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Eine von langer Hand geplante Intrige!?

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Kreis Gießen (bcz). Im Prozess um den Mord in einer Hofreite in Hungen-Bellersheim meldete sich der ältere der beiden Angeklagten, ein Lehrer, zu Wort. Zu dem eigentlichen Tatvorwurf des gemeinschaftlichen Mordes sagte er wenig, beteuerte aber, dass er unschuldig sei und alles nur eine von langer Hand geplante Intrige seines Mitangeklagten sei.

Beiden wird vorgeworfen, ihr Opfer in einer Hofreite in Hungen-Bellersheim ermordet zu haben. Der Jüngere, ein IT-Spezialist, hat bereits zugegeben, die Leiche zerstückelt und in einem See entsorgt zu haben. Sie wurde bisher allerdings nicht gefunden, weil dazu keine genauen Angaben gemacht werden. Auch wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat, ist ungeklärt, da sich beide gegenseitig beschuldigen.

Der ältere Mitangeklagte, ein Mathematiklehrer aus Bruchköbel, stellte sich in seiner ausführlichen Einlassung als Opfer dar. In Briefen, die der IT-Spezialist an das Gericht geschrieben hatte, erkennt der Lehrer versteckte Drohungen gegen sich und seine Eltern, welche er wortreich gestern ausführte. In diesen Schreiben äußert sich der Computerfachmann auch sehr herablassend über den Lehrer. Dieser nahm diese Äußerungen gestern zum Anlass, Strafanzeige wegen Beleidigung gegen seinen einstigen Freund zu stellen.

Die Frage nach dem Tatmotiv ist bis dato noch ungeklärt. Hierzu stellte der Lehrer seine eigenen Vermutungen an. So führte er aus, dass sein Mitangeklagter einfach einen Mord einmal verüben wollte, ohne hintergründiges Motiv. Er sei seiner Meinung nach sehr gut in der kriminellen Welt vernetzt und verfüge auch über Kontakte zur Mafia. »Solche Abartigkeiten gibt es«, sagte er und verwies auf entsprechende Vorfälle. Als weiteres Motiv benannte er, dass der ITler ihn habe erpressen wollen, um ihn zur später geplanten Entführung zu zwingen. Er sprach von einer »Zwangsteilnahme«. Doch warum wurde ausgerechnet jener Daniel ausgesucht? Auch zu dieser Frage äußerte sich der Lehrer. Die Motive seien möglicherweise in der sexuellen Orientierung der beiden zu suchen. So interpretierte er die Vernehmungsprotokolle dahingehend, dass der jüngere Angeklagte sich nicht eindeutig zu dem Thema Hetero- oder Homosexualität geäußert hätte. Er selbst habe nie Sex mit dem Opfer gehabt. Bei seinem Mitangeklagten sei er sich nicht sicher. Laut seiner Einschätzung könne man den IT-Mann als bisexuell bezeichnen, und dieser reagiere bei einer Zurückweisung sehr cholerisch, habe er erlebt. Der ITler hörte sich den Redefluss seines ehemaligen Freundes lächelnd, aber schweigend an. Der Prozess wird fortgesetzt.

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