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Elf Jahre Haft für Pädophilen

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Im Saal 207 im Landgericht Gießen wurde ein 32-jähriger Pädophiler zu elf Jahren Haft verurteilt. Er hatte seine eigene Tochter erstmals im Alter von drei Jahren und danach über Jahre hinweg missbraucht. © Czernek

Ein Vater aus dem Kreis Gießen degradierte seine heute neunjährige Tochter zum reinen Sexualobjekt. Für den langjährigen Missbrauch kassierte er elf Jahre Freiheitsstrafe.

Kreis Gießen (bcz). Ein 32-jähriger Vater aus dem Kreis Gießen missbrauchte seine Tochter jahrelang sexuell. Seine perfiden Taten filmte er zudem. Die erste Strafkammer des Landgerichts Gießen verurteilte ihn am Montag wegen schweren sexuellen Missbrauchs in 60 Fällen zu elf Jahren Haft.

Der Strafrahmen liegt bei diesem Verbrechen zwischen zwei und 15 Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre gefordert, die Verteidigung bat um ein milderes Urteil, da sich der Angeklagte geständig zeigte.

Das Martyrium seiner kleinen Tochter begann als sie drei Jahre alt war und dauerte fünf Jahre lang. Es endete erst, als er 2021 angezeigt wurde. Daraufhin stellte er sich selbst der Polizei und legte zudem ein Geständnis ab. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und wird nun direkt seine Haftstrafe antreten.

Kind lebt heute in einer Wohngruppe

Der vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, warum das Strafmaß am oberen Ende verhängt wurde. Er filmte seine Taten und degradierte das Kind vollends zum Sexualobjekt, um seine eigenen sexuellen Wünsche zu befriedigen. Dabei setzte er sein Kind unter Druck und drohte dem Mädchen, um es gefügig zu machen. Der Angeklagte habe die Tochter konditioniert und seine besondere Vertrauensstellung als Vater ausgenutzt.

Mit drei Jahren schon missbraucht

Als der Missbrauch begann, war sie gerade einmal drei Jahre alt, erklärte Wellenkötter. »Sie konnte überhaupt nicht ermessen, was mit ihr geschah«, sodass die Taten für sie selbstverständlich geworden seien.

»Meistens am Tag, aber auch nachts, wann immer Sie es wollten, musste Ihre Tochter Ihnen zu Willen sein und das über Jahre. Wie es Ihrer Tochter dabei ging, das war Ihnen egal«, unterstrich Wellenkötter die Schwere der Tat.

Dem Familienvater fehle jedwede Empathie mit dem Opfer. »Ihre Tochter ist für Sie zum reinen Lust- und Sexualobjekt geworden.« Dabei ging der 32-jährige Werkzeugmechaniker systematisch und gezielt vor, so der Richter. Die Übergriffe fanden vor allem an Wochenenden statt, wenn beide allein waren.

Das Mädchen musste Szenen aus einschlägigen Erwachsenenfilmen nachspielen und sich dementsprechend kleiden. Aufgrund der Filme, die von der Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellt wurden, konnten dem Mann 54 Taten nachgewiesen werden. Sechs weitere, die nicht gefilmt wurden, gab er in der Vernehmung zu.

Angeblich habe er die Filme nur für sich und nicht zur Veröffentlichung aufgenommen. Hierzu gibt es weitere Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen sind.

Ob es darüber hinaus noch weitere Taten gegeben hat, konnte nicht nachgewiesen werden. Das Geständnis des Vaters ersparte der Tochter den Auftritt vor Gericht.

In seinen Einlassungen hatte der Angeklagte immer wieder betont, dass die Übergriffe immer im Zusammenhang mit dem Genuss von leichten Drogen gestanden hätten.

Einen Entschuldigungsgrund oder einen Grund für eine Strafmilderung sah das Gericht darin nicht, da er nicht davon abhängig gewesen sei. Die Einnahme habe ihn höchstens enthemmt, um seine Tochter zu missbrauchen.

Der Gutachter bescheinigte ihm einen Hang zur Pädophilie, der jedoch nicht ins zwanghafte gehen würde, sodass er auch von dieser Seite her als voll schuldfähig einzuschätzen sei. Dabei berief sich das Gericht auf ein psychiatrisches Gutachten.

Die Familie »zerstört«

»Sie hätten ihre sexuelle Bedürfnisse auch auf andere, legale Weise befriedigen können«, betonte der Richter und verwies auf die Folgen für das Opfer, die man heute noch gar nicht absehen könne. »Sicher ist, dass ihrer Tochter ein unbefangener Zugang zu ihrer eigenen Sexualität unmöglich gemacht wurde«.

Und weiter: »Sie haben ihre Familie zerstört und erst aufgehört, als sie angezeigt wurden«. All dies habe zum verhängten Strafmaß beigetragen, wobei sein Geständnis positiv gewertet wurde.

Er riet dem verurteilten Vater, dass er die sexualtherapeutischen Ansätze im Rahmen seiner Haft auch wahrnehmen und nutzen sollte, um das Ausmaß seiner Taten begreifen zu können. Im Rahmen der Beweisaufnahme musste das Gericht diverse Filmszenen in Augenschein nehmen. Der Öffentlichkeit blieb dies erspart, denn aus Gründen des Opferschutzes fanden weite Teile der Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst zur Urteilsverkündung war die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Die Ermittlungsgruppe Fokus, die seit 2020 beim Landeskriminalamt angesiedelt ist und nur in Fällen von Kindesmissbrauch tätig wird, hatte auf Geheiß der Gießener Staatsanwaltschaft den 32-Jährigen Pädophilen ins Visier genommen.

Hinweise aus Familienkreis

Zuvor hatte es Hinweise aus dem engsten Familienkreis gegeben, ist einer gemeinsamen Pressemitteilung des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft um Thomas Hauburger zu entnehmen.

Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung hätten die Ermittlerinnen und Ermittler zahlreiche Speichermedien sicherstellen. Die darauf befindlichen Videos dokumentieren den jahrelangen Missbrauch durch den Angeklagten an seiner Tochter.

Thomas Hauburger, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, sagt: »Das Urteil belegt das konsequente Vorgehen von Justiz und Polizei im Bereich des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Das hohe Strafmaß soll für potenzielle Täter abschreckend wirken und zeigt, dass sich akribische Ermittlungen bezahlt machen.«

Ein Folgeverfahren gegen den 32-Jährigen sei nicht ausgeschlossen. Auf den sichergestellten Speichermedien wurden, neben den selbst hergestellten Videodateien, Tausende weitere kinderpornografische Filme und Videos gefunden. Die Sichtung und Bewertung dieser Dateien dauere noch an.

Die Polizei sei immer wieder auf die Sensibilität und die Hilfe von Bürgern angewiesen. Was hinter verschlossenen Türen geschehe, seit unter Umständen nur engsten Vertrauten bekannt. »Solche Taten stellen jedoch ein Verbrechen an - alleine aufgrund ihres Alters - völlig wehrlosen Opfern dar.« Es bedürfe einer klaren und konsequenten Positionierung eines Jeden - egal in welchem Verhältnis er oder sie zu Täter oder Opfer stehe.

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