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Ekkehardt Löw und die Schulen in Frankenbach

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In der »Neuen Schule« in der Frankenbacher Straße ist heute die Firma »Toothpower Dentaltechnik« angesiedelt. Der alte Backstein-Stil ist über die Jahre erhalten geblieben. Foto: Theis © Theis

Frankenbach hat zwei ehemalige Schulen und zu beiden hat der 77-jährige Ekkehardt Löw eine starke Bindung.

Biebertal . (lth). Ein besserer Zugang zur schulischen Bildung für ihren Sohn war 1954 für die Eltern von Ekkehardt Löw Anlass, von Steinau an der Straße nach Frankenbach umzuziehen. Der Vater ließ sich versetzen und so bezog die Familie die Wohnung im zweiten Stock der »Neuen Schule« in der Frankenbacher Straße. Hier unterrichtete der Vater als Lehrer und der Sohn musste nur ein paar Treppenstufen hinabsteigen, um am Unterricht teilzunehmen. Vor einigen Jahren ist in der »Neuen Schule« ein zahntechnisches Labor der Firma »Toothpower Dentaltechnik GmbH« eingezogen. Dennoch versprüht das alte Gebäude mit seiner roten Backsteinoptik einen gewissen Charme und auch die »Alte Schule« in Frankenbach, die heute als Museum des Heimat- und Geschichtsvereins dient, ist ein wahres Schmuckstück. Für Ekkehardt Löw haben beide Gebäude eine große Bedeutung.

Der 77-Jährige sitzt gerne in Udos Bäckerlädchen und schwelgt in Erinnerungen. Genau gegenüber sind sein ehemaliges Zuhause und die Schule, die er zwei Jahre besuchte, bevor es ihn nach Gießen auf das Gymnasium in der Herderschule zog. Häufig denkt er an seine Schulzeit zurück. »Der große Hof diente damals als Schulhof und in zwei Räumen im ersten Stock waren die Klassenräume untergebracht«, erinnert sich Löw im Gespräch mit dem Gießener Anzeiger. Sein Vater und eine zweite Lehrkraft waren damals die einzigen Lehrer, die an der Frankenbacher Schule unterrichteten. Der Vater war dort bis zu seinem Tod 1967 tätig. Als die Gemeinde das Gebäude verkaufen wollte, formierte sich Widerstand aus der Bevölkerung und so blieb es in gemeindlicher Hand.

Über die Jahre hinweg wurde es unter anderem als Kindergarten genutzt und ging später dann in den Besitz der »Toothpower Dentaltechnik GmbH« über. Der Heimat- und Geschichtsverein, bei dem Löw seit seiner Gründung 1986 Vorsitzender ist, war über den damaligen Verkauf froh, denn das Dentallabor stammt ursprünglich aus dem benachbarten Hohenahr-Erda und wies so zumindest eine gewisse Nähe zu Frankenbach auf. Noch heute lobt Löw den guten Zustand, in dem sich das Gebäude befindet.

Die weitere Schule in Frankenbach - als »Alte Schule« bekannt - wurde 1848 gebaut und bis 1904 genutzt. Heute beherbergt sie das Museum des Heimat- und Geschichtsvereins. Interessierte haben die Möglichkeit, Ausstellungsstücke aus der Historie des Biebertaler Ortsteils zu begutachten. Doch bis es zur Nutzung des Gebäudes in der Kirchstraße als Museum kam, hatte es eine bewegte Geschichte hinter sich. Löw als Fachmann für Frankenbach kennt alle Details.

20 Bewohner in einem Gebäude

Weil nach dem Zweiten Weltkrieg Wohnungsmangel herrschte, vermietete die damals selbstständige Gemeinde Frankenbach die Räumlichkeiten. »Zeitweilig wohnten in dem recht kleinen Gebäude auf drei Stockwerken 20 Menschen«, schildert Löw.

In den 80er Jahren wohnte der frühere Bürgermeister Karl Brück im Erdgeschoss. Gleichzeitig fand einmal wöchentlich die Sprechstunde von Dr. Eckert und nachfolgend von seinem Sohn statt. Als das Haus anschließend einige Zeit leer stand, wollte die Gemeinde es verkaufen. Doch der Heimat- und Geschichtsverein setzte sich dafür ein, die »Alte Schule« als Heimatmuseum nutzen zu können. »Die Frankenbacher mobilisierten sich gegen den Verkauf. Wir sammelten Unterschriften und brachten schlussendlich die Gemeinde dazu, dem Heimat- und Geschichtsverein das Gebäude zu verpachten«, blickt Löw zurück.

Museumseröffnung im Jahr 1995

1995 wurde das Museum eröffnet. Hier machte sich besonderes Alma Hardt verdient, die damals »von Haus zu Haus ging, um historische Gegenstände für die Ausstellung zu sammeln«, erklärt der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins.

Heute erstrahlt die »Alte Schule« im neuen Glanz. Zuletzt wurde die Fassade im Zuge der Dorferneuerung mit neuen Schieferplatten versehen, was für einen schönen optischen Eindruck sorgt. Auf eine Erneuerung der Fenster hofft Löw noch, denn diese seien in keinem allzu guten Zustand mehr. Hier sei man mit Bürgermeisterin Patricia Ortmann sowie den zuständigen Gremien aber in regelmäßigem Kontakt.

Jeden ersten Sonntag im Monat kann das Museum von 14 bis 16 Uhr besucht werden. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Besuch nach Absprache möglich. »Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall«, sagt Löw, der sein Amt als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins nach 36 Jahren bei der kommenden Jahreshauptversammlung abgeben wird.

Mit 77 Jahren sei es an der Zeit, etwas kürzer zu treten. Dem Verein werde er natürlich weiterhin erhalten bleiben. Auch wenn er kein gebürtiger Frankenbacher ist - seine Wiege stand in Usingen - so habe er dennoch eine »starke Bindung zum Dorf und auch zu den Leuten«. Viel Herzblut hat der Vorsitzende über all die Jahre in den Heimat- und Geschichtsverein gesteckt und sich so um Frankenbach mehr als verdient gemacht.

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Die »Alte Schule« ist zum Museum des Heimat- und Geschichtsvereins geworden. Die Rückansicht zum Brunnen hin wurde mit Schieferplatten versehen. Foto: Theis © Theis

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