Eltern beschweren sich in Linden massiver

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LINDEN - (ww). Eigentlich sollte es im Lindener Sozialausschuss nur um eine Software gehen, die Eltern im Internet erlaubt, ihre Sprösslinge online in den Kindergärten anzumelden. Doch zum Schluss der Vorstellung schaute so mancher Stadtverordnete im Ausschuss betreten drein. Es kam heraus, dass die Personallage im Kindergartenbereich im Rathaus so angespannt ist, dass die frühere Sachbearbeiterin aus ihrem neuen Job im Vorzimmer teils abgezogen wird, um ihr Knowhow einzubringen.

Der Engpass führt dazu, dass sich Eltern vermehrt beschweren.

Die Grünen um Dr. Christof Schütz wollen mit der Digitalisierung der Anmeldung die Planbarkeit für Eltern erhöhen. Bürgermeister Jörg König (CDU) erklärte jedoch gleich im Ausschuss, dass man eine solche Software, genannt Web-Kita, schon im Portfolio habe. Dazu müsse allerdings die Infrastruktur der städtischen Homepage angepasst werden. Fachbereichsleiter Florian Jochim stellte das System kurz vor und erklärte auch, dass die Kindergartenbenutzungssatzung dazu geändert werden müsste, da bisher Kinder nur schriftlich angemeldet werden könnten. Er nutzte die Gelegenheit, um deutlich zu machen: "Wir sind nicht mehr in der Lage, alle gleich zu befriedigen und an eine Grenze angelangt. Wir machen alles, was möglich ist."

Eine Mitarbeiterin sei seit Anfang Juni nicht mehr da, die die Einführung der Web-Kita begleiten sollte. Derzeit zahle die Stadt moderate 330 Euro pro Monat für das Programm, das Jochim aus seiner Zeit in der Stadtverwaltung Nidda kennt. Jochim, der auch Leiter der Finanzen ist, betonte, dass es mit der Einführung in diesem Jahr eng werde. Er nannte Abstimmungsgespräche mit anderen Behörden zur Eröffnung der Kita "Kinderträume", aber auch der kommende Doppelhaushalt belaste das Personal.

Schütz (Grüne) sprach von erschreckenden Verläufen an Kontakten mit der Stadt Linden. E-Mails seien im Nirwana verschwunden, obwohl Rückrufe avisiert wurden, passierte nichts. Man kann so mit den Leuten nicht umgehen, dass sie sich verarscht fühlen". So etwas dürfe es nicht geben. Er kenne Eltern, die nach diesen Erfahrungen ihre Kinder nach Gießen in eine Kita gebracht hätten und "dann kommt die Zusage aus Linden".

Bürgermeister König gab unumwunden zu: "Ja, die Eltern waschen auch mir den Kopf." Man sei daran, die Prozesse auf einen wesentlich besseren Weg zu bringen, aber das funktioniere nicht sofort. Zusagen gebe es ab jetzt nur noch schriftlich. "Wir sind in aller Interesse bemüht darum, neue Strukturen einzuziehen."

Jochim sprach erneut von chronischer Unterbesetzung. Zwölf Wochen hätten bereits durch krankheitsbedingte Engpässe überbrückt werden müssen.

Eine Diskussion gab es zu einem Antrag von "Die Linke". Meric Uludag hatte für seine Partei das Anliegen, einen Gesamtelternbeirat für die Kindergärten in Linden einzurichten. Er konnte jedoch nicht teilnehmen, weil just an diesem Tag Nachwuchs das Licht erblickt hatte. Für den neuen Erdenbürger und seinen Vater gab es Applaus von den Ausschussmitgliedern, als der Ausschussvorsitzende Matthias Spangenberg den Grund der Verhinderung nannte. Franziska Schaffer-Gawenda (FW) sprach sich ebenfalls dafür aus, allerdings hatte Bürgermeister König Bedenken. Gesamtelternbeiräte seien nur in großen Kommunen zu finden, und die Kitas seien sehr individuell. Spangenberg belehrte ihn aber, dass es auch im Kreis Gießen solche Institutionen gibt. Der Antrag bleibt vorerst im Geschäftsgang, um weitere Informationen einzuholen.

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