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Eine spacige Ehre

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Der Licher Bernhard Krenig darf den Start einer Trägerrakete der privaten Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk miterleben. Symbolfoto: dpa © Red

Der Licher Schullehrer Bernhard Krenig reist heute zum Raketenstart nach Florida. Die NASA hat ihn eingeladen.

Lich . Mit den Worten »Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat«, beginnt jede Folge einer der legendärsten Fernsehserien aller Zeiten.

Ganz so weit in die Tiefen des Universums wird es die Weltraum-AG der Licher Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) unter Anleitung ihres Lehrers Bernhard Krenig nicht bringen, aber in einigen Wochen beginnt für sie nach zwei Jahren emsiger Vorbereitungen ein ganz besonderes Weltraumabenteuer. Ein von der AG selbst gebauter, 10 auf 10 Zentimeter großer Satellit wird mit der Trägerrakete Artemis vom Kennedy-Space-Center aus ins Weltall abheben.

Der kleine Satellit hat eine widerstandfähige, den Bedingungen im All trotzende Aluminium-Hülle und ein Sonnensegel wird für die nötige Energie sorgen. In 500 Kilometern Höhe und damit noch 100 Kilometer weiter von der Erde entfernt als die Raumstation ISS, wird er seine Runden drehen und dabei Daten über den Unterwasserkörper der Erde, den man sich wie einen Schwamm vollgesogen mit Wasser vorstellen kann, sammeln.

Damit liegt die AG ganz am Puls neuester Forschungen. Vom Weltraum aus hat die Nasa (National Aeronautics and Space Administration) in den vergangenen Jahren ebenfalls den Grundwasserspiegel ins Visier genommen und festgestellt, dass Deutschland austrocknet.

In den vergangenen 15 Jahren hat unser Grundwasser so viel Wasser verloren wie der Bodensee umfasst und durch die anhaltende Trockenheit werde kaum etwas aufgefüllt, stellte die Nasa fest. Die Zukunft sieht damit düsterer aus als allgemein vermutet.

Wenn alles klappt, wäre die DBS die erste Schule europaweit mit einem eigenen Satelliten im Orbit. Das hat natürlich auch seinen Preis, aber das hessische Digitalministerium hat der Weltraum-AG bei ihrem zukunftsweisenden Projekt unter die Arme gegriffen.

Vor dem Flug ins All wurde der Satellit wie vorgeschrieben an die NASA zum Testen eingeschickt, da die Amerikaner anscheinend Angst vor unreifer Technik oder auch terroristischen Machenschaften haben - und der kleine Satellit hat das Qualifying ohne Probleme bestanden. Eine bewundernswerte Leistung der technikbegeisterten Schüler.

Nun befindet sich der von der NASA auseinandergenommene Satellit auf der Rückreise zur AG, die ihn wieder zusammen bauen und für die spannende Reise ins All endgültig bereitmachen wird.

»Am 25. Oktober traf eine E-Mail der Nasa ein. Darin eine Einladung als VIP für den Start der Space X CRS-26, kurz SPX-26, einer kommerziellen Versorgungsdienstmission zur Internationalen Raumstation ISS, am Montag, 21. November 2022, zum Kennedy Space Center nach Florida zu kommen. Unterbringung und Flug auf eigene Kosten«, frohlockt Krenig und zweifelte zuerst: »Ach, das ist wohl nur eine Fake-Mail. Den Weihnachtsmann gibt’s doch nicht wirklich«.

Als aber eine zweite Mail von Ted Tagami, dem Vorstandsvorsitzender von Magnitude.io, im Postfach lag und ein klärender Anruf positiv ausfiel, wurde aus der Utopie »VIP am Kennedy-Space-Center beim Raketenstart« Realität.

Nasa begeistert vom Schulprojekt

Die Nasa fand das Schulprojekt so cool, dass Krenig jetzt wirklich und wahrhaftig Weltraum-Flair atmen darf. Gut, ein Schnäppchen wird das Abenteuer mit rund 2000 Euro nicht, aber wer von uns hat schon die Möglichkeit so etwas zu erleben?

Die Reiseplanung sei nicht einfach gewesen, gibt ein aufgeregter, aber glücklicher Krenig zu. Hotels gäbe es aus Sicherheitsgründen erst in über 25 Kilometern Entfernung vom Space Center, man denke nur an explodierende Raketen, abstürzende Kleinteile oder gar Spionage. Den Flug werde er erst Stunden vorher buchen, da der SPX-26-Start schon einmal wegen Sturm in Florida verschoben wurde. »Bis zur letzten Minute kann noch alles scheitern, schlechtes Wetter, Ausfall von Technik, Defekte an der Rakete oder gar eine Explosion«. Aber wenn alles klappt, startet Krenig am heutigen Freitag in sein ganz persönliches Weltraum-Abenteuer.

Die Rückkehr ist für Mittwoch anvisiert, denn zu Hause warten seine Schüler auf ihn. »Es ist einfach nur genial, dass wir so weit gekommen sind, egal ob unser Satellit bald die Erde umrundet oder nicht. Noch liegen viele Hürden vor uns, noch kann alles schief gehen«. Dann also Good Luck, Viel Glück Weltraum-AG!

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Bernd Krenig (ganz hinten) engagiert sich im Projekt »Schulen im Weltraum«. Hier werden Experimente im Klassenzimmer parallel zu solchen auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt. 2019 gab es schon eines mit Pflanzenwachstum an der Schule. Foto: Zielinski © Zielinski

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