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Einsatz über Probstei hinaus gezeigt

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Matthias Schmidt und Ulrike Scherf bei der Ankunft in der Marienstiftskirche. Foto: Graf © Graf

Probst Matthias Schmidt ist in einem Gottesdienst in der Licher Marienstiftskirche entpflichtet worden.

Lich (kag). »Sein Shalom, sein Frieden, seine Versöhnung leuchten jetzt schon auf. Bis er (Gott) es einst vollenden wird: Die Waffen zerbrochen, die Tränen getrocknet, der Tod besiegt sind«, sagte Probst Matthias Schmidt in seiner Abschiedspredigt anlässlich seiner Entpflichtung am Sonntag in der Licher Marienstiftskirche. Ausgehend von Psalm 46 »Gott ist unsere Zuversicht und Stärke«, in dem es am Ende heißt »Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz«, zeigte Schmidt uns unsere eigene Zerbrechlichkeit.

Er wünsche sich eine Kirche als »Ort des Gottesfriedens«, in der Menschen Kirche als Ort der Zuflucht und als Kraftquelle erleben. So solle jede Kirche zu einem »Ort des Gottesfriedens« werden und sich auch so nennen. Als Ort, an dem Menschen mit ihren Wunden und Verletzungen, ihren Um- und Irrwegen sowie der Zerbrechlichkeit des Lebens hinkommen, um die Reinigung und Heilung ihrer Wunden zu erfahren, durch Gottes Gegenwart. Die Kirche der Zukunft müsse eine seelsorgliche und diakonische Kirche sein.

Zu den Menschen

Weiter heißt es in Psalm 46: (Gott) »der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt«. Ja, so sollte es sein, in Charkiw und im Jemen, in Teheran und in Xinjiang, an den vielen Orten der Gewalt sollen Waffen zerbrochen werden, so Matthias Schmidt von der Kanzel. Schmidt beschrieb ein bekanntes Bild, dass ihm der Direktor des Theologischen Seminars in Hyderabad vorgestellt hatte. Christus stehe an der Tür und klopfe an. Aber er stehe innen und wolle heraus. Es sei ein Drama unserer Kirchen, sagte Schmidt, er sei eingesperrt in unseren Traditionen und wolle heraus zu den Menschen.

Am Ende seiner Predigt blickte Probst Matthias Schmidt zurück auf zwölf Jahre als Probst, fast 30 Jahre nach seiner Ordination, auf seine Kirche. »Eine Kirche, die von Gnade redet, weil sie weiß, dass Gott allein ihre Stärke ist«, eine Kirche, in der er an anderer Stelle weiter mitwirken wolle, so Schmidt.

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, äußerte für Schmidts Entscheidung, sein Amt als Probst vorzeitig zurückzugeben, großen Respekt. Es sei ungewöhnlich, dass ein Probst sein Amt zurückgebe, um in der Krankenhausseelsorge für Kranke und Behinderte tätig zu sein. Er habe mit theologischer Leidenschaft und großem Engagement Impulse gesetzt und sich um die weltweite Ökumene und die öffentliche Kommunikation des Evangeliums verdient gemacht. Die christliche Tradition des Pilgerns, die Sabbattage zum geistlichen Auftanken und die Mitarbeit im Rundfunkausschuss sowie im Privatfunkausschuss: Die moderne Vermittlung der christlichen Botschaft seien im wichtige Anliegen gewesen.

In seinem Grußwort sagte der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Frank-Thilo Becher, er entbiete von politischer Seite Probst Matthias Schmidt die herzlichen Grüße, den Dank für sein Wirken und die besten Wünsche für die Zukunft. Becher hob insbeson-dere Schmidts Einsatz, der über seine Probstei hinausgegangen sei, für die Flüchtlinge, den interreligiösen Dialog, sein sozialdiakonisches Engagement und die gemeinsame Verantwortung für ein gutes Miteinander sowie die Betrachtung gleichgeschlechtlicher Paare hervor. Auch die Notfallseelsorge sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. Er sehe in Schmidt auch einen starken Kämpfer und Verteidiger der Demokratie sowie einen Kämpfer gegen Rassismus und für Israel.

Dekanin Dr. Dorette Seibert vom Dekanat Vogelsberg erinnerte an die Zusammenarbeit, in der Schmidts Wort »Mach das« für sie sehr prägend gewesen sei. Es sei ein Ausdruck des Vertrauens und des Einvernehmens gewesen. Sein Engagement für Flüchtlinge hob sie besonders hervor, bevor sie ihn in seine alte und neue Heimat Lahnstein entließ und ihm einen Gutschein für das Rheingau Musik Festival übergab.

Wenn jemand in ein Amt in Oberhessen gewählt werden wolle, müsse er mindestens eine Großmutter in Oberhessen vorweisen könne. Das sei nicht so gewesen. Der gebürtige Ingelheimer sei sogar wiedergewählt worden, las Pfarrerin Lotto Jung vom Kirchensynodalvorstand der EKHN aus dem Grußwort von Dr. Birgit Pfeiffer (Präses) vor. Für ihn seien in seinem Amt zwei Dinge wichtig gewesen: Hören und reden. Hören auf die Ehrenamtlichen, die Gemeinden, die Mitarbeiter und die Pfarrerinnen und Pfarrer, ihre Forderungen und Herausforderungen. Und Position beziehen im gesellschaftlichen Diskurs, Impulse geben sowie die Sprachförderung für die Ehrenamtlichen.

Die Verabschiedung und Entpflichtung von Matthias Schmidt nahm die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf vor. Pfarrerin Carina Schmidt-Marburger aus Wetterfeld und der ehemalige Präses der Kirchensynode der EKHN Dr. Ulrich Oelschläger assistierten. Die musikalische Gestaltung erfolgte durch die Marienstiftskantorei, Christof Becker, Marina Sagorski, Christian Tolksdorff und Daniela Werner. Am Ende spielte Kirchenmusikdirektor Johannes Matthias Michel die Eigenkomposition »Intrade in Jazz«.

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