta steht am Freitag erneut auf dem Gelände des externen Gerichtssaals am Stolzenmorgen und wird von der Strafkammer, Anwälten und Staatsanwaltschaft und Publikum inspiziert. In diesem Fahrzeug soll Daniel Matysik getötet worden sein, doch seine Leiche wurde bisher nicht gefunden.

Der Innenraum des Fahrzeugs wurde erneuert, nur eine kleine Delle befindet sich im Dachhimmel als einziger Hinweis, dass dort ein Verbrechen geschah. Wer Daniel M. 2016 erschossen hat, dass ist nicht geklärt. Die beiden Angeklagten beschuldigen gegenseitig. Die ehemalige Freunde, ein Mathematiklehrer und ein IT-Spezialist, verantworten sich wegen des gemeinschaftlichen Mordes seit mehr als eineinhalb Jahren vor der fünften großen Strafkammer des Landgerichts Gießen. Bis 2019 galt das Opfer als vermisst, dann ging der ältere Angeklagte, der Mathematiklehrer, zur Polizei und brachte damit das Verfahren ins Rollen. Er war es auch an diesem Freitag, der emotional zusammenbrach, als er über das Tatgeschehen Auskunft gab. Die Verhandlung musste unterbrochen werden, da er in Tränen ausbrach, als er von dem Blut des Opfers sprach.

In dem quälend langen Indizienprozess versucht die Strafkammer unter dem Vorsitz der Richterin Regine Enders-Kunze Licht ins Dunkel der Geschehnisse zu bringen. Das Motiv der Tat ist weiter unklar. Auf Antrag der Verteidigung des IT-Spezialisten ließ die Richterin das Tatfahrzeug erneut zum externen Gerichtssaal bringen, damit sich alle nochmals ein Bild von den Gegebenheiten machen konnten. Währesnd der Besitzer des Fahrzeugs, der IT-Fachmann, um das Fahrzeug herumschlenderte, wagte der angeklagte Lehrer es nicht, auch nur in die unmittelbare Nähe des Autos zu gehen. Schon der erste Anblick des Fahrzeugs vor einiger Zeit hatte ihn völlig verstört. Daher bezeichnete er die erneute Präsentation als »reinen Sadismus«, um ihn unter Druck zu setzen. Sein ehemaliger Freund schweigt zu den Anklagepunkten, der Lehrer ist umso redseliger. Er überschüttet das Gericht mit Erklärungen, warum er drei Jahre lang nicht zur Polizei gegangen sei. Gebetsmühlenartig beteuert er seine Unschuld. »Er hat ihn umgebracht«, betonte er auch gestern. Er leide weiter unter Drohungen des ehemaligen Freundes. Doch konkreter wird er nicht, seine Angaben bleiben weiter vage. Der Prozess wird fortgesetzt.

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