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Energieumlage angedacht

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Bitter, zunächst von Corona, jetzt von der Energiekrise getroffen. Das Hypokaustum, die römische Sauna der Stadtwerke in Pohlheim, ist bis auf Weiteres geschlossen. Erst 2021 wurde es eröffnet. Foto: Wißner © Wißner

Sauna-Betreiber in Wettenberg und in Mücke denken bereits an Energiezuschläge, wenn die Preise weiter steigen. Die Stadtwerke Gießen haben ihre Saunen gleich dicht gemacht.

Kreis Gießen. Steigende Energiekosten treffen Betriebe ebenso wie Privatpersonen. Während in vielen Unternehmen und Gebäuden die Heiztemperaturen runtergeschraubt werden, ist das für Saunen nicht ganz so einfach. Der Anzeiger erkundigte sich beim Sauna Paradies Wettenberg, bei den Stadtwerken Gießen (beide arbeiten mit Gas) und beim Hallenbad »Aquariohm« in Mücke, dessen Sauna mit Strom betrieben wird. Drei Sauna-Betreiber, drei unterschiedliche Ansichten zur Energiekrise.

»Das ist eine neue Situation. Wir haben keinerlei Zahlen. Es ist nichts geregelt. Wir hängen da in der Luft«, verrät Heinrich-Josef Stein, Eigentümer des Sauna Paradieses Wettenberg. Alle zehn Saunaanlagen auf dem Gelände werden mit Gas betrieben, denn diese strahlen eine andere Wärme - Infrarot - ab als strombetriebene Öfen. »Gas war früher sieben Mal effizienter als Strom. Auch wenn sich das aktuell ein wenig verschiebt, wird Gas immer effizienter bleiben«, kalkuliert Stein. Kein Gas zu erhalten, wäre existenzbedrohend für das Unternehmen.

Ende des Jahres laufen die festen Lieferverträge des Sau-na Paradieses aus. Bis dahin soll der aktuelle Preis bestehen bleiben. Ab Januar sind monatliche Abrechnungen vorgesehen. Wenn sich die Preise erhöhten, würde das Sauna Paradies von den Gästen eine Energieumlage nehmen und diese monatlich an die aktuellen Preisentwicklungen anpassen. Es sei jedoch noch nicht abzusehen, wie hoch diese sein werde. »Wir wollen das Angebot aufrechterhalten, aber mit den Gästen und nicht gegen die Gäste«, betont Stein.

In Zukunft sollen die Saunakapazitäten in Wettenberg im Tagesverlauf an den Bedarf angepasst werden. Je mehr Gäste da sind, desto mehr Saunen werden betrieben. Eine Sauna für nur einen Tag auszuschalten, ist jedoch nicht der Plan. Diese komplett auskühlen zu lassen und später wieder aufzuheizen, würde doppelte Kosten verursachen. Große Mengen an Energie würden auch durch das Erhitzen des Wassers für die Duschen und die Schwimmhalle verbraucht.

Stein plant aktuell nicht, auch die Betriebsstunden einzuschränken. Wenn das Interesse bei den Saunagängern weiter bestehe, dann würden die Betriebszeiten beibehalten werden.

Fotovoltaik aufs Dach gesetzt

Ein neues, energieeffizienteres Blockheizkraftwerk und eine neue Fotovoltaikanlage, die beide im Frühjahr bestellt worden waren, sollen weitere Entlastungen bringen. Oliver Stein berichtete, dass das Blockheizkaftwerk voraussichtlich diese Woche in Betrieb genommen werden könne. Die Fotovoltaikanlage sei zwar auf dem Dach montiert, doch zur Inbetriebnahme fehlten noch Frequenzumrichter. Stein geht von einer Wartezeit von fünf Monaten aus, bis die Anlage Strom liefern kann.

Nach aktuellen Kalkulationen und Schätzungen rechnet das Sauna Paradies bei den Energiekosten mit einer Steigerung von über 200 000 Euro jährlich.

Das »Aquariohm« in Mücke hat ausschließlich elektrisch betriebene Saunen. Trotzdem machen sich die Betreiber der Bürgergenossenschaft eben-falls Sorgen. Erste Maßnahmen wurden schon getroffen. Die Sauna bleibt montags ge-schlossen, die Preise wurden um rund zehn Prozent angehoben, abends wird eine Stunde früher geschlossen und am Wochenende eine Stunde später geöffnet.

»Wir wollen nicht auf einen Schlag alles runterregeln«, sagt Vorstandsmitglied Karin Pichelmann. Die Bürgergenossenschaft betreibt das »Aqua-riohm« seit 16 Jahren. Bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden, will der Vorstand abwarten, wie die bereits getroffenen Schritte greifen und dann »bei Bedarf nachregeln«.

Für das »Aquariohm« musste bereits ein neuer Energievertrag abgeschlossen werden, der mit schätzungsweise 45 000 Euro mehr pro Jahr zu Buche schlägt. Rund 80 Prozent des Eigenbedarfs beim Strom werde von der Solaranlage auf dem Dach gedeckt, berichtet Pichelmann. Der Vorstand denkt über weitere Anlagen auf dem Dach oder Gelände nach.

Sollte sich die Lage verschärfen, dann sind die Betreiber in Mücke bereit, noch weitere Maßnahmen einzuleiten, wie weitere Zeitverkürzungen der Sauna, den Wegfall weiterer Tage oder eine Energieumlage.

Sowohl das Sauna Paradies als auch das »Aquariohm« schätzen ihre Gebäude als energetisch gut ein. Beide Betriebe setzen auf energiesparende LED-Beleuchtung und haben bereits die Temperaturen ihrer Schwimmhallen leicht gesenkt. Pichelmann und Stein zeigen sich vorsichtig optimistisch. »Wir sind ein bisschen guter Hoffnung, dass das gut verlaufen wird«, sagt das Vorstandsmitglied der Sauna in Mücke.

Die von den Gießener Stadt-werken betriebene Sauna in der Gießener Ringallee und das 2021 eröffnete Hypokaus-tum am Pohlheimer Hallenbad bleiben geschlossen. Ob und wann diese wieder in Betrieb genommen werden, bleibt unklar. »Es hat ja niemand eine Glaskugel auf dem Tisch stehen«, erklärt Uwe Volbrecht, Abteilungsleiter der Gießener Schwimmbäder. Die steigenden Gaspreise seien nicht der Hauptgrund dafür, dass die Saunen nicht in Betrieb sind. »Gas ist ein kostbares Gut.« Die durch die Schließungen eingesparte Menge Gas soll für andere Einrichtungen genutzt werden. Es sei widersprüchlich, auf der einen Seite Verbrauchern »schlaue Tipps« zum Sparen zu geben und gleichzeitig Saunen mit Gas zu beheizen.

Die Möglichkeit, die Preise zu erhöhen, lehnt Volbrecht ab. »Es nützt nichts, wenn Wohnungen kalt bleiben, aber die, die es sich leisten können, in die Sauna gehen.« Mit den Schließungen wolle man ein Signal setzen.

Volbrecht bleibt bei Vorhersagen vorsichtig. »Vielleicht sind wir in ein oder zwei Jahren schlauer, vielleicht schon im Sommer.« Da es noch nicht so viele alternative Gasquellen gebe, geht der Abteilungsleiter der Gießener Schwimmbäder davon aus, dass Gasknappheit möglicherweise auch im nächsten Winter ein Thema werden wird. Deshalb sei man »gut beraten, wenn man die Bälle flach hält«.

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